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BSC_6135.JPGAutoput: das Abenteuer ist bald vorbei

Einige werden sich noch an die Vorabendserie „Auf Achse“ mit Franz Meersdonk und Günther Willers erinnern (gespielt von Manfred Krug und Rüdiger Kirschstein). Auf den Weg mit ihrer Terminfracht in die arabische Welt fuhren sie über die Straßen Europas. Dabei spielte der Autoput eine nicht unwesentliche Rolle. Die „Gastarbeiter Route“ aus der Türkei, Jugoslawien und Griechenland stellte eine große Herausforderung und ein regelrechtes Abenteuer dar. Nicht nur für LKW-Fahrer. Auch für PKW Fahrer und Mini-Busse war es eine abenteuerliche Route. Doch das Abenteuer ist bald vorbei. Die letzten Kilometer durch die mazedonischen Berge erfahren gerade eine Erneuerung. Wenn die Bauarbeiten beendet sind, entsteht eine vierspurige Autobahn von Deutschland bis nach Thessaloniki in Griechenland.

Waren früher während der Zeit des „Eisernen Vorhangs“ noch kilometerlange Staus an jeder noch so kleinen Grenze üblich, so ist durch die europäische Idee alles – besser formuliert, vieles – einfacher geworden. So finden heute keine Grenzkontrollen zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik und weiter in die Slowakei, nach Österreich als auch nach Ungarn statt. Die Fahrt wird nur zum Bezahlen der Maut unterbrochen. Wer zum Beispiel heute von Braunschweig in die Goldene Stadt Prag fahren möchte, ist in vier Stunden dort. Noch vor wenigen Jahren schlängelte sich die Strecke durch Dörfer und Täler Richtung der tschechischen Hauptstadt. Weiter geht es nach Bratislava, der Hauptstadt der heutigen Slowakei. Diese Stadt sollte mehrmals besucht werden. Erst dann erschließt sich die Schönheit der Donaumetropole. Mit der über der Stadt thronenden Burg mit dem Parlament und einer schönen Altstadt lässt sich ein Zwischenstopp prima gestalten. Noch sind die Preise günstiger als in Deutschland.

Eigenleben

Auf dem Weg nach Ungarn, das nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt liegt, ist die damalige Atmosphäre noch hautnah erlebbar. Zwar ist die Strecke noch zweispurig mit Überholverbot und Geschwindigkeitsbeschränkung. Doch die „Rallye“ der überwiegend türkischstämmigen deutschen Autofahrer beginnt hier. Gerade zu Ferienzeiten. An der Grenze kann ein Zwangsaufenthalt zwecks Mautabgabe zu mehreren Stunden Müßiggang führen. Von den möglichen sechs Schaltern sind meist nur zwei geöffnet. Wenn es dann wieder los geht, soll schon auf den ersten Kilometer der Zeitverzug aufgeholt werden. Riskante Überholmanöver mit völlig überladenen Fahrzeugen sind deshalb an der Tages- und Nachtordnung. Wobei als Tipp empfehlenswert ist, nachts über die Grenze zu fahren. Denn dann sind die Wartezeiten deutlich geringer.

Doch das ist nicht der eigentliche Autoput. Denn der ist eine 1.188 km lange „Autobahn“ durch das heutige Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien (heute: FYROM), also durch vier der ehemals sieben Teilrepubliken von Jugoslawien. Aber schon an der slowakisch-ungarischen Grenze beginnt eine völlig andere Autofahrerzeit; als ob ein Schalter umgelegt wurde. Wer die Geschwindigkeitsbeschränkungen von 120 km/h ausnutzt, fährt in drei Stunden bis zur serbischen Grenze durch. Das ist auch für denjenigen sinnvoll, der schnell weiter Richtung Süden möchte und die wunderschöne Stadt Budapest links liegen lässt. Denn auf der ungarischen Seite beginnt ein Stop-and-Go Marathon. PKW Fahrer sollten mindestens eine Stunde Aufenthalt einkalkulieren; meist sind es aber drei bis vier Stunden. Für LKW Fahrer in der mehrere Kilometer langen Schlange springt ein „freies Wochenende“ heraus.

