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Bessere_Bildung_21-02-19.jpgBessere Bildungschancen

Schon seit Jahren bemängelt der Bildungsverband DIDACTA die mangelhafte Bildungsqualität und Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems. Dabei benötigt gerade Deutschland als Exportnation hochqualifizierte Facharbeiter um die weltweit nachgefragten „Made in Germany“ Produkte auch künftig bedarfsgerecht zu liefern. Der Verband äußerte zur Bildungsmesse in Köln, dass gerade 2019 das Jahr mit wichtigen Weichenstellungen für mehr Bildungsqualität werden kann. Der Bundestag hat nun den Weg für den Digitalpakt mit den Ländern frei gemacht. Nun sind die Länder gefordert es ihm gleich zu tun. Die Schulen im ganzen Land warten auf diese einmütige Entscheidung. Aber mit der Anschaffung von Tabletts und Internetverbindungen ist es nicht getan. Auch die Qualifizierung des Lehrpersonal sowie die Bereitstellung von Lehrplänen wird seitens der Schulen gefordert. Einige Schulen wie zum Beispiel die „Neue Oberschule“ in Braunschweig geht hier seit Jahren voran und schult die Medienkompetenz in speziellen Medienklassen.

Doch „Bildung von Anfang an“ ist eine grundsätzliche Forderung des Bildungsverbandes. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung ist ein Schritt in die richtige Richtung erfolgt.

Politische Diskussionen werden auf dem Rücken der Fach- und Lehrkräfte ausgetragen. Dabei sind gerade sie das Herz guter, professioneller Bildung. Die didacta und der Didacta Verband möchten sie dabei unterstützen, diese Rolle auszufüllen - mit Konzepten und Instrumenten, die das Lehren und Lernen fördern und den Alltag an den Bildungsorten erleichtern", sagt Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, der Präsident des Didacta Verbandes. Um Bildungsprozesse zu stärken, gerade im Hinblick auf die zunehmend digitalisierte Welt und die große Vielfalt in der Gesellschaft, sind besondere Maßnahmen erforderlich: Was zeichnet zeitgemäße Bildungsangebote aus? Wie kann hohe Bildungsqualität erreicht werden und wie können alle Kinder und Jugendlichen davon profitieren?

Mehr Qualität in Kitas und Schulen?

Im Januar 2019 ist das Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung in Kraft getreten - ein Vorhaben, das von Bildungsexpert*innen und Fachkräften seit vielen Jahren gefordert wurde. Bis zum Jahr 2022 wird der Bund den Ländern 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Fthenakis: „Das Gesetz ist richtig. Ob es wirklich zu mehr Qualität in den Kitas beiträgt, wird allerdings vom Willen der Länder abhängen, wie sie das Geld verwenden. Denn: Es gibt keine Verpflichtungen, beispielsweise ob das Geld für die Professionalisierung der Fachkräfte oder für die Gebührenfreiheit eingesetzt wird." Finanziert wird das Gesetz über einen höheren Anteil an den Umsatzsteuereinnahmen. Damit unterscheidet es sich vom Digitalpakt, für den der Bund eine Grundgesetzänderung eingeleitet. Dieses Vorhaben hat der Bundesrat im Dezember 2018 vorerst ausgebremst. Nun soll im März 2019 „Nägel mit köpfen gemacht werden“.

Wieder einmal geht es ums Prinzip und die Frage, wie weit der Bund in die Länderhoheit eingreifen darf. Ab dem 1. Januar 2019 wollte der Bund über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellen, davon 3,5 Milliarden Euro noch in dieser Legislaturperiode. Geht es nach dem Bund, soll im zweiten Halbjahr 2019 das Geld fließen.

Die Leidtragenden sind vor allem die Schülerinnen und Schüler, deren Bildungschancen unnötig klein gehalten werden. Schulen haben einen immensen Aufholbedarf bei der digitalen Ausstattung, sowohl mit technischer Infrastruktur und Geräten als auch mit pädagogischen Konzepten für die Bildung in der digitalen Welt", erklärt der Didacta-Präsident.

Fthenakis: „So verstreicht weitere wertvolle Zeit. Die Finanzhilfen durch den Bund sind sinnvoll. Das wissen auch die Länder, die den Digitalpakt nicht grundsätzlich ablehnen. Eine schnelle Einigung muss her, sowohl über den Weg, wie mehr Geld in das Bildungssystem fließen kann, als auch über die Frage, wie diese Finanzierung nachhaltig wirkt. Beide Gesetzesvorhaben sind zeitlich befristet. Vage Zusagen des Bundes, auch darüber hinaus eine finanzielle Lösung anzubieten, reichen den Ländern zu Recht nicht aus."

Digitale Lernräume gestalten

Welche Chancen dadurch vorerst ungenutzt bleiben und welche Voraussetzungen für eine gelingende Bildung in der digitalen Welt erfüllt werden müssen, thematisiert der Didacta Verband auf der Messe. Dabei richtet er den Blick vor allem auf die Pädagogik.

Der Einsatz digitaler Technik führt nicht automatisch zu besseren Lernerfolgen. Das Potenzial der Digitalisierung kann nur ausgeschöpft werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Fthenakis: „Erstens, die Bereitstellung einer Breitband-Infrastruktur. Sie ermöglicht den schnellen Zugang zu Informationen. Wichtig ist hierbei auch der Support, der garantiert, dass die Technik funktioniert und auf dem neuesten Stand bleibt. Zweitens, die Qualifizierung der Fachkräfte, damit sie ihre Vorbehalte abbauen und ihre eigene digitale Kompetenz stärken können. Sie sollten in der Lage sein, in Kooperation mit anderen Fachkräften, geeignete didaktische Einheiten zu entwickeln." Daraus folgt für den Didacta-Präsident die dritte und wichtigste Voraussetzung: „Wir benötigen geeignete pädagogisch-didaktische Konzepte, die den sinnvollen Einsatz neuer Technik erst ermöglichen und rechtfertigen. Lernen sollte als sozialer Prozess verstanden werden, der aktiv vom Kind, den Fachkräften, den Eltern und anderen Erwachsenen gestaltet wird. Die pädagogisch-didaktischen Konzepte sollten auf modernen Ansätzen aufbauen, die auch den virtuellen Raum miteinbeziehen und somit den Lernprozess erweitern und neue Perspektiven eröffnen. Sie sollten dabei die von den neuen Medien gegebenen Chancen produktiv und kreativ nutzen. Interaktionen, Dialog und kooperative Formen des Lernens sind das Fundament eines solchen Ansatzes. Das didaktisch-pädagogische Konzept der Ko-Konstruktion berücksichtigt diese Anforderungen."