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BaslerFasnacht_08-03-17.jpgWenn es am Morgen um 4 Uhr in Basel dunkel wird . . . 

Man geht früh schlafen, wenn man überhaupt schlafen kann. Steht früh auf, begibt sich in die Stadt. Vielleicht noch einen Kaffee. Ganz wichtig dass man sich einen guten Platz am Strassenrand sichert. Rechtzeitig. Die Cliquen beginnen mit dem Ystoh, sich mit ihren Cliquen in den langem Cortège einzureihen. Die Spannung steigt, Aufregung macht sich breit. Eine fast elektrisierende Ruhe herrscht. Die Larve wird auf dem Kopf plaziert. Der Tambourmajor zieht die weissen Handschuhe an. Ein letzter Blick auf die Uhr. Und dann... mit dem Glockenschlag um 4 Uhr geht das Licht in der Innenstadt aus und ein Meer aus Laternen leuchtet: Morgestraich vorwärts marsch!

Pfeiffer und Tambouren spielen ihre Märsche. Jedem läuft es eiskalt den Rücken runter. Die Basler Fasnacht hat begonnen. Riesige Laternen werden durch die Strassen gezogen, jede mit ihrem eigenen Sujet das ein aktuelles Thema ausspielt. Bis es hell wird wird gepfiffen und getrommelt, der Basler „Gässlet“. Anschliessend geht man in einen Cliquenkeller oder Beiz und isst eine feine Mehlsuppe, eine Zwiebel- oder Käswaihe, Spezialitäten zur Basler Fasnacht.

Die Basler Fasnacht, oder wie wir Basler sagen: die „drey scheenschte Dääg“ beginnen immer am Montag nach Aschermittwoch. Sie unterteilt sich in 5 Abschnitten, der Morgenstraich, am Montagnachmittag der Cortège, Dienstagnachmittag ist für die Binggis reserviert, Dienstagabend gehört den Guggemusiken, am Mittwoch Nachmittag Cortège und anschliessend der Endstraich bis Donnerstagmorgen 4 Uhr. Die Strassenreinigung wartet dann geduldig bis die letzten Aktiven respektvoll ihnen den Platz räumen um die Stadt von den vielen Räppli zu befreien.

In Basel wird strikt zwischen Aktiven und Passiven Fasnächtlern unterschieden. Die Aktiven tragen ein Kostüm und eine Larve. Man gibt sich der Öffentlichkeit nicht zu erkennen. Jede Clique oder Gugge hat ihr eigenes Sujet mit dem sie der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Daneben gibt es auch traditionelle Figuren wie die „alte Dante“ oder der „Waggis“ . Nicht zu vergessen die vielen Schnitzelbänggler. Sie ziehen an den Abenden durch die Beizen und präsentieren dass was dem Basler im laufendem Jahr sauer aufgestossen ist. Für passive Fasnächtler ist es verpönt sich zu verkleiden oder die Gesichter zu bemalen. Alle sollten eine „Blaggedde“ tragen.

Schnapsleichen sucht man übrigens vergebens zur Fasnacht in Basel. Wer zu tief ins Glas geschaut hat, wird heim geschickt. Und das ist einfach viel zu schade die „drey scheenste Dääg“ zu verpassen. Zu viel Herzblut steckt in all den selbstgenähten und gebastelten Kostümen, geschweige denn die unzähligen Proben die das ganze Jahr über stattgefunden haben. (amh)