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ASC_6022.JPGReiselust steigt weiter an

Es scheint, als seien die Urlaubs-Kassen der Deutschen gut gefüllt. Denn die Urlaubsbuchungen für den Sommer und auch schon für den Herbst und Winter sind wieder auf Rekord-Niveau. Das ist für Schnäppchen-Jäger keine gute Nachricht. Aber eine gute Nachricht ist, dass die Terrorangst gesunken ist.

64 Prozent der Deutschen planen 2018, in den Urlaub zu fahren. Neun Prozentpunkte mehr als noch 2016 und insgesamt der höchste Wert seit 2010. Noch reisefreudiger sind im europäischen Vergleich nur die Menschen in Frankreich (69 Prozent), in Österreich, der Schweiz und Großbritannien (je 66 Prozent). Das ist ein Kernergebnis des Urlaubsbarometers 2018, einer repräsentativen Befragung in zehn europäischen Ländern sowie in Brasilien, China, Indien und den USA.

Auch die Urlaubskasse ist besser gefüllt. Deutsche planen im Durchschnitt 2.376 EUR für den Sommerurlaub ein. 3 Prozent mehr als im Jahr zuvor, damit liegen sie fast 420 EUR über dem europäischen Durchschnitt. Noch größere Sprünge im Vergleich zum Vorjahr machen die Befragten in Österreich (+ 9 Prozent; 2.645 EUR), in der Schweiz (+ 9 Prozent; 2.710 EUR) und insbesondere - ein Jahr nach der Brexit-Entscheidung - in Großbritannien (+ 23%; 2.230 EUR). Trotzdem bleiben die Europäer preisbewusst: Für 52 Prozent ist das Budget der entscheidende Faktor bei der Auswahl des Reiseziels, erst danach folgt das Klima mit 48 Prozent.

Die politische Situation im Reiseland spielt bei der Entscheidung eine etwas weniger wichtige Rolle als noch im Vorjahr. Soziale Unruhen (28 Prozent), persönliche Übergriffe (36 Prozent) und die politische Gesamtsituation (30 Prozent) werden jeweils um 2 Prozentpunkte geringer bewertet, mögliche Terrorattacken (42 Prozent) um einen Prozentpunkt.

Besorgniserregender Trend: Absicherung medizinischer Notfälle im Ausland wird unwichtiger

Bei den Deutschen sinkt das Bedürfnis, sich für die Urlaubsreise abzusichern, leicht. Nur bei Problemen mit der Unterkunft oder bei Fahrzeugschäden im Ausland (je 62 Prozent) bleibt das Versicherungsbedürfnis so hoch wie im Vorjahr. Bei allen anderen Risiken wie zum Beispiel medizinischen Notfällen (55 Prozent) und Gepäckverlust (50 Prozent) ist das Absicherungsbedürfnis der Deutschen gesunken. Nur Italiener, Portugiesen und Polen zeigen noch einen größeren Abwärtstrend bei bestimmten versicherbaren Risiken.

Für Europa insgesamt bleibt die Reisekrankenversicherung neben der Autoversicherung das wichtigste Paket, das es abzusichern gilt (jeweils 65 Prozent). Und auch für die Reisewilligen in den USA (70 Prozent), in Brasilien (58 Prozent), Indien (75 Prozent) und China (81 Prozent) ist die Absicherung des medizinischen Notfalls wichtiger als den Deutschen.

Das ist um so überraschender, da eine Auslandsreisekrankenversicherung für das ganze Jahr kaum mehr als ein Fast-Food-Burger-Menü kostet. In vielen Kreditkartenverträgen kann auch bereits eine Auslandskrankenversicherung enthalten sein. Eine Nachfrage oder Leistungsverbesserung sollte erfragt werden. Denn auf jeden Fall ist eine Auslandspolice eine gute Investition. Die Krankenkosten können bei 50.000 EUR und darüber liegen - und die nationale Krankenversicherung übernimmt davon meist nichts.

Wenn es um die Frage geht, bei welcher Institution die Deutschen ihre Reiseversicherung abschließen, vertrauen immer mehr Menschen ihrem Versicherungsunternehmen (60 Prozent). Damit liegen sie weit über dem europäischen Durchschnitt (48 Prozent). In den USA sind es gerade einmal 22 Prozent, US-Amerikaner versichern sich für ihre Reise lieber über ihr Kreditkarten-Unternehmen (36 Prozent).

