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Brabus_Marine_Cars_23-01-19.jpegWas zusammen gehört

Wer über die Boot in Düsseldorf streifte, dabei die Hallen 5 und 6 mit den Mega-Yachten intensiv betrachtete, konnte zu der Erkenntnis kommen, das bestimmte Dinge einfach zusammen gehören: Luxus-Uhren, Luxus-Autos, Luxus-Yachten. Nun gab es in den beiden Hallen weder Luxus-Autos noch Luxus-Uhren zu entdecken; jedenfalls nicht als Ausstellungsgegenstände. Doch mit Abt und Brabus waren zwei automobile Luxustuner vor Ort. Brabus hat nach der Vorstellung im letzten Jahr auch dieses Jahr wieder ein neues Wasser-Produkt im Angebot. Gemeinsam mit dem finnischen Schiffbauer Axopar wurde die Brabus Shadow 500 vorgestellt. Dem nicht eingeweihten sagen die Namens- und Ziffernkombinationen nichts. Ein gut neun Meter langer Tender, der die Gäste vom Land auf eine der Luxus-Yachten des Eigners transportieren soll. Nachdem 2018 mit der Brabus 800 vorsichtig mit 20 Booten kalkuliert wurde (15 wurden direkt auf der Messe verkauft!), ging das Unternehmen dieses Mal mit einer limitierten Auflage von 28 Exemplaren an den Start.

Doch wer ist eigentlich Brabus und warum wagt sich ein Automobil-Tuner von der Straße ins nasse Element? Einer der Gründer und spätere Alleininhaber Bodo Buschmann und zweite Teil des Unternehmensnamen war ein umtriebiger Unternehmensführer. Warum war, wenige Monate nach der Boot 2018 verstarb er. Als der Verfasser dieser Zeilen auf der Brabus 800 im letzten Jahr bei der Vorstellung rund eine halbe Stunde über Autos, Uhren und Boote sich mit ihm austauschte, war klar, wohin die Diversifizierung gehen. Der Mann steckte voller Ideen. Doch das ist bedauerlicherweise Geschichte.

Um Brabus kennenzulernen, lud der neue Geschäftsführer und Sohn des Gründers, Constantin Buschmann, in die Bottroper Zentrale ein und lies hinter die Kulissen schauen.

Anspruchsvoller und stilvoller Luxus

Anfang der 80er Jahre hatte die Tuning-Szene ihren Hochzeit. Brabus glänzte mit – aus heutiger Sicht – geringem PS-Tuning und Leichtmetallfelgen. Irgendwann wurden ganze Autos verbessert. Immer Mercedes-Benz. Heute, so ließ sich erfahren, kommen die Fahrzeuge von Mercedes-Benz oder deren Tuning-Ableger AMG in die Brabus Werkstatt und werden meist vollständig zerlegt. Denn die Kunden aus der ganzen Welt (97% Exportquote) haben ganz bestimmte Vorstellung mit der Wagenfarbe, den Sitzpolstern, der Motorleistung usw. Einige Beispiele: das bei Mercedes-Benz vielfach sichtbare Plastik wird mit Leder überzogen; selbstverständlich in der Farbe der Bezüge. Wie das geht? Natürlich ist das Leder nicht vergleichbar mit der „billigen“ Serienausstattung. Es ist durchgefärbt und nicht „lackiert“. Eine spezielle Maschine schiedet von der Oberfläche etwa einen Millimeter ab. Das Leder ist dann so geschmeidig, dass es über jedes Teil gezogen werden kann. Es sitzt perfekt. Noch Fragen? Doch, was ist der Vorteil dieser peniblen Arbeit? Qualität. Da können schon einmal Regentropfen auf das Cabrio-Leder kommen. Da färbt nichts ab, da bleiben keine Flecken übrig.

Kompromisslos

Das Herzstück jedes Autos ist der Antrieb. Brabus wäre nicht Brabus, wenn nicht hier etwas besonderes passieren würde. Zum Beispiel beim Mercedes G-Model, das umsatzstärkste Produkt von Brabus. Ob 4 oder 6 Rad Antrieb spielt dabei keine Rolle. Portalachsen – wie beim Unimog – sind selbstverständlich. Doch der der serienmäßigen 300 bis 600 PS werden den Motoren zwischen 750 und 900 PS eingehaucht. Jeder wird einzeln auseinandergenommen, optimiert und anschließen wieder komplettiert. U.a. sind die Turbo eine Brabus Eigenentwicklung. Aufgrund es optimierten Luftverlaufs lassen sich sollte Geräte nicht am Band montieren. Da ist Fingerfertigkeit gefragt. Und Zeit. Nur ein Monteur arbeitet an einem Motor: vom Zerlegen, optimieren bis zum Zusammenbau. Bei Urlaub, Krankheit und anderen Ereignissen bleibt der Motor so stehen. Kompromisslose Qualität zählt. Der Preis: um die 100.000 EUR.

Classic Cars

Was für neue Fahrzeuge gilt, trifft natürlich auch für alte Schätzen zu. Diese werden komplett zerlegt, mit Classic-Parts ergänzt und ggf. – falls nicht erhältlich – selbst hergestellt. Da wird halt aus einem 15 kg Alublock innerhalb 8 Stunden eine neue Ölwanne gefräst.

Eine Vielzahl von Oldtimern lassen sich in den Verkaufsräumen des Unternehmens bewundern. Alle in einem tadellosen Zustand.

Wie geht´s weiter?

Im Automobilbereich konnten schon einige Highlights für die nächsten Messen gesehen werden. Na klar, fotografieren verboten.Getreu der Unternehmensphilosophie „Technik, Luxus, Individualisierung“ wird weiter gearbeitet. Da gibt es noch viel Spielraum. Wobei die Individualisierung ganz oben an steht. Denn wer möchte aus 100 G-Modellen auf einer Moskauer Einkaufsstrasse sein Fahrzeug erst durch längeres Suchen wieder finden?

Bei Brabus Marine wird die Zusammenarbeit mit Axopar intensiviert. Jetzt weiß jeder, wo der andere hin will – und wie er tickt. Gute Voraussetzung für weitere Ideen. Neue Boote, mehr PS, vieles ist möglich. Die nächste Boot wird’s bringen.