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Gesundheitskosten_26-02-18.jpgGesundheitsinvestitionen

Nachdem wir Deutsche uns mit Auto, Wohnung und Pferd hinreichend eingedeckt haben, wird nun vermehrt in die Gesundheit investiert. Gesundheitsreisen sind dabei ja noch eine Ergänzung zum Jahresurlaub. Doch wenn wir uns die Kosten in unserem Gesundheitssystem anschauen, fallen doch einige Krankheitsbilder auf. Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen die höchsten Kosten im deutschen Gesundheitswesen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, betrugen die Ausgaben hierfür im Jahr 2015 insgesamt 46,4 Milliarden Euro (neuere Ergebnisse werden erst in Kürze erwartet). Damit entfielen rund 13,7 Prozent der gesamten Krankheitskosten in Höhe von 338,2 Milliarden Euro auf diese Krankheitsgruppe.

Nur knapp dahinter lagen die psychischen und Verhaltensstörungen, die mit rund 44,4 Milliarden Euro und einem Anteil von 13,1 Prozent zu Buche schlugen. An dritter Stelle kamen Erkrankungen des Verdauungssystems, zu denen auch die Kosten für zahnärztliche Leistungen und Zahnersatz zählen. Sie verursachten 41,6 Milliarden Euro. Erkrankungen des Muskel- und Skelett-Apparats hatten einen Betrag von 34,2 Milliarden Euro. Damit war rund die Hälfte der Kosten auf vier Krankheitsklassen zurückzuführen.

Destatis hatte ebenfalls Daten zu den Unterschieden zwischen Männern und Frauen für das Jahr 2015 aufbereitet: Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren bei Männern mit 600 Euro pro Kopf mit höheren Kosten verbunden als bei Frauen (540 Euro). Ein umgekehrtes Bild ergab sich bei Krankheiten der Psyche und Verhaltensstörungen: Hier lagen die Krankheitskosten pro Kopf bei Frauen mit 670 Euro rund 1,6-mal so hoch wie bei Männern (420 Euro). Die Krankheitskosten steigen mit fortschreitendem Alter der Menschen deutlich an. Etwa die Hälfte entstand allein bei der Bevölkerung ab 65 Jahren.

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland summierten sich im Jahr 2015 auf 344,2 Milliarden Euro – das sind 4.213 Euro pro Einwohner. Sie sind damit gegenüber dem Vorjahr um 15 Milliarden Euro beziehungsweise um 4,5% weiter gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

Die Gesundheitsausgaben hatten damit das vierte Jahr in Folge stärker zugenommen als das Bruttoinlandsprodukt. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) entsprachen 2015 die Ausgaben im Gesundheitsbereich einem Anteil von 11,3% des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Das heißt: Rund jeder neunte in Deutschland erwirtschaftete Euro wird im Gesundheitsbereich ausgegeben.

Deutschland über dem EU-Durchschnitt

Laut einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2014 liegt Deutschland damit über dem Durchschnitt der EU. Dieser lag der Studie zufolge im Durchschnitt bei 9,9 Prozent des BIP. In dem gemeinsamen Bericht „Gesundheit auf einen Blick: Europa 2016“ nannten die OECD und die EU-Kommission als Grund für die vergleichsweise hohe Ausgabenquote in Deutschland die flächendeckende, gute Verfügbarkeit medizinischer Infrastrukturen und Dienstleistungen.

Auch für das Jahr 2016 rechnet das Statistische Bundesamt mit einem weiteren Anstieg der Gesundheitskosten um rund 15 Milliarden Euro auf insgesamt 359,1 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lagen die Ausgaben im Gesundheitsbereich noch bei 214,3 Mrd. Euro. Seither steigen sie stetig an. Vielleicht sollten wir nun tatsächlich mehr in unsere eigene Gesundheit investieren. Dabei kann Bewegung z.B. als Laufen, Wandern, Radfahren schon ein erster Schritt sein. Denn wenn wir so weiter machen und nicht direkt in unsere Gesundheit „investieren“, werden die Krankheitskosten immer weiter steigen und damit auch unsere Beiträge zur Sozialversicherung.

Was beinhalten die Gesundheitsausgaben?

Die Ergebnisse der Gesundheitsausgabenrechnung des Statistischen Bundesamtes folgen zur besseren internationalen Vergleichbarkeit dem Konzept des „System of Health Accounts“. Gesundheitsausgaben umfassen demnach sämtliche Güter und Leistungen mit dem Ziel der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege, die Kosten der Verwaltung sowie Investitionen der Einrichtungen des Gesundheitswesens. Aufwendungen für Forschung und Ausbildung im Gesundheitswesen sowie Ausgaben für den Ausgleich krankheitsbedingter Folgen (zum Beispiel Leistungen zur Eingliederungshilfe) und Einkommensleistungen sind darin nicht enthalten.