Globale Unterschiede: Europäer wollen vor allem relaxen, Chinesen lernen und Sport treiben

Für 54 Prozent der Europäer ist Erholung das wichtigste im Urlaub. 44 Prozent der Befragten wollen vor allem Zeit mit Familie und Freunden verbringen, gerade einmal 10 Prozent begeistern sich für Sport im Urlaub. Bei allem Verlangen nach entspannten Ferien gelingt es jedoch nur 66 Prozent der Europäer, im Urlaub von der Arbeit abzuschalten, 20 Prozent lesen E-Mails, 10 Prozent antworten sogar. Deutschland bildet bezüglich Work-Life-Balance keine Ausnahme: Knapp ein Drittel (32 Prozent) bekommt auch während des Urlaubs den Job nicht aus dem Kopf.

Chinesen legen in ihrer Freizeit weniger Wert auf Entspannung: Gerade einmal ein Viertel möchte sich im Urlaub erholen, nur 40 Prozent der Befragten schalten vom Job ab. Am liebsten entdecken die Menschen aus dem Reich der Mitte neue Kulturen (39 Prozent) oder nutzen die Zeit zum Lesen und Lernen (31 Prozent). Mit 30 Prozent wird es für Chinesen immer wichtiger, im Urlaub Sport zu treiben. Unterschiede auch bei der Urlaubsplanung: 49 Prozent der Deutschen buchen mehr als vier Monate vor der Reise, in China sind es nur 19 Prozent. Für ihre Entscheidung vertrauen die Chinesen zu 51 Prozent auf Online-Bewertungen - in Deutschland sind es nur 22 Prozent (4 Prozent weniger als im Vorjahr).

Insgesamt sind die befragten Menschen in den Nicht-EU-Ländern abenteuerlustiger als die Europäer: In der Wildnis campen, die Wohnungen mit anderen tauschen, eine Weltreise erleben - das ist nur für 53 Prozent der Europäer ein Ziel. Etwas Neues ausprobieren wollen dagegen 74 Prozent der Chinesen, 70 Prozent der Brasilianer und Inder. In den USA sind es immerhin noch 67 Prozent. Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Wahl des Reiselandes wider. Europäer zieht es - ganz anders als die Menschen in Nicht-EU-Ländern - in erster Linie dorthin, wo sie schon einmal waren (33 Prozent).

Fernweh: Urlaub im Ausland ist bei den Europäern wieder stärker gefragt

Nur noch 27 Prozent der Deutschen hält es in den Sommerferien im eigenen Land - das sind 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Briten geht der Wert um 5 Prozent zurück, bei den Franzosen sogar um 6 Prozent, bei immer noch hoher Basis: 57 Prozent der Franzosen fahren nach wie vor im eigenen Land in den Urlaub. Paris ist das europäische Traumziel für Städtereisen schlechthin. 16 Prozent der Europäer wünschen sich, einmal im Leben Paris zu besichtigen, gefolgt von Rom mit 15 Prozent und London mit 12 Prozent. Noch höher bewerten die Europäer nur New York (25 Prozent). Für 6 der 10 befragten europäischen Länder ist Spanien das Auslandsreiseziel Nummer 1. Auch in Deutschland: 15 Prozent wollen auf die iberische Halbinsel, gefolgt von Italien (14 Prozent) und Österreich (8 Prozent). Eine Reise zur diesjährigen Fußball-WM in Russland können sich 31 Prozent der Deutschen vorstellen. Nur in Portugal (47 Prozent) und Polen (44 Prozent) ist der Wunsch nach Fußballerlebnis noch größer. Obwohl ihre Teams nicht dabei sind, können sich immerhin noch 27 Prozent der Italiener und 26 Prozent der Österreicher vorstellen, zur WM zu fahren. Eher gering ist das Interesse dagegen in Frankreich (21 Prozent) und Großbritannien (16 Prozent).

Das Europ Assistance Urlaubsbarometer erscheint dieses Jahr zum 18. Mal in Folge und verfolgt periodische Einstellungen zum Urlaub in Europa auf einer Langzeitbasis. An der Telefonbefragung, durchgeführt durch das Institut Ipsos Public Affairs vom 27. März 2018 bis 19. April 2018, nahm ein repräsentativer Querschnitt von 10.000 Befragten aus zehn europäischen Ländern teil, darunter 1.000 Befragte aus Deutschland. Untersucht wurden Meinungen und Präferenzen der Deutschen, Franzosen, Spanier, Italiener, Belgier, Schweizer, Briten, Österreicher, Polen und Portugiesen bei der Urlaubsplanung und ihr Reiseverhalten. Zugleich wurde die Befragung auch in den Vereinigten Staaten, in Brasilien, China und Indien mit jeweils 1.000 Befragten durchgeführt.