Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

Gemuese_Kisten_bioland_19-01-18.jpgNeue EU-Agrarförderung

Forderungen aufzustellen ist das eine. Doch die Umsetzung bedarf eines viel größeren Engagement. Trotzdem haben im Rahmen der Internationalen Grünen Woche Deutschlands größter Naturschutzverband NABU und Deutschlands größter ökologischer Anbauverband Bioland gemeinsam eine Neuausrichtung der Europäischen Agrarpolitik (GAP) gefordert. „Verbraucher, Landwirte und die Umwelt brauchen einen Umbau der EU-Agrarförderung. Eine Politik des Weiter-So darf es nicht geben“, waren sich NABU-Präsident Olaf Tschimpke und Bioland-Präsident Jan Plagge einig.

Mit 55 Milliarden Euro jährlichen Zahlungen an Landwirte ist die GAP das zentrale Steuerungsinstrument für die Art der Landnutzung in der gesamten EU. Bisherige Reformversuche haben das Artensterben nicht aufhalten können – obwohl der Umweltschutz als wichtiges Ziel immer wieder genannt wurde. So ist etwa das Greening durch die ständige Verwässerung der Agrarlobby gescheitert und bleibt wirkungslos für die Artenvielfalt. Der Europäische Rechnungshof bekräftigte unlängst die Ineffizienz des Greenings. Auch eine vom NABU mit in Auftrag gegebene Fitness-Check-Studie weist die hochgradige Ineffizienz, Umweltschädlichkeit und widersprüchlichen Ziele der gesamten bestehenden EU-Agrarförderung nach.

Der Großteil der EU-Agrar-Gelder wird derzeit mit der Gießkanne über alle Agrarflächen ausgeschüttet und landet so bei Verpächtern und Bodenspekulanten anstatt bei den Bauern. Die Reform der GAP bietet die große Chance, die bestehende falsche Lenkungswirkung zu korrigieren. „Gefordert sind jetzt mutige Politiker, die die Gießkannenförderung stoppen und gezielt gesellschaftliche Leistungen der Landwirte honorieren. Im Ringen um die Verteilung der Agrargelder sollen diejenigen Landwirte unterstützt werden, die sauberes Wasser und eine hohe Artenvielfalt sicherstellen, Klima- und Tierschutz auf höchstem Niveau betreiben und so wertvolle Lebensmittel erzeugen“, sagte Plagge. „Viele Landwirte würden ihren Betrieb danach neu ausrichten und davon profitieren“, ist Plagge überzeugt.

Bisher blockieren der Bauernverband und das Bundeslandwirtschaftsministerium eine umweltfreundliche Agrarreform. Beide müssen dringend umdenken, wollen sie nicht die Zukunft vieler Bäuerinnen und Bauern aufs Spiel setzen. Denn schwindet die gesellschaftliche Zustimmung für die Landwirtschaft, versiegt langfristig auch die Förderung aus der Staatskasse“, so Tschimpke.

Steuergelder sollten dafür eingesetzt werden, Verbraucherforderungen nach mehr Tierwohl, pestizidfreier Landwirtschaft und sauberem Grundwasser zu erfüllen. Nur so kann bei Verbrauchern Akzeptanz für die Landwirtschaft und die realen Kosten von Lebensmitteln geschaffen werden“, schloss Plagge.