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BSC_4019.JPGOhne Rhythmus nichts los

Sie fühlen sich schlapp, Treppensteigen bringt Sie außer Atem, schon beim Spazierengehen müssen Sie häufiger stehen bleiben? Nun will luckx – das magazin keine Ferndiagnose erstellen und den Hausarzt ersetzen. Doch letzte Woche bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ in Berlin und Potsdam gab es interessante Einblicke in die Funktion unseres Herzens. Als Motor unseres Körpers steuert es im Prinzip alle Funktionen. Wenn es einmal aus dem Takt gerät, stottert sozusagen der ganze Mensch. Doch die Forschung und die aktuellen technischen sowie operativen Möglichkeiten sind schon soweit, dass der Rhythmus wieder hergestellt werden kann. Wir konnten direkt in den OP blicken . . .

Das Herz als Signalgeber

Doch zuerst ein paar Hintergründe. Jeder Mensch besitzt einen natürlichen Schrittmacher – den Sinusknoten. Er löst ein elektrisches Signal aus, das dafür sorgt, dass sich das Herz zusammenzieht und so das Blut durch den Körper pumpt. Treten bei der Weiterleitung der Impulse Beeinträchtigungen auf, entstehen Rhythmusstörungen, auch Arrhythmien genannt: Das Herz schlägt entweder zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig. Während manche Betroffenen Herzrasen oder -stolpern verspüren oder Aussetzer wahrnehmen, bemerken andere die Unregelmäßigkeit gar nicht. Doch nicht alle Arrhythmien gelten als gefährlich. Es gibt jedoch Störungen, die mit starken Symptomen wie Ohnmacht oder Vorhofflimmern einhergehen. In diesem Fall muss eine umgehende Behandlung erfolgen. Da es bei einer Arrhythmie viele mögliche Diagnosen gibt, ist eine genaue Untersuchung sehr wichtig. Dabei kommt es nicht nur darauf an, die Art der Unregelmäßigkeit herauszufinden, sondern auch, zu wissen, wo genau die Störung entsteht.

Keine Störung gleicht der anderen

Es existieren verschiedene Herzrhythmusstörungen. Mediziner unterscheiden diese nicht nur nach Entstehungsort – also danach, ob diese im Vorhof oder in der Kammer des Herzens ausgelöst werden –, sondern auch danach, ob eine Störung bei der Impulsbildung oder bei der Weiterleitung vorliegt. Zu den weiteren Unterscheidungskriterien zählt die Herzfrequenz. Bei einer Bradykardie schlägt das Herz unter 60 Mal in der Minute, während Patienten mit einem zu schnellen Herzschlag oft einen Puls von über 100 haben. Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge zum normalen Rhythmus.

Technischer Fortschritt für höhere Untersuchungsgenauigkeit

Um eine Herzrhythmusstörung effektiv zu behandeln, muss zunächst einmal eine detaillierte Diagnose feststehen. Das Problem hierbei: Die Störung tritt nicht immer genau dann auf, wenn die Patienten sich gerade beim Arzt befinden und ein Auftreten lässt sich auch nicht immer provozieren. So wird ein umfangreiches Spektrum an diagnostischen Verfahren durchgeführt. Lässt sich beispielsweise in einem Langzeit-EKG keine Störung nachweisen, kann eine anschließende elektrophysiologische Untersuchung – kurz EPU – weiter helfen. Sie gilt als die genaueste Möglichkeit für eine Diagnose von Herzrhythmusstörungen. Dabei wird die Leistenvene punktiert und unter Röntgenkontrolle zwei bis vier sehr dünne Elektrodenkatheter in die rechte Herzhälfte einzuführen. Der Patient verspürt bei diesem minimalinvasiven Vorgang in der Regel keine Schmerzen. Die Elektroden leiten die Impulse an einen Monitor weiter. So lässt sich genau herausfinden, welche Art von Rhythmusstörung vorliegt.

Mit Strom gegen Rhythmusstörungen

Besteht Klarheit, welche Herzmuskelfasern die jeweilige Störung verursachen, kann deren Verödung erfolgen. Bei der sogenannten Katheterablation wird die Spitze des Katheters mit Hochfrequenzstrom für 60 Sekunden erhitzt und somit die elektrische Leitfähigkeit unterbrochen – eine Weiterleitung des falschen Signals ist folglich nicht mehr möglich. Zu den weiteren Behandlungsalternativen bei Vorhofrhythmusstörungen zählen die lokalisierte Anwendung von Vereisungen – die sogenannte Kryoablation – sowie die Gewebeverschorfung durch Laserstrahlen. Das Berliner Herzzentrum startet zuerst mit der Vereisung. So ein Eingriff kann ein bis zwei Stunden dauern. Denn immer wieder muss geprüft werden, ob auch die richtige Stelle getroffen wurde. Dazu wird mit Hilfe von Medikamenten oder Reizstrom der Impuls ausgelöst. Doch vorher muss sich das Gewebe entweder abkühlen oder erwärmen; je nach Verfahren. Doch dieser Prozess dauert einige Zeit und nur deshalb ist der Eingriff von dieser Dauer. Wenn keine Extrasystolen mehr auftreten, kann der Eingriff erfolgreich beendet werden. So erfolgen Diagnostik und therapeutischer Eingriff in der Regel in einem Arbeitsvorgang. Meist fühlen Patienten sich bereits kurz nach dem Eingriff wieder fit und können das Krankenhaus nach zwei oder drei Tagen wieder verlassen. c638517c56df4e8eb8867b5d0e4cfa54