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csm_heizcheck1 19-03-19.jpgWo bleibt die Umsetzung der Energiewende in den Wohnungen?

Zwar haben sich die Treibhausgase der Haushalte von 1990 bis 2016 um 45% verringert. Doch das reicht nicht aus. Hier ist noch mehr drin. Anscheinend fehlen den Hausbesitzern die Anreize aktiv zu werden. Und das ist verständlich. Solang die 20 Jahre alte Heizung noch funktioniert und es bei Kontrollen keine Beanstandungen gibt, heizt der Energiefresser und Umweltverschmutzer weiterhin das Wohnzimmer. Doch die Tendenz bei Hausbesitzern ist schon so, dass sie sich verstärkt für den Umweltschutz einsetzen möchten. Besonders dann, wenn Mieter gezielt nach Energie- und Umweltschutzmaßnahmen fragen. Und das ist immer häufiger der Fall, trotz Wohnungsnot.

So gibt es ein schlechtes Zeugnis für die Politik. Der politisch gewählte Weg zur praktischen Umsetzung wird von der überwiegenden Mehrheit der Immobilienbesitzer negativ bewertet. Das ist das Ergebnis einer im Februar von Kantar Emnid im Auftrag des Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) durchgeführten repräsentativen Umfrage unter 1 000 Immobilienbesitzern. Während 65 Prozent die von der Politik beschlossene Energiewende grundsätzlich befürworten, stufen 68 Prozent der Immobilienbesitzer die politische Umsetzung als eher nicht gut bis gar nicht gut ein. Nur knapp jeder Dritte zeigt sich damit zufrieden.

Einen Trend zu einer Wärmewende lassen die Umfrageergebnisse nicht erkennen. Zwar geben etwas mehr als ein Viertel der befragten Immobilienbesitzer (27%) an, in den nächsten fünf Jahren das Bad oder die Heizung renovieren zu wollen, doch ein starker Trend zur Heizungsmodernisierung lässt sich daraus nicht ablesen. Für die Heizung entscheiden sich nur 16%, für das Bad 15%. In Anbetracht des nach wie vor großen Anteils an technisch veralteten Heizungen im Markt ist diese Quote sehr gering, teilt der Verband mit.

Werden die Immobilienbesitzer nach den beiden wichtigsten Beweggründen für eine Heizungsmodernisierung gefragt, dann stehen Kosteneinsparungen mit 49% an erster Stelle, gefolgt von CO2-Reduktion und Umweltschutz (45%), Einbindung erneuerbarer Energien (42%) und Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern (29%). Das Ziel einer Verbesserung des Bedienkomforts durch digitale Steuerung wird dagegen von nur 9% genannt.

Befragt man nur die Immobilienbesitzer, die eine Heizungsmodernisierung mittelfristig (nächste 5 Jahre) in Betracht ziehen (16%) nach den beiden wichtigsten Gründen, dann nimmt die Wichtigkeit nachfolgender Aspekte spürbar zu. Das Ziel Kosteneinsparungen steigt auf 58%, die Einbindung erneuerbarer Energien gelangt auf Platz 2 (48%), gefolgt von CO2-Reduktion und Umweltschutz (39%), sowie Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern (35%). Die Verbesserung des Bedienkomforts durch digitale Steuerung erreicht 10% Zuspruch.

So wird deutlich, dass die Beweggründe der Hausbesitzer für eine Heizungsmodernisierung sich ganz offenkundig mit den politischen Zielsetzungen der Energiewende decken. Der Klimaschutz im Wärmemarkt braucht wirkungsvolle Impulse.

Nach Ansicht des Verbandes bringen die bisherigen staatlichen Fördermittel als Modernisierungsanreize im Wärmemarkt nicht die notwendigen Anreize. Die Verbrauchern nutzen diese nicht signifikant.

Zudem überdeckt aus Sicht des ZVSHK eine viel zu einseitig geführte politische Diskussion rund um die Stromproblematik die Wahrnehmung anderer wichtiger Felder für die Steigerung von Klimaschutz und Energieeffizienz. So ergab die Kantar Emnid Umfrage, dass bei Hausbesitzern vor allem der Strom den Blick auf die Energiewende beherrscht. Die Hälfte der Befragten (50%) denkt beim Wort Energiewende zunächst an Elektrizität. Jeweils nur ein Viertel gibt als Thema entweder Verkehr (25%) oder Wärme/Heizung (23%) an. So existiert noch ein enormer Nachholbedarf in der öffentlichen Wahrnehmung der möglichen Einsparpotenziale an Energie und CO2.