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Fluggste_28-07-17.jpgKurios

Vielreisende sind es fast schon gewohnt mit Verspätungen ihres Transportmittels zu leben. Wer mit der Deutschen Bahn die Republik bereist, kommt um Verspätungen fast nicht herum. So jedenfalls die Erfahrungen in der Redaktion. Verspätungen im Luftverkehr sind dagegen nervenaufreibender und nach Aussagen der Fluggesellschaften offenbar unvermeidbar – ein Ärgernis nicht nur für Passagiere sondern auch für die Gesellschaften, die den Geschädigten im Zweifel eine Ausgleichszahlung in Höhe von bis zu 600 Euro zahlen müssen. Mitunter sorgen tatsächlich ungewöhnliche bis unglaubliche Zwischenfälle für die unliebsamen Verspätungen. Häufig jedoch lassen sich die Luftfahrtgesellschaften wortreiche Erklärungen einfallen, um die Ansprüche der Passagiere zu umgehen. Und auch an Bord geht es mit oder ohne Verspätung häufig abenteuerlich zu: Was muss ein Passagier während eines Fluges tolerieren und was nicht? Wir haben einige der kreativsten Ausreden und kuriosesten Urteile zusammengefasst.

Biene im Cockpit verzögert Abflug von zwei Flugzeugen

Es war eine Biene, die eine erhebliche Verspätung des Folgefluges von Antalya nach Düsseldorf verursachte. Das Insekt flog in ein Pitot-Rohr: Dieses dient der Geschwindigkeitsmessung im Flugzeug und ist zwingend auf einer Seite offen. Leider kam die Biene nicht mehr aus dem Rohr heraus und wurde als „technischen Defekt“ gewertet. Daher startete auch der nächste Flieger mit erheblicher Verspätung. Die Fluglinie wertete diesen Umstand als außergewöhnlich und wies jede Ausgleichszahlung an die Passagiere wegen der Flugverspätung von sich. Ein Fluggast klagte und das Amtsgericht Düsseldorf stellte fest: Grundsätzlich ist eine Flugverspätung, verursacht von einer Biene ein außergewöhnlicher Umstand, aber diese Tatsache betraf nur den vorangegangenen Flug. Für den Folgeflug hätte die Fluggesellschaft alles unternehmen müssen, damit dieser pünktlich startet. Da die Fluglinie dies aber versäumte, steht den Passagieren eine Ausgleichszahlung zu.

Katze und randalierende Besitzerin im Flieger

Auf einem Flug von Las Vegas nach Frankfurt am Main nahm eine Passagierin unangemeldet eine Katze mit an Bord, was die Fluglinie kulanzhalber erlaubte. Während des Fluges wollte der Stubentiger aber partout nicht in der Tasche bleiben, also entschloss sich die Crew gemeinsam mit der Katzenbesitzerin, dass das Tier im Waschraum untergebracht wird. Leider hielt diese Abmachung nicht lange und die Reisende begann zu randalieren. Sie trat gegen die Waschraumtüre, schlug eine Flugbegleiterin und drohte mit ihren Mafiakontakten. Der Kapitän entschied sich daraufhin für eine Zwischenlandung, um die rabiate Dame und ihre Katze von Bord bringen zu lassen. Ein Fluggast klagte auf Ausgleichszahlung für die 24 stündige Verspätung. Das Amtsgericht Frankfurt am Main wertete den Vorfall aber als außergewöhnlichen Umstand, und sprach dem Kläger keine Entschädigung zu.

Schnarchen nur in der Holzklasse erlaubt?

Ein Paar hatte eine 18-tägige Pauschalreise nach Südafrika gebucht. Um komfortabler zu reisen, machten die beiden eine Aufzahlung für die teurere Business Class. Am Rückflug mussten die Reisenden getrennt voneinander sitzen. Die Frau kam neben einem schwerhörigen Mann zu sitzen, der während des Fluges so fürchterlich schnarchte, dass die Frau während des gesamten Fluges keinen Schlaf finden konnte. Die Reisende verlangte aus diesem Grund den Zuschlag für die Business Class vom Reiseveranstalter zurück. Das Amtsgericht Frankfurt stellte aber fest, dass Schnarchen kein Reisemangel ist: Schlafen während eines Langstreckenfluges sei nachts "völlig normal" und "klassenunabhängig". Dass einzelne Personen hierbei schnarchten, sei lediglich eine hinzunehmende Unannehmlichkeit.

Die Jause für den Flug und ihre Folgen

Ein Fluggast nahm die oft fehlende Verpflegung bei Billigflügen zum Anlass, sich selbst einige Leckereien für den Flug einzupacken: 272 g Büffelmozzarella, 155 g Nordseekrabbensalat und 140 g "Flensburger Fördertopf" landeten in seinem Handgepäck. Natürlich wurde ihm die Marschverpflegung bei der Handgepäckkontrolle abgenommen. Denn laut EU Handgepäckverordnung sind Flüssigkeiten, aber auch Mischungen, die flüssig sind nur in einer Menge von 100 ml im Handgepäck erlaubt. Ob es sich hierbei um Zahnpaste, Parfum, oder eben Flensburger Fördertopf (Heringshappen mit Sellerie-Zwiebel-Apfelsauce) handelt, ist den Sicherheitsleuten egal. Der Reisende klagte beim Verwaltungsgericht Berlin, danach sogar beim Oberverwaltungsgericht, das aber erneut feststellte, dass: „derartige Mischungen allenfalls in Einzelbehältnissen mit einem Fassungsvermögen von nicht mehr als 100 Millilitern in einem durchsichtigen, wieder verschließbaren Plastikbeutel mit einem Fassungsvermögen von nicht mehr als 1 Liter befördert werden dürfen.“ Diese Vorgaben, die hinreichend bekannt sind, hat der Kläger nicht eingehalten.

Muss Schweißgeruch vom Sitznachbar toleriert werden?

Auf dem Rückflug aus seinem Urlaub von Hawaii nach Düsseldorf setzte sich der spätere Kläger in seinen Sitz und bereitete sich auf den Rückflug vor. Doch seine Sitznachbarin und mehrere Passagiere beschwerten sich bei der Stewardess über seinen üblen und unerträglichen Schweißgeruch, den sie sicher nicht 20 Stunden lang ertragen könnten. Der Geruch war so stechend und unangenehm, dass der Passagier die Maschine verlassen musste und erst am nächsten Tag, vermutlich frisch geduscht, den Heimflug angetreten konnte. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hat die Fluglinie den Transport von stark riechenden Passagieren ausgeschlossen. Zu Hause verklagte er das Flugunternehmen. Das OLG sprach ihm nur die zusätzlichen Übernachtungskosten zu (Zimmer mit Dusche), denn die Fluglinie hätte den Mann, wenn er so penetrant gestunken hat, bereits beim Einchecken auf diesen Umstand hinweisen müssen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er ja noch seinen Koffer und damit die Möglichkeit gehabt sich im Waschraum frischzumachen und neue, geruchsneutrale Kleidung anzuziehen.