Alte Zeiten – neue Zeiten

Auch wer mehrmals diese Strecke befährt und sich genussvoll dem Grenzübergang nähert, dem erschließt sich nicht, warum die Grenzabfertigung zwischen Ungarn und Serbien diesen Zeitraum beansprucht. Der erfahrene Bundesbürger mit Berlin oder DDR Besuchserfahrung wird zurückversetzt in eine Zeit der siebziger und achtziger Jahre. Durch einen Besuch so eines Grenzüberganges könnte manch deutscher Geschichtslehrer seinen Schülerinnen und Schülern im Unterricht die deutsch-deutsche Grenze noch heute realitätsnah vorführen: „Papiere bitte, machen Se mal den Kofferraum auf, haben Se was zu verzollen. Nein? Dann wolle ma mal nachschauen. Bitte packen Sie ihr Fahrzeug aus.“ Zwar nicht im sächsischen Deutsch, aber so ähnlich wird es klingen. Das ist europäische-ungarische Realität im 21. Jahrhundert.

Doch dem aufmerksamen Fahrer sind gerade an der hier beschriebenen Strecke durch die Tschechische Republik, Slowakei und Ungarn die blauen Schilder mit den Sternchen nicht entgangen. Sie zeugen von großen Investitionen seitens der europäischen Gemeinschaft für den freien Verkehr zwischen unseren Ländern. Doch irgendetwas läuft da schief. Das Geld wird gern genommen; Freiheit muss nicht sein. Schleunigst muss hier nachgebessert werden. Sonst wird das nicht mit einem geeinten Europa.1280px-SFR_Yugoslavia_autoput_de.svg.png

Ach ja, das Lückenspringen wird selbstverständlich an den mehreren Spuren beim Grenzübergang fortgesetzt. Da wird gedrängelt, um „fünf Sekunden früher“ seine Papiere zeigen zu dürfen.

Auf geht’s nach Belgrad

Aber alles hat auch seine Vorteile. Nach dem Grenzübergang ist das Fahrzeugaufkommen erst einmal überschaubar. Das liegt auch an den vielen Mautstationen. Denn bis nach Mazedonien sind rund 40,- EUR fällig; je nach Fahrzeuggröße.

Weiter geht es über Novi Sad und die serbische Hauptstadt Belgrad zur mazedonischen Grenze bei Preševo. Wer nicht unbedingt Belgrad einen Besuch abstatten möchte, sollte ca. 30 Kilometer vorher die Donau querend die Fahrtrichtung Nis wählen. Denn die Tour durch die Hauptstadt ist zeitlich aufwändig. Auch für Besucher ist die Parkplatzsuche sehr umständlich.

Wieder auf der E 75 wird nach wenigen Kilometern das blaue Gebäudes eines schwedischen Möbelhauses erreicht. Wer Hackbällchen und Pommes zu seiner Leibspeise erwählt hat, fühlt sich wie zu Hause. Da auch etwa die halbe Strecke (300 von rund 600 Kilometer) auf dem Weg nach Mazedonien geschafft ist, können schwedische Spezialitäten auch in Serbien zur körperlichen Stärkung führen.

Die derzeitige Autostraße von Horgoš an der Grenze zu Ungarn bis Belgrad ist eine der meistbefahrenen Straßen in Serbien. Vor allem für den Transitverkehr von Westeuropa in den Nahen Osten ist die Strecke von großer Bedeutung, nicht zuletzt, weil die Durchfahrt durch Slowenien, eine andere Möglichkeit um nach Westeuropa zu gelangen, kostenintensiver ist. Wer dann Richtung Rumänien sein Ziel sucht, wird hier Richtung Bukarest abzweigen.

Der Abschnitt zwischen Belgrad und Preševo an der Grenze zu Mazedonien spielt als Teil der Verbindung Serbiens mit seinen Nachbarstaaten Kroatien und Mazedonien eine wichtige Rolle und ist darüber hinaus ein wichtiger Teil des europäischen Reise- und Transitverkehrs. Die Strecke wird z. B. von vielen Griechenland-Urlaubern und Diaspora-Mazedoniern genutzt.

In Nis zweigen dann Urlauber und Transporteure Richtung Bulgarien und die Türkei ab. Aber auch Besucher des östlichen Teils von Griechenland kürzen hier ab und vermeiden so die letzten Herausforderungen des Autoput.

