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Heidschnucke 21-05-19.jpgArtenvielfalt

Bei Artenvielfalt denken wir sofort an Pflanzen, die im Garten wachsen oder Insekten, die durch die konventionelle Landwirtschaft in ihrer Vielfalt beschränkt wird. Aber auch an Bienen, durch durch eine groß angelegte Petition in Bayern mehr Schutz erfahren soll. Damit kommen wir dem Thema näher, mit dem sich luckx – das magazin beschäftigen möchten: der Artenvielfalt auf dem Teller.

Ist das nicht schizophren: aufessen, was wir schützen wollen? Vielleicht doch nicht. Das Beispiel der Getreidesorte Dinkel zeigt, wie der Weg sein könnte. Durch die vermehrte Nachfrage nach Dinkel wird diese Sorte nun vermehrt angebaut. Denn der rapide Biodiversitätsverlust bringt das Gleichgewicht des Planeten immer mehr ins Schwanken, schränkt unsere Ernährungssouveränität ein und gefährdet langfristig die Ernährungssicherheit. Sl fordert die Organisation Slow Food zum Erhalt der Artenvielfalt Politik und Lebensmittelhandel auf, dringend einen ambitionierten Aktionsplan zum Erhalt der Artenvielfalt umzusetzen. Verbraucherinnen und Verbraucher können sich für die Artenvielfalt einsetzen, indem sie essen, was sie retten wollen und alte Sorten und ökologisch erzeugte Lebensmittel beim Einkauf vorziehen sowie samenfeste Sorten im Garten anbauen.

Biodiversität

Aus dem Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) der Vereinten Nationen zum globalen Zustand der Biodiversität, sind derzeit eine Million Tier- und Pflanzenarten durch Eingriffe des Menschen in die Natur vom Aussterben bedroht. Eine Neuigkeit ist dies allerdings nicht, so sind doch die Zahlen zum Ausmaß des Artenverlustes aus verschiedenen Quellen schon lange bekannt. Seit Jahren weist Slow Food immer wieder darauf hin, dass in den letzten 70 Jahren 75% der Artenvielfalt verloren ging. Und das obwohl der mit dem Rückgang der Biodiversität einhergehende Verlust der genetischen Vielfalt und der Ökosysteme Folgen für Klima, Umwelt und demnach auch für das Gleichgewicht der Erde nach sich zieht.

Seit den Anfängen der Organisation macht sich Slow Food u. a. mit dem internationalen Projekt Arche des Geschmacks für den Erhalt der biologischen Vielfalt stark. Dieses wurde 1996 ins Leben gerufen und schützt weltweit über 5.000 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen, indem sie nach dem Motto „Essen, was man retten will“ diese Arche-Passagiere und andere alte Sorten in der Küche verarbeiten oder im Garten pflanzen. Der erste deutsche Arche-Passagier war die Nordhessische Ahle Wurscht in traditioneller Herstellung.

Vom Aussterben bedroht

Die große Mehrheit der Arche-Passagiere sind vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen und Nutzpflanzenarten, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen nicht konkurrenzfähig sind. Sie haben zu viel Fett und nehmen nicht schnell genug zu (Buntes Bentheimer Schwein), sind nicht spezialisiert auf Fleisch- oder Milchproduktion (Murnau-Werdenfelser Rind, Hinterwälder Rind) oder einfach so klein, dass sie durch den Kartoffelvollernter fallen (Bamberger Hörnla). Das Filder-Spitzkraut ist wegen seiner Form mechanisch schwierig verwertbar, dem runden Weißkohl geschmacklich aber überlegen.

Die andere, kleinere Gruppe bilden handwerklich hergestellte Lebensmittel mit einzigartigen Charakter, langer Geschichte und unvergleichbarem Geschmack. Ostheimer Leberkäs wird von nur noch einer Metzgerei in Ostheim (Bayrische Rhön) traditionell produziert. Weißlacker ist der einzige Käse, der im Allgäu erfunden wurde. Der Würchwitzer Milbenkäse (Sachsen-Anhalt) und der Nieheimer Käse (Nordrhein-Westfalen) haben eine lange Tradition, die fast schon vergessen war. Die Nordhessische Ahle Wurscht schließlich zählt zu der Gruppe von traditionellen Produkten, die durch den zunehmenden Einsatz von Gewürzmischungen und Zusatzstoffen im Fleischerhandwerk an sensorischer Qualität verloren hat. Ein durch Slow Food initiierter Förderverein arbeitet gegen diesen Trend, seine Mitglieder stellen die Wurscht nach ihrer ursprünglichen Rezeptur her.