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Heizungswechsel 12-04-19.jpgHeizungswechsel: jetzt wird es Zeit!

Die Heizungsanlage hat den Winter gut überstanden und es ist nicht absehbar, dass sie in naher Zukunft den Dienst einstellen wird. Doch eines ist sicher: der Verbrauch und der Schadstoffausstoß sind deutlich zu hoch. Warum? Der Wärmebedarf der Wohnung oder des Hauses variieren ständig: Heizkörper werden aus- oder eingeschaltet; Warmwasser ist zuzubereiten, so dass ein Heizkessel älterer Bauart sind immer wieder ein- und ausschaltet. Das kann bei alten Heizungen bis zu 80 mal in der Stunde passieren. Dadurch kommt der Brenner nicht zur optimalen Leistungsabgabe, die bei ca. 1,5 Minuten anfängt. Moderne Brennwertheizkessel dagegen modulieren ihre Leistungsabgabe und passen sich selbständig den Bedarf an. Sie heizen kontinuierlich. Das spart Energie und senkt den Schadstoffausstoß.

Entscheidungshilfe

Wer vor der Entscheidung für eine neue Heizung steht, kann jetzt den Wärmekompass nutzen, der herstellerunabhängig Heizungssysteme hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit und Klimabilanz vergleicht. „Unser Kompass bietet privaten Heizungsbesitzern und -planern, aber auch Kommunalvertretern und Gewerbetreibenden, eine Berechnung mit einer unabhängigen Vollkostenanalyse auf Basis der tatsächlichen Verbrauchsdaten“, erklärt Dr. Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), die Funktionsweise. „Die Realität lässt sich zwar nicht eins zu eins in Algorithmen übersetzen, aber der Kompass kann eine Orientierung bieten“.

Mit dem Wärmerechner reagiert die AEE auf einen großen Bedarf: Rund zwei Drittel aller zentralen Heizungen sind veraltet und technisch ineffizient. Ein Austausch der Heizungsanlagen steht in vielen Kellern an. Der Wärmekompass liefert einen Überblick zu durchschnittlichen Anschaffungskosten und Betriebskosten sowie dem CO2-Ausstoß verschiedener Heizungen für unterschiedliche Gebäudetypen. Die Berechnungshintergründe basieren auf umfangreichen Daten des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung an der Universität Stuttgart (IER, Universität Stuttgart). Dadurch ist der Wärmekompass in der Lage, Berechnungen für Altbauten, Neubauten, Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Gewerbeimmobilien und größere Gebäudekomplexe durchzuführen.

Kostenvergleich

Der Rechner stellt die Vollkosten von Gas- und Ölkesseln, Holzkesseln (auf Basis von Pellets, Hackschnitzeln, Scheitholz) sowie Wärmepumpensystemen einander gegenüber. Weiterhin werden entsprechende Kombinationen mit solarthermischen Anlagen zur Heiz- und Brauchwasserbereitstellung bereitgestellt. Es werden die jährlichen kapitalgebundenen, betriebsgebundenen und verbrauchsgebundenen Kosten für die einzelnen Wärmeversorgungstechnologien ermittelt. „Damit bietet der Wärmekompass für Heizungsbesitzer eine Grundlage zur Beurteilung und zum Vergleich der Gesamtkosten verschiedener Wärmeversorgungsoptionen“, sagt Dr. Ludger Eltrop, Abteilungsleiter Systemanalyse und erneuerbare Energien am IER, Universität Stuttgart. „So kann die Wettbewerbsfähigkeit der auf dem Markt befindlichen Heiztechnologien schnell und einfach verglichen werden.“

Vergleich der Treibhausgasbilanz von Heizungstechnologien

Abgerundet wird die Übersicht, indem der Wärmekompass auch die Menge an Treibhausgasen aufführt, die jeder Heizungstyp verursacht. So erhalten die Nutzer ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium an die Hand. Denn jeder, der jetzt auf eine neue Heizung umstellt, beeinflusst die deutsche Klimabilanz der Zukunft. Bis 2050 soll der Gebäudebestand nahezu klimaneutral werden. Das geht nur, wenn bereits heute begonnen wird, die Wärmeversorgung auf Erneuerbare Energien umzustellen.

Mit dem Wärmekostenrechner können Bürgerinnen und Bürger, Akteure in Vermietung, Gewerbe und Projektierung sowie Kommunen auf ein überzeugendes Instrument für ihre Planungen einer modernen Heizung zurückgreifen. Es wird deutlich, dass sich die Erneuerbaren Energien in einigen Fällen bereits jetzt im Vergleich zu fossilen Energieträgern rechnen. „Dennoch benötigen wir erhöhte Anstrengungen im Wärmesektor, um die Kostennachteile in manchen Fällen auszugleichen, wie beispielsweise eine CO2-Bepreisung“, resümiert Brandt. Die Entscheidung für ein Heizungssystem sollten Hausbesitzer nicht ausschließlich mit Blick auf die aktuellen Öl- oder Gaspreise fällen. Die gewählte Option bindet den Eigentümer schließlich über einen Zeitraum von etwa 20 Jahre oder sogar mehr. Fällt die Wahl auf eine fossile Heizung, ist die Chance vertan sich von den unberechenbaren Öl- und Gaspreisen unabhängig zu machen. Wer bei der Berechnung ausschließlich CO2-neutrale Technologien berücksichtigen möchte, kann die fossilen Energieträger im Wärmekompass gleich zu Beginn ausklammern.