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yu.p.a.jpgTrinken für den Frieden 

Ob für den Frieden trinken hilfreich sein kann, bleibt abzuwarten. Aber eins steht schon fest: gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, über Ländergrenzen hinweg, über Religionen hinaus, mit ehemaligen Kriegsgegnern zusammen, kann zur Verständigung beitragen. So sind auch diese Projekte zu verstehen. Die erstze Aktion ist gestartet und wurde auf der BrauBeviale in Nürnberg vorgestellt. Das Berliner Startup drinkforpeace hat eine Gruppe von Bierbrauer aus dem ehemaligen Jugoslawien versammelt und zur gemeinsamen Bierdegustation eingeladen. Zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Frank Methner von der TU Berlin und dem Biersommeliere Oliver Wesseloh wurden Biere verkostet, die beim gemeinsamen Brauworkshop in Mostar (Bosnien-Herzegowina) entstanden. Sowohl die Jury als auch die Brauer favorisieren ein kalt gehopftes Bier mit dem besonders fruchtigen, slowenischen Aromahopfen Styrian Wolf. Am 8. November hatte drinkforpeace zur Degustation ihrer ersten Testsude auf der BrauBeviale in Nürnberg eingeladen. Eine Expertenjury bestehend aus neun Craft Bierbrauern aus Serbien, Kroatien, Mazedonien, Slowenien und Bosnien- Herzegowina verkostet. Beraten wurden diese Experten von Frank Methner, Professor für Brauwesen an der TU Berlin und Oliver Wesseloh, Weltmeister der Biersommeliere. Im September sind die ersten Friedenssude in Mostar entstanden: Das drinkforpeace Team entwickelte gemeinsam mit den bosnischen Bierbrauern Omer Mesihovic (Bosniake), Igor Markovic (Serbe) und Vlado Mandic (Kroate) verschiedene Bierrezepturen. Im Anschluss wurden die Biere in Mostar gebraut, gelagert und für die BrauBeviale trinkfertig in Flaschen abgefüllt. Die bosnischen Brauer haben keine Mühe gescheut. Mit ihrem gebrauten Bier im Gepäck haben sie sich gemeinsam auf den langen Weg nach Nürnberg gemacht, um ihr Bier der Experten-Jury vorzustellen. Es hat sich gelohnt. Alle Testsud-Biere wurden von den Experten gleichermaßen hoch bewertet. Zusätzlich haben die Experten den Brauern kleine Geheimtipps mit auf den Weg gegeben, damit das Bier noch geschmackvoller wird. Somit steht das Bierrezept pünktlich zum Start des Crowdfundings am 15.11. und kann so auch für die drinkforpeace-Unterstützer gebraut werden. Das erste drinkforpeace-Bier wird also ein kalt gehopftes Craft Bier mit Hopfensorten aus Deutschland und Slowenien sein, aromatisch verfeinert mit der fruchtigen und erst neu auf dem Markt etablierten Hopfensorte „Styrian Wolf“. Dieser Hopfen wird passend zu dem Projekt im Norden des ehemaligen Jugoslawiens angebaut – in Slowenien.

Die Erfinder von drinkforpeace, Dr. Samir Kadunic und Martin Duchowski, haben dabei ein klares Ziel. Sie wollen mit dem Lieblingsgetränk der Deutschen, dem Bier, ein Zeichen für mehr Toleranz und Frieden setzen. „Wir reisen persönlich in die Konfliktregionen und bringen Bierbrauer aus den jeweiligen Konfliktgruppen an einen Tisch. Begonnen haben wir mit erfahrenen Brauern aus Bosnien-Herzegowina. Gemeinsam mit den Brauern Omer Mesihovic (Bosniake), Igor Markovic (Serbe) und Vlado Mandic (Kroate) haben wir ein leckeres Bierrezept entwickelt. Diese Zusammenarbeit der Bierbrauer gibt dem Rezept eine einmalige Zutat: Die Botschaft der Versöhnung und des friedlichen Miteinanders“, erklärt Dr. Samir Kadunic das Konzept. „Gebraut wird das Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot. Den Unterschied macht der aromatische regionale Hopfen, der dem Bier ein einmaliges Geschmackserlebnis verleiht“, fügt Martin Duchowski hinzu. Gebraut wird das Bier dort, wo es auch getrunken wird. Lokal nach Wahl - für den deutschen Markt wird das Bier in Deutschland gebraut, das für den bosnischen Markt in Bosnien etc.

Damit dieser symbolischen Zusammenarbeit der Brauer auch Taten folgen können, fließen fünf Cent je verkauften Bieres in die Konfliktregionen. Dadurch sollen bereits im nächsten Jahr Gemeinschaftsseminare für Studenten aller Ethnien finanziert werden. Denn die Universitäten von Mostar und Sarajevo wurden während des Krieges nach Ethnien aufgeteilt und sind heute immer noch getrennt. Praktisch kommen die Studenten nicht in Kontakt und es bestehen Vorurteile. „Meine Wurzeln stammen aus dieser Region. Deshalb weiß ich, dass Konflikte nicht abrupt aufhören hören, nur weil die Waffen schweigen.“, sagt Dr. Samir Kadunic. Um sicherzustellen, dass das Geld effizient und transparent dafür verwendet wird, kümmert sich das Startup selbst um seine Projekte.

Der Weg zu ihrem ersten Bierrezept war allerdings nicht einfach. Martin Duchowski sagt: „Wir arbeiten schon über ein Jahr lang an drinkforpeace und sind in dieser Zeit auch mehrmals in das ehemalige Jugoslawien gereist. Uns ist es wichtig, dass die Brauer unsere Werte wirklich teilen.“ Die Schirmherren für das Bierprojekt sind der Berliner Professor für Brauwesen Frank Methner und der Weltmeister der Biersommeliere Oliver Wesseloh.

Dass die beiden Gründer mit ihrem Ansatz auf Akzeptanz stoßen, zeigte sich beim diesjährigen Gründen-Live Ideenwettbewerb. Hier belegten sie den ersten Platz. Den Verkauf des friedlichsten Bieres der Welt starten sie mit einem Crowdfunding-Projekt am 15.11.2016 auf Startnext. Den passenden Namen für ihr Craft Bier haben sie schon: YuPA (Yugoslavian Pale Ale).