Hohes Verkehrsaufkommen

Zurück zur direkten Route nach Skopje und Thessaloniki. Da sie mit einem jährlichen Verkehrsaufkommen von über eine Million Fahrzeugen und sechs Millionen Reisenden eine der meistbefahrenen Straßen in Südosteuropa ist, wurde es nötig, dieses Teilstück ebenfalls zu einer Autobahn auszubauen. Die Freigabe des in den Bergen liegenden Teilstücks ist aufgrund der schwierigen Baumaßnahmen – wie Tunnel und Brücken mussten gebaut und die Hänge gesichert werden – noch nicht abzusehen. Wann das genau sein wird, ist noch offen. Aber an dieser Stelle werden die früheren Herausforderungen von PKW- und LKW-Fahrern deutlich. Kurvige Straße, riskante Überholmanöver von PKW- und LKW-Fahrern bei Gegenverkehr, niedrige Tunnel, lassen heute noch erahnen, wie die früheren Unfallstatistiken ausgesehen haben könnten. So lässt sich nachlesen, dass die Anzahl der Unfalltoten auf dem Autoput – also den 1.188 km – über der Zahl der Unfalltoten in der gesamten Bundesrepublik gelegen haben.

Das hohe Verkehrsaufkommen nagt natürlich an der Fahrbahndecke. Gerade im Sommer mit den hohen Fahrbahntemperaturen nimmt die Straße erheblichen Schaden. So reiht sich ein Schlagloch an das andere. An mancher Stelle ist die Straße abgängig, so dass mit einer Vollsperrung und Umleitung durch die anliegenden Orte gerechnet werden muss. Da kann so eine Umleitung schon mal mehrere Jahre dauern.

In Nord-Mazedonien – oder wie immer das Land demnächst heißen soll – sind die Baumaßnahmen ebenfalls im vollem Gange. Doch Achtung, bevor die Fahrt durch Mazedonien möglich ist, sollte die Grüne Versicherungskarte vorgezeigt werden. Sonst ist eine gesonderte Versicherungsprämie fällig. Eine noch bestehende Besonderheit ist, dass südlich von Skopje die Autobahn Richtung Süden auf der alten Autoput-Strecke verläuft und Richtung Norden schon ein Teil der Neubaustrecke freigegeben wurde.

Wer es dann bis zur griechischen Grenze geschafft hat, ist in knapp einer Stunde am Mittelmeer. Dann ist das Abenteuer vorbei und der Urlaub kann beginnen.

Info

Auch wenn viele Südländer immer noch der Meinung sind, gute Autofahrer zu sein, sollte dem nicht viel Glauben geschenkt werden. Da kann es schon wiederholt vorkommen, dass der Familienausflug mit dem schnuckeligen Zastava über die „Autobahn“ zwischen 60 und 70 Kilometer pro Stunde erfolgt. Die Beleuchtung wird nicht unbedingt vollständig intakt sein. So kann es zu ungeahnten Überraschungen kommen. An vielen Fahrzeugen gehören Blinker nicht zur Serienausstattung. Oder doch? Jedenfalls wird deren Nutzung nur sparsam eingesetzt. Das ist nicht unbedingt eine südländische Spezialität. Denn auch in Deutschland scheint der TÜV bei der Hauptuntersuchung die Signalanlage nicht zu prüfen. Denn deren Benutzung auf bundesdeutschen Straßen findet in homöopathischen Dosen statt.

Generell lässt sich überall mit Karte und Euro bezahlen. Doch der Sparfuchs sollte sowohl in Serbien als auch Mazedonien Geld wechseln. So lassen sich eine Euro einsparen. Nach Möglichkeit sollte so der Tankstopp gewählt werden, um günstig in Mazedonien zu tanken. Rund ein Euro sind pro Liter Diesel fällig. Die Preise sind im gesamten Land gleich; oder fast gleich. Auf der gesamten Strecke gilt, Preise zu vergleichen, um möglichst hohen Spritpreisen aus dem Weg zu gehen. Davon lässt sich dann schon günstig und gut in Skopje essen. Tipp für einen Parkplatz im Zentrum: einfach im Navi das Hotel Holiday Inn Skopje wählen. Davor ist ein großer Parkplatz. Pro Tag rund 5,- EUR. Alle Sehenswürdigkeiten sind in fußläufiger Nähe.