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Adipositas_Kongress_22-06-18.jpgHandlungsbedarf

In der Redaktion entbrannte eine Diskussion: sollen wir darüber berichten? Ohne ein Foto geht das aber nicht. Sollen dann dicke Menschen abgebildet werden? Wie gehen wir damit um? Es war eine schwierige Entscheidung. Doch schlussendlich wissen wir, dass unsere Leserinnen und Leser von luckx – das magazin an informativen Berichten interessiert sind und davon profitieren. Denn wir wissen, dass unsere Tipps zur Freizeit- und Lebensgestaltung sehr viel gelesen werden. So haben wir uns entschieden, das sehr persönliche aber wichtige Thema aufzugreifen. Denn Adipositas ist auf dem Vormarsch und damit ein Thema von hoher Relevanz, das dringend angegangen werden muss. So war der Tenor des 7. Adipositastages, zu dem die Adipositaschirurgie Selbsthilfe Deutschland e.V. (AcSDeV) eingeladen hatte. Rund 300 Besucher aus ganz Deutschland informierten sich aus erster Hand über aktuelle Erkenntnisse rund um Adipositas und ihre Behandlungsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt der eintägigen Veranstaltung stand eine hochkarätig besetzte interdisziplinäre Podiumsdiskussion. Unter dem Motto "Quo vadis Adipositastherapie?" diskutierten der Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt, Berichterstatter für Adipositas, Joachim Henkel von der AOK Hessen, Rechtsanwalt Tim Werner, Dr. Jens Aberle, Dr. Sylvia Weiner sowie die Patientenvertreterinnen Christel Moll vom Adipositasverband und Melanie Bahlke vom AcSD e.V. über die aktuelle Adipositas-Versorgungssituation in Deutschland.

Allein in Deutschland sind mehr als 23 Prozent der erwachsenen Männer und Frauen (18-79 Jahre) adipös, also stark übergewichtig mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30 kg/m². Sie leben mit einer Erkrankung, die schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann. So kann die Adipositas mit einer um zwei bis zehn Jahre verringerten Lebenserwartung einhergehen und stellt aufgrund der damit assoziierten Begleiterkrankungen weltweit die fünfthäufigste Todesursache dar. Viele Menschen mit Adipositas finden jedoch nicht ausreichend Unterstützung bei ihren Bemühungen um eine Gewichtsreduktion. "Adipositas ist eine Erkrankung, die mit Stigmatisierung und Schuldzuweisungen einhergehen kann. Wir beginnen jetzt erst die Adipositas zu verstehen", sagte Dr. Sylvia Weiner, Chirurgin aus Frankfurt. Adipositas sei auf dem Vormarsch und damit ein Thema von hoher Relevanz, das dringend angepackt werden müsse. Eine Anerkennung der Adipositas als chronische Krankheit in der Gesellschaft und im Gesundheitswesen sei die notwendige Grundlage, um die Situation für Menschen mit Adipositas in Deutschland zu verbessern. "Auch die Implementierung von Disease Management Programmen (DMP) wie in der Diabetesversorgung könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein", so Weiner.

Bedarfsgerechte medizinische Versorgung für Menschen mit Adipositas

Grundsätzlich steht Adipositas Patienten der Zugang zu konservativen Behandlungsmethoden, wie Ernährungsberatung und Bewegungsprogrammen, offen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Kassenleistungen, so dass die Patienten selbst für die Kosten aufkommen müssen. Auch Medikamente zur Gewichtsreduktion sind von der Erstattung ausgenommen. Chirurgische Verfahren stehen in Einzelfällen erst nach Antrag bei den Krankenkassen und erfolgter Bewilligung zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund war das Plenum einhellig der Meinung: Die Versorgungslage für Menschen mit Adipositas in Deutschland ist verbesserungsbedürftig. So müsse es Ziel sein, eine nationale Adipositas-Strategie noch in dieser Legislaturperiode zu stärken, erklärte Bundestagsabgeordneter Dietrich Monstadt. Er zeigte sich der Forderung nach einem Nationalen Aktionsplan Adipositas gegenüber aufgeschlossen und versprach, sich für dessen Umsetzung nachdrücklich einzusetzen.

Schulterschluss der Patientenorganisationen: Petition an Bundestag

Der Einladung des AcSDeV nach Frankfurt waren auch die beiden anderen großen deutschen Organisationen der Adipositas-Selbsthilfe gefolgt: der Adipositasverband und die Adipositashilfe Nord. Gemeinsam beschlossen die drei Organisationen, eine Petition an den Bundestag auf den Weg zu bringen. Die Forderung: Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung adipöser Menschen sowie Sicherstellung einer bundesweit einheitlichen Finanzierung. "Nur gemeinsam können wir auch politisch etwas verändern, damit Menschen mit Adipositas Stück für Stück besser versorgt werden", appelliert Melanie Bahlke, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des AcSDeV.