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Energiewende_Wärmeversorgung 06-06-19.jpgEnergie Trend

Gibt es eine Energiewende in Deutschland? Schauen wir uns die Demos „Fridays for Future“ der Menschen an, scheint sich einiges in den Köpfen zu bewegen. Doch auf den Autostraßen fahren fast immer noch nur Autos mit Verbrennermotoren. Die Angebote an alternativen Antrieben sind sehr überschaubar. Von den von der Bundesregierung angekündigten eine Million Fahrzeugen bis 2020 sind nur ein Bruchteil auf der Straße zu sehen. Realistisch betrachtet ist das Ziel überhaupt nicht erreichbar. Es fehlt an Infrastruktur. Es besteht die Hoffnung, dass diese bis 2025 einigermaßen installiert werden kann. Doch das bedeutet erhebliche Anstrengungen – insbesondere finanzieller Art – zu unternehmen.

Bei der Wärmeversorgung von Wohnungen und Häusern sieht es nicht besser aus. Nur sehen wir es nicht. Denn die alten Heizungen sind gut versteckt im Heizungskeller. Sogar Eigentümern und Mietern wird dies täglich nicht bewußt. Denn wer schaut schon täglich in seinen Heizungskeller und setzt sich dem energetischen Drama auseinander?

Ausgaben für die Küchenmodernisierung sind offenbar attraktiver als Investitionen in die Energieeffizienz. Mit diesem Satz lässt sich treffend der aktuelle Sanierungsschwerpunkt im Wohnbestand beschreiben. Der Blick in ganz unterschiedliche Medienkanäle zeigt durchgängig ein ähnliches Bild: modernisiert wird in Wohnatmosphäre.

Da kommt ein Stimmungsbild von Stiebel Eltron gerade zur richtigen Zeit. Mit ihrem „Energie-Trendmonitor 2019“, bereits in der sechsten Auflage erschienen, befragten sie repräsentativ 1000 Bundesbürger. Ergebnis: Die Deutschen sind skeptisch und haben das Gefühl, bei der Energiewende bis jetzt nicht gut voran gekommen zu sein. Und sie attestieren der Politik eine Überforderung angesichts der ambitionierten Aufgaben.

Doch gegen den obigen beschriebenen sofort eintretenden Komfortgefühl kann effizientere Haustechnik keinen Stick bekommen. Die vergleichsweise niedrigere Energiekosteneinsparungen kann dem wenig entgegensetzen. Die Unlust an energetischer Sanierung hat allerdings gravierende Auswirkungen: Die Klimaziele geraten immer mehr in Gefahr. Eines der Ziele, die vermutlich verfehlt werden, lautet: CO2-neutraler Gebäudebestand bis 2050. So riskiert Deutschland damit hohe EU-Strafzahlungen. Gefordert sind Anreize und mehr Tempo in der Sanierung.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Stand bei der Energiewende in Deutschland?“ Unter anderem diese Frage wurde den 1000 Bürgerinnen und Bürgern gestellt. 89 Prozent vertreten die Meinung, dass die energetische Sanierung von Bestandsbauten stärker staatlich gefördert werden sollte. 86 Prozent aller Befragten sind außerdem bereit, auf klimafreundliche Heiztechnik umzusteigen. Das politische Vorankommen in diesem Bereich sehen die Bürger kritisch: 87 Prozent der Befragten haben das Gefühl, die Politik sei mit der Energiewende überfordert. Diese Unzufriedenheit bestätigt auch die Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland" von Umweltbundesamt und Umweltministerium. Lediglich drei Prozent der Befragten gaben dort an, die die Bundesregierung tue „genug" für den Umwelt- und Klimaschutz.