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BDEW_Klimaziel_Energiesektor_26-04-18.jpgKlimaziele in Gefahr?

Wurde er gehört, der Weckruf an die Politik? Jedenfalls war die Bundeskanzlerin und viele weitere Spitzenpolitiker auf der Hannover Messe. Dort, wo die Industrie unserer Republik im einer direkten Leistungsschau auf internationalem Parkett antritt, erheben eine Vielzahl von Industrieverbänden das Wort. Vielfach wird ein negatives Szenario aufgezeigt um eigene Forderungen deutlicher zu machen. So fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) jetzt zu handeln, sonst ist das Klimaziel 2030 im Energiesektor gefährdet. Dabei wurden die Forderungen laut, die Bedingungen für Kraft-Wärme-Kopplung, Energiespeicher, neue Gaskraftwerke und den Netzausbau zu verbessern.

Der BDEW legte eine Liste vor, die alle in Bau befindlichen Kraftwerke sowie die genehmigten und geplanten Projekte mit einer Leistung von mehr als 20 Megawatt aus dem konventionellen und erneuerbaren Bereich enthält.

Die Auswertung soll zeigen, dass sich derzeit zahlreiche Kraftwerksprojekte aufgrund der schlechten Investitionsbedingungen im Wartestand befinden. Gleichzeitig setzt sich der Trend zum Abbau gesicherter Erzeugungskapazitäten unvermindert fort, wie die Auswertung der in naher Zukunft absehbaren Stilllegungen zeigt: Immer mehr Gas- und Kohlekraftwerke, die – abgesehen von geringen Ausfallzeiten – jederzeit und wetterunabhängig Strom erzeugen können, gehen vom Netz. Der Grund: Diese Anlagen müssen altersbedingt stillgelegt werden oder ihr Betrieb ist unwirtschaftlich geworden. Entsprechend sinkt die zur Verfügung stehende gesicherte Kapazität.

Derzeit gibt es in Deutschland 52 Projekte zum Neubau von Kraftwerken. Davon sind 14 tatsächlich im Bau. Unter den weiteren geplanten Anlagen sind aber auch 22 Gas- und sechs Pumpspeicherkraftwerke. Aufgrund der aktuellen Marktsituation rechnen sich diese Kraftwerkstypen jedoch nicht, ihre Realisierung ist daher sehr fraglich.

Die Bundesnetzagentur geht in ihren Prognosen davon aus, dass die höchste Stromnachfrage in Deutschland (Jahreshöchstlast) zu Beginn der 2020er Jahre bei etwa 81.800 MW liegen wird. Dieser Wert wird nur noch dadurch erreicht, dass weitere bereits zur Stilllegung angezeigte Kraftwerke nicht vom Netz genommen werden dürfen, da sie als systemrelevant für die Versorgungssicherheit eingestuft werden (ca. 6.800 MW). Es ist davon auszugehen, dass weitere Kraftwerke wegen mangelnder Rentabilität zur Stilllegung angezeigt werden. Das konkrete Potenzial technologischer Entwicklungen wie neuen Speichertechnologien ist zudem nicht sicher vorhersehbar.

 

Schaffe die Politik jetzt nicht die Voraussetzungen zur Sicherstellung von gesicherter Leistung oder mehr Flexibilitäten, sei das Klimaziel 2030 gefährdet:, die die Verbandsvertreter.

Wer dagegen verstärkt auf den Import von Strom aus unseren Nachbarländern setze, müsse wissen, dass auch dort konventionelle Kraftwerke abgebaut werden. Außerdem hat sich das Nachfrageverhalten nivelliert: Ist die Stromnachfrage in Deutschland hoch, ist dies in der Regel auch in den angrenzenden Staaten der Fall. Doch dabei ist zu berücksichtigen, dass die Prognosen auf Vergangenheitswerte beruhen. Eine Projektion in die Zukunft ist immer mit Fehler bzw. Abweichungen verbunden. Auch bei der Stilllegung der 10 Atom-Kraftwerke vor einigen Jahren wurde eine Stromknappheit vorher gesagt. Dabei war es eher so, dass in Deutschland produzierter Strom ins Ausland verkauft wurde. Für uns Verbraucher kann das nur heißen, weiterhin an der Sparschraube zu drehen. Auf der einen Seite treten wir dabei für das Nachhaltigkeitsziel ein und auf der anderen Seite sparen wir im eigenen Geldbeutel.