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Elternarbeit_01-03-19.jpgEltern sind anstrengend

Wer kennt sie nicht: Mütter, die wie Schutzengel über ihren Kindern kreisen. Solche Mütter werden gern als Helikopter-Mütter verschrien. Doch haben diese Frauen nicht das Recht auf ihre Kinder aufzupassen? Wir sollten eigentlich froh sein, wenn Eltern sich um ihren Nachwuchs kümmern. Denn viele Kinder werden immer noch „der Straße“ überlassen und „kommen unter die Räder“. Doch für manche Erzieher stellen diese Eltern eine große Herausforderung da. Neben dem Lehrermangel und der Inklusion gehört die Zusammenarbeit mit Eltern für Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen derzeit zu den größten Herausforderungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung GmbH. Insgesamt wurden von Mitte November bis Mitte Dezember 2018 bundesweit 1.001 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen befragt.

Umfrage

In der Umfrage wurden die Lehrkräfte offen und ohne jede Vorgabe nach den zurzeit größten Herausforderungen an ihrer Schule befragt. Am häufigsten nannten die Befragten mit 30 Prozent das Problem des Lehrermangels. Das Verhalten der Schülerinnen und Schüler gaben 23 Prozent der Lehrkräfte als eine der größten Herausforderungen an, gefolgt von der Inklusion (22 Prozent). Insgesamt 21 Prozent der befragten Lehrkräfte sehen die Kommunikation mit den Eltern als ein Problem an. Am schwierigsten ist die Kooperation mit Eltern offenbar an Grundschulen: Jede dritte Lehrkraft sieht darin eine der größten Herausforderungen, an den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe I ist es nur jede fünfte. Seltener, mit nur 15 Prozent, empfinden Lehrkräfte am Gymnasium den Austausch mit Eltern als herausfordernd.

Konflikte mit Eltern haben massive Auswirkungen auf Unterricht

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des deutschen Lehrerverbandes ist wenig überrascht, dass die Eltern weit oben stehen bei den größten Herausforderungen für Lehrkräfte: „Wenn es da zu größeren Konflikten kommt, hat das massive direkte Auswirkungen auf Schule und Unterricht und beeinträchtigt auch das Lehrerhandeln", so Meidinger. Angesichts einer zunehmend gemischten Schüler- und damit auch heterogenen Elternschaft sei es schwierig, wenn nicht unmöglich geworden, sich ohne Weiteres mit den Eltern einer Klasse noch auf gemeinsame Erziehungsziele zu einigen, zum Beispiel im Umgang mit Computern.

Probleme mit Quereinsteigern an Grundschulen besonders groß

In Bezug auf die Bewältigung des Lehrermangels wurden die Lehrkräfte in der Forsa-Umfrage auch nach ihren Erfahrungen mit Quereinsteigern gefragt. Gut die Hälfte der Lehrkräfte (54 Prozent), die an Schulen mit Quereinsteigern unterrichten, meinen, dass es bei deren Einsatz Probleme gebe. An den Grundschulen, an denen besonders viele Quereinsteiger zum Einsatz kommen, gaben sogar 68 Prozent der Lehrkräfte an, dass damit Probleme verbunden sind. „Der akute Mangel an Lehrkräften ist aufgrund der demografischen Entwicklung aktuell besonders stark in den Grundschulen spürbar und wird in den nächsten Jahren die weiterführenden Schulen erreichen", sagte Dr. Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung. Hinzu komme, dass gerade an den Grundschulen, an denen Kinder das erste Mal Lesen, Schreiben und Rechnen lernen sollen, die fehlenden didaktischen und pädagogischen Grundlagen von Quereinsteigern besonders starke Auswirkungen hätten.

Kommentar

Wenn Lehrer an den Grundschule Kommunikationsschwierigkeiten mit Eltern haben stellt sich die Frage, worin diese bestehen. Sind die Lehrkräfte nicht in der Lage ihre Anforderungen an Schüler und Eltern darzulegen, sind sie überfordert oder haben sie es nicht gelernt? Oder stehen Eltern so unter Erfolgsdruck, dass sie massiv ihre Kinder zu fördern versuchen? Doch so einfach scheint die Lösung nicht zu sein. Denn gerade an Grundschulen führt die Vermischung verschiedener Volksgruppen, Weltanschauungen, Religionen, sozialer Herkunft zu Brennpunkten. Da ist von der Migrantenfamilie ohne Deutschkenntnisse bis zum Akademikerhaushalt alles dabei. So etwas lässt sich nur dann lösen, wenn Lehrer Unterstützung bekommen zum Beispiel durch fremdsprachlich geschulte – noch besser: muttersprachliche – Sozialarbeiter. Damit wird es zum politischen Problem: wollen wir Kindererziehung und Ausbildung fördern, ja oder nein? Da geht dann nichts mehr ohne Geld. Und gutem Willen und Engagement. Lehrer an Grundschule zu sein heißt dann nicht mehr sich vormittags ein wenig die Langeweile zwischen Massage und Tennis zu vertreiben. Eltern müssen die die Bildung integriert werden. Elterngespräche müssen zeitnah, ernsthaft und zugewandt erfolgen; gegebenenfalls mit Übersetzer und Sozialarbeiter. Nur so lässt sich Bildung lösen; von Anfang an.