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BSC_4200.JPGDer LKW-Markt ist in Bewegung

Das sind gute Signale für die Branche, für die Umwelt und für die Wirtschaft insgesamt, die am Vortag von der IAA Nutzfahrzeug in Hannover ausgehen. Mercedes kommt mit den elektrifizierten Sprinter und weiteren E-Nutzfahrzeugen auf den Markt. Als kleine Sensation wurde der Sprinter mit Brennstoffzellenantrieb vorgestellt; bisher nur als Konzept, aber mit angestrebter Reichweite von mindestens 500 km. Weiterhin stellen die Stuttgarter das Konzept einer autonome Fahrplattform vor, die mit verschiedenen Wechselaufbau als Personen- und Lasttransporter fungiert und sich selbsttätig umrüsten kann. Bei Volkswagen wird der E-Crafter schon fleißig ausgeliefert. Mit E-Caddy und E-Bulli sind weitere Angebote ab 2019 im Markt verfügbar und füllen wie bei Mercedes die Lücke zum Transportfahrrad. Auch bei den Wolfsburger wird die Brennstoffzelle zur Marktreife gebracht und dem Crafter einverleibt. Mit Hymotion, so die Namenskreation, soll eine Reichweite ebenfalls über 500 km erzielt werden. Das lässt auf mehr hoffen. Doch weitere Herausforderungen stehen der Branche gegenüber.

Ob Klimaschutz, Luftverschmutzung, Urbanisierung oder Fahrermangel: Die Logistikbranche sieht sich mit großen Herausforderungen konfrontiert. Erschwerend kommt hinzu, dass der Güterverkehr bis 2040 noch um 50 Prozent ansteigen wird (Quelle: Shell). „Wie wir trotz der Zunahme des Güterverkehrs Umwelt, Menschen und das Straßennetz schonen können, ist eine der drängendsten Fragen der Verkehrspolitik“, sagt Dr. Rolf Bulander aus der Geschäftsführung des Autozulieferers Bosch. Das Unternehmen will darauf technische Antworten geben. So bieten die Stuttgarter vernetzten Services auch über das Fahrzeug hinaus an. Die Vision ist klar formuliert: Der Güterverkehr der Zukunft soll möglichst emissions-, unfall- und stressfrei werden. Der Weg dorthin führt über die Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung von Nutzfahrzeugen.

Vom Verbrenner bis zur Brennstoffzelle

Ein wichtiger Meilenstein ist den Nutzfahrzeugantrieb effizienter zu machen und damit Verbrauch, CO₂- und Stickoxid-Ausstoß zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, werden sowohl Diesel als auch alternative Antriebslösungen weiter verfolgt. „Die Entwicklung des Nutzfahrzeugantriebs wird noch lange ein Mehrkampf bleiben. Wir tun gut daran, auch seine Elektrifizierung technologisch offen anzugehen“, stellt Bulander fest. Im Jahr 2025 werden zwischen 80 und 90 Prozent aller Nutzfahrzeuge als Selbstzünder unterwegs sein. Bereits 2030 wird aber schon jedes vierte neue Nutzfahrzeug elektrisch angetrieben sein, in China nahezu jedes dritte. So müssen alternative Kraftstoffe aus regenerativem Strom, sogenannter eFuels, weiter verfolgt werden. Einseitig auf Batterielösungen zu setzen, ist bei keinem Anbieter zu erkennen. Doch der Elektroantrieb steht anscheinend außer Frage. Wie die Energieversorgung erfolgen wird, ist die Herausforderung und vom zu transportierend Gut (Güter) abhängig.

Ganz klare Vorstellung hat Continental entwickelt und mit einem zeitlichem Rahmen unterlegt. Wenn täglich 10.000.000 Pakete allein nur in Deutschland durch den zunehmen Online-Handel transportiert werden müssen, eine um 50% tige Steigerung erwartet wird, müssen technische Lösungen her, um dieses Volumen zu bewältigen. Diese sind greifbar nahe. Dabei geht es um die Verhinderung von technischen Ausfällen, vermeiden von Leerfahrten, Staus zu umfahren. Auch das autonome Fahren ist gerade bei Standardrouten, von Lager zu Lager, intensiv zu verfolgen. Denn in den U.S.A. fehlen schon heute 50.000 LKW Fahrer; Tendenz steigend. Deshalb muss bei zunehmenden Handel der Pakettransport organisiert werden. Um selbstfahrende LKW kommen wir anscheinend nicht herum.

Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich in Europa ab. Große Potenziale werden in der „Hub-to-Hub-Automatisierung“ – dem fahrerlosen Pendeln zwischen Logistikhöfen, gesehen. Diese Technologie hat das Potenzial, gleich mehrere Probleme der Transportbranche zu lösen: Sie erhöht die Wirtschaftlichkeit bei Speditionen, steigert die Transportleistung und sorgt für Sicherheit. Platooning, das automatisierte Windschattenfahren in der Lkw-Kolonne, ist ein weiterer logischer Schritt der Automatisierung. Es spart nicht nur Personalkosten, sondern auch Kraftstoff, stellt allerdings höhere Anforderungen an Gesetzgebung, Technik und Infrastruktur.

Vernetzte Logistiklösungen von der Autobahn bis zur Haustür

Mit der Vernetzung wird Effizienz ins Transportsystem und damit Entlastung für den Verkehr, aber auch für Speditionen, gebracht. Nahezu jeder neue LKW in Europa und den USA ist bereits heute Teil des Internets. Dazu werden den Lkw-Hersteller Telematik-Plattformen bereitgestellt, die zum Beispiel Software-Updates oder auch vorausschauende Diagnose ermöglichen. Schon jetzt überwachen Service-Center des Unternehmens mithilfe entsprechender Sensorik den Zustand besonders kritischer oder sogar lebenswichtiger Gütertransporte, etwa von Blutplasma – und das rund um die Uhr. Jährlich übernehmen die Leitstellen das Monitoring für rund 40 000 hochwertige Lkw-Touren. Zudem ist die Lieferverfolgung state of the art: Sensoren an Material und Behältern übertragen die Ortungs-, Temperatur- und Vibrationsdaten in die Cloud. Mit dieser Echtzeit-Logistik können Disponenten nach ersten Kundenerfahrungen ihren Such- und Inventuraufwand um mehr als die Hälfte reduzieren. Zudem steigt die Verfügbarkeit von Umlaufbehältern um bis zu 30 Prozent. Mit der