Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

DritterMann-c-WienTourismus_Paul Bauer.jpgDer dritte Mann

Was macht Wien zu Wien, woraus besteht die Essenz dieser Kunst- und Musikweltstadt? Das spezifische Wiener Lebensgefühl findet sich auf den Bühnen, aber auch an verborgenen und nicht so beachteten Orten. Da hilft die Geschichte . . .

Story

Wien im Februar 1947. In den Ruinen herrschen Elend und Schwarzmarkt. Der Amerikaner Holly Martins, Autor billiger Westernromane, kommt nach Wien, um seinen alten Jugendfreund Harry Lime zu treffen. Dabei erfährt er aber nur, dass dieser bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Bei seinem Begräbnis trifft er auf Major Calloway, Chef der britischen Militärpolizei, der ihm lakonisch mitteilt, Harry sei einer der gefährlichsten Schieber Wiens gewesen. Holly entschließt sich, das Geheimnis um Harrys Tod zu lüften und seinen Freund zu rehabilitieren. Auf seiner Suche nach der Wahrheit trifft er auf dessen Freunde, aber auch dessen Geliebte Anna Schmid. Immer mehr wird er in die dunklen Machenschaften um Harry hineingezogen.

Harry ist inzwischen untergetaucht, um unter dem Schutz der russischen Besatzungsmacht ungehindert seinen florierenden Schiebergeschäften mit verfälschtem Penicillin nachgehen zu können. Über die Kanäle von Wien bewegt er sich ungehindert in der Stadt. Durch einen Lichtstrahl verraten, kann sich Harry noch einmal durch Flucht in die Unterwelt Wiens einer Verfolgung entziehen. Major Calloway erkennt, dass er den falschen Mann begraben hat. Es kommt zur entscheidenden Konfrontation auf dem Riesenrad, die dunkel-feuchte Unterwelt Wiens wird schließlich Harrys Schicksal. Der Film endet, wo er begonnen hat: mit Harrys Begräbnis auf dem Zentralfriedhof.

Kanalgeschichte

Wien gehörte im 18. Jahrhundert zu den Städten in ganz Europa, die innerhalb ihrer Stadtmauern über ein vollständiges Kanalsystem verfügte. Das war schon 1739 so. Andere Städte der gleichen Größenordnung begannen mit diesem Vorhaben erst Jahrzehnte später. Trotzdem suchten immer wieder tödliche Seuchen die Stadt heim. Der traurige Höhepunkt wurde im Jahr 1830 erreicht, als eine verheerende Choleraepidemie über 2.000 Tote forderte. Diese Katastrophe war der Auslöser für die sukzessive Einwölbung aller Bäche im Stadtgebiet und die Errichtung der beiden Cholerakanäle, die parallel zum Wienfluss verlaufen. Bereits 1850 verfügte Wien über ein gut funktionierendes Kanalsystem.

Der Ausbau und die ständige Verbesserung der Kanäle waren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wichtige Leitlinien des städtischen Kommunalwesens. In den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verlangsamte sich der Ausbau des Kanalsystems auf Grund der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage. Der Zweite Weltkrieg hinterließ massive Beschädigungen, und es dauerte bis 1950, die rd. 1.800 Bombentreffer, die das Kanalnetz aufwies, zu beheben. Ab 1950 wuchs das Wiener Kanalnetz wieder und wurde durch den Bau leistungsfähiger Kläranlagen komplettiert. Baulicher Höhepunkt war dabei die Errichtung der Hauptkläranlage Wien im Jahr 1980, mit der ein wichtiges Kapitel der städtischen Abwasserentsorgung geschlossen werden konnte.

Wien und „Der dritte Mann"

Graham Greene kommt nach Wien, um das Potential der Stadt für eine packende Krimigeschichte zu durchforsten. Wien hatte schon lange nicht mehr den Flair einer gemütlichen Musikstadt. Die Stadt ist durchzogen von Ruinen zerstörter Häuser, wird von den vier alliierten Mächten und der internationalen Polizei verwaltet. Sie wurde der Spielplatz des Kalten Krieges und der Spione. Der Schwarzmarkt florierte, und die Bewohner waren vergrämt. Flüchtlinge aus dem Osten Europas prägten zusätzlich das Stadtbild. Wie Anna im Film mit ihren falschen Papieren, um nicht abgeschoben zu werden. Ein wunderbarer Hintergrund eines Meisterthrillers.

Keine billige Unterhaltung

Aber Graham Greene wollte mehr als eine billige Unterhaltung über einen Mann, der sich aufmacht, den Namen seines toten Freundes zu reinigen, um nur immer weiter in die kriminelle Welt einzutauchen. Wien steht für eine abgestürzte, in moralische Fetzen zerrissene Welt von sozialer und politischer Korruption. Im selben Atemzug erlaubt Greene, dass sein DRITTER MANN eine authentische Darstellung Wiens wird, ein Mikrokosmos an Spionage und Ost-West-Politik.

Den Spuren folgen

Wo steht die Litfaßsäule, in der Harry Lime in die Kanalisation abstieg? Wo war seine Wohnung? Wo traf er seinen Freund Holly Martins? Zahlreiche Drehorte sind auch noch heute zu besichtigen. Die 3. Mann Kanal-Tour führt in die unheimliche Welt der Wiener Kanalisation, ein Spaziergang zu weiteren Originalschauplätzen und sogar ein eigenes, dem Film gewidmetes Museum gibt es. Zur Einstimmung empfiehlt sich ein Besuch im Burgkino, wo „The Third Man“ (englische Originalfassung) mehrmals wöchentlich gezeigt wird. Seit dem 27.4.2019 zeigt das Dritte Mann Museum eine Sonderausstellung anlässlich 70 Jahre Filmpremiere „Der dritte Mann“.