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Lehrer_Unterricht_Schule_18-02-18.jpgEchte Teamplayer

Die Bildungsmesse Didacta in Hannover macht es wieder aktuell zum Thema. Der Lehrerberuf scheint wohl einer der begehrenswertesten Berufe zu sein: wenige Arbeitsstunden pro Woche, viele Ferien und wohlerzogene Kinder hüten. Doch stimmt das wirklich? Fangen wir mit letzterem an: Wir Eltern haben immer weniger Zeit um uns um unseren Nachwuchs zu kümmern. Arbeitsverdichtung im Beruf, ständige Erreichbarkeit durch Smartphone lassen für die Kindererziehung nicht mehr viel Zeit übrig. So wurde und wird viel an Schule delegiert. Doch für Erziehung sind Lehrer und Lehrerinnen nicht qualifiziert bzw. ausgebildet. Außerdem ist das die ureigenste Aufgabe von Eltern. Dies sollten sich Eltern auch nicht aus der Hand nehmen lassen.

Doch was zeichnet nun Lehrer eigentlich aus? Glauben wir einer forsa Studie, so gehört der Lehrberuf zu den Tätigkeiten mit dem höchsten Ansehen. Lehrerinnen und Lehrer gelten als pflicht- und verantwortungsbewusst, zuverlässig und kompetent. Angesichts immer vielschichtigerer sozialer, kultureller und methodischer Anforderungen fühlen sich jedoch viele Lehrkräfte überfordert und allein gelassen. Bei einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) unter rheinland-pfälzischen Lehrkräften gaben fast 75 Prozent der Befragten an, ihre außerunterrichtliche Arbeit habe in den letzten Jahren viel oder sehr viel zugenommen. Die GEW sieht die Gesundheit der Lehrer, aber auch die Unterrichtsqualität gefährdet. Neben geringeren Stundendeputaten und kleineren Klassen fordert sie mehr Stellen für Schulsozialarbeiter.

Ein Team, viele Qualifikationen

Multiprofessionelle Teams gelten für viele als wirksames Mittel, neue schulische Herausforderungen zu bewältigen. "Wenn wir immer mehr Erziehungsaufgaben im schulischen Setting wahrnehmen und umsetzen wollen, dann hat die Schule der Zukunft multiprofessionelle Teams, in denen Lehrkräfte bilden und erziehen", meint Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Dabei arbeiten Lehrkräfte mit Sozialarbeitern, Sonderpädagogen, Integrationshelfern sowie Lern- und Physiotherapeuten eng zusammen, sodass eine Arbeitsteilung nach Kompetenzen entsteht. Lehrer sollen so entlastet und die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen gewährleistet werden. Voraussetzung für diese Art der Zusammenarbeit sind laut dem Verband Bildung und Erziehung jedoch genügend "Zeit und Ressourcen für gemeinsame Planung und Arbeit".

Heterogene Grundschulklassen

Bereits in Kitas und Grundschulen könnte das Konzept von Nutzen sein. Dort zeigen sich früh die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder. Dem aktuellen IQB-Bildungstrend zufolge stellen für Grundschulen vor allem Inklusion und Integration eine große Herausforderung dar. Schaut man auf das Jahr 2016, ist die Zahl der Kinder mit Zuwanderungshintergrund im Vergleich zu 2011 um mehr als ein Drittel gestiegen. "Lehrkräfte haben es jetzt mit einer extrem heterogenen Schülerschaft zu tun", betont IQB-Direktorin Petra Stanat. "Es ist äußerst anspruchsvoll, Unterricht so zu gestalten, dass Kinder mit unterschiedlichen kognitiven und sprachlichen Voraussetzungen und unterschiedlichem kulturellen Hintergrund gleichermaßen profitieren." Bei Inklusion und Integration ist fachspezifisches Personal dringend nötig, um Kinder mit besonderem Bedarf zu unterstützen und so einen geregelten Schulalltag für alle Schüler zu schaffen.

In der Lehrerbildung ansetzen

Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe fordert, dass die Lehrerausbildung verstärkt auf den Umgang mit einer sehr heterogenen Schülerschaft vorbereiten soll. Doch die unterschiedlichen Lehramtsstudiengänge in den Bundesländern machen umfassende Veränderungen schwierig. BLLV-Präsidentin Fleischmann spricht von einem "Reformstau".

Eine weitere Hürde sind der Einsatz digitaler Lernmittel und die Vermittlung von Medienkompetenz im Unterricht. Hier fehlen vielen Lehrkräften sowohl das nötige Know-how als auch die technischen Mittel. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung zur IT-Ausstattung im Bildungswesen werden für eine "lernförderliche Infrastruktur" bundesweit jährlich 2,8 Milliarden Euro benötigt. Hinzuzurechnen sind die Kosten für Qualifizierungsmaßnahmen. Das Bundesbildungsministerium hatte im Oktober 2016 mit dem „DigitalPakt#D“ lediglich eine Milliarde jährlicher Investitionen angekündigt. Der Pakt zwischen Bund und Ländern soll für fünf Jahre abgeschlossen werden. Die tatsächliche Höhe der Förderung und wann sie den Ländern zur Verfügung stehen könnte, ist nun Gegenstand der Koalitionsverhandlungen einer neuen Bundesregierung.

Trotz all der Herausforderungen sieht Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes, der Zukunft von Lehrern und Schule positiv entgegen: "Lehrkräfte sind und bleiben fachliche Spezialisten und entscheiden sich bewusst für ihre Fächer und die Schulart. Diese Begeisterung überträgt sich auch auf die Schüler und führt letztlich zu einer besseren Schule".

Aufzulösen gilt noch Arbeitsstunden und Ferienzeit. Sicherlich erscheint auf dem ersten Blick hier der Lehrerberuf ein Segen zu sein. Je nach Statistik erscheint es hier Vorteile als auch Nachteile zu geben. Lassen wir es dabei!