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Busfahrer_21-01-15.jpgChauffeur gesucht! 

Busfahren boomt. In ganz Deutschland und in Europa werden neue Busrouten angeboten. Das ganze hat nur einen sehr großen Haken: es fehlen Busfahrer. Nun versucht der Verband der Omnibusunternehmer mit einer großen Werbeaktion Busfahrer zu finden. Das Bild des Busfahrers soll als attraktive berufliche Perspektive dargestellt werden. Hinderlich sind dabei die Arbeitszeiten. Aber vieles spricht für diesen Beruf.

Auf der Urlaubsmesse CMT in Stuttgart wurde über die beruflichen Perspektiven der Bustouristik lebhaft diskutiert. Zwar begeistert die Busbranche immer neue Zielgruppen für ihre Angebote. Für die Unternehmen wird es aber vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung immer schwieriger, den Fahrerplatz zu besetzen.

Als Bus-Chauffeur lerne ich die Welt und viele interessante Menschen kennen“, begründet Christian Seel seine Berufswahl. Im Winter 2013 war er mit seinem Bus auch in den chilenischen Anden unterwegs.

Einer der seinen Beruf gefunden hat ist Christian Seel. In Schrittgeschwindigkeit lenkt er um 4 Uhr morgens seinen 18-Meter-Reisebus über eine schmale wellige Straße auf ein mehr als 4000 Meter hohes Geysirfeld in den chilenischen Anden. Vor der aufgehenden Sonne schießen die heißen Fontänen in die Luft. Ein faszinierendes Motiv für die Teilnehmer der Reisegruppe, die das Naturschauspiel mit ihren Digitalkameras dokumentieren.

Die Weltreise mit dem Bus war bisher der Höhepunkt meiner Karriere als Chauffeur“, schwärmt Christian Seel. Fünf Wochen war der gebürtige Hallenser im Frühjahr 2013 mit einem Bus der Firma Avanti von Freiburg über Venedig und durch die Türkei auf der Seidenstraße nach Kasachstan sowie vom 20. November bis zum 22. Dezember durch Südamerika unterwegs.

Ein Job im Büro wäre nichts für mich“, betont der studierte Fahrzeugtechniker, der seit 2007 neben Senioren und Gesangsvereinen auch viele Schulklassen mit dem Reisebus befördert. „Als Bus-Chauffeur lerne ich die Welt und viele interessante Menschen kennen“, begründet Seel seine Berufswahl: „Und am Steuer bin ich mein eigener Chef“.

Im November ist Christian Seel nicht zuletzt seiner Freundin zuliebe vom klassischen Reisebus auf den trendigen Fernbus umgestiegen und fährt Studenten nach München oder Berufspendler im Doppeldecker nach Mailand. „Die Arbeitszeiten im Fernlinienverkehr lassen sich besser mit dem Privatleben vereinbaren“, stellt er fest. Doch weil am Ende einer fünfstündigen Fahrt mit dem Fernbus keiner seiner Gäste den Hutkreisen lässt, muss er auf einen Teil seines bisherigen Einkommens verzichten. „Vom Trinkgeld, das ich von den Reisegruppen bekomme habe, konnte ich mein Hobby finanzieren und mir ein Kanu kaufen“, freut sich der sportliche Naturliebhaber.

Die Branche sucht Nachwuchs

Mit seinen 31 Jahren gehört Christian Seel zu einer stetig schrumpfenden Altersgruppe in der Bustouristik. „Mit dem hohen Altersdurchschnitt der Chauffeure steuert das Gewerbe in einen personellen Engpass“, warnt Klaus Sedelmeier, Vorsitzender des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO): „Fast 70 Prozent der Fahrer sind älter als 45 Jahre. Während mit der Zahl neuer Fernlinienbusse auch der Bedarf an Chauffeuren steigt, geht die Erteilung neuer Fahrerlaubnisse für den Bus signifikant zurück.“

Studie: 14.500 neue Arbeitsplätze pro Jahr zu besetzen

Für die knapp 750 Busunternehmer, die im Rahmen einer bundesweiten Online-Befragung interviewt wurden, prognostiziert die PAON GmbH einen jährlichen Bedarf an 2.400 neuen Bus-Chauffeuren. Denn von den 144.000 Fahrern, die gegenwärtig jedes Jahr über fünf Milliarden Fahrgäste im Personennah- Fern- und Reiseverkehr befördern, werden schon bald viele aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Und für mehr als die Hälfte der befragten Unternehmer ist die Deckung des Personalbedarfs jetzt schon ein Problem, so die Autoren der Studie. Die Studie des IBV finden Sie hier zum kostenlosen Download.

Spannende Aufgaben mit Anstellungsgarantie

Um neue und vor allem auch junge Menschen für den Beruf des Bus-Chauffeurs zu interessieren, muss die Branche mit den attraktiven Seiten ihrer Arbeitsplätze werben“, betont Hermann Meyering. „Wer gerne mit Menschen kommuniziert und offen für andere Kulturen ist, findet in der Bustouristik spannende Aufgaben mit Anstellungsgarantie“, erklärt der Vorsitzende der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk).

In die Ausbildung eines Fahrers muss ein Unternehmer etwa 10.000 Euro investieren. Deshalb nehmen WBO und gbk auch die Politik in die Pflicht. Die beiden Brancheverbände fordern ein Bafög für Bus-Chauffeure. Mehr Infos unter www.busforum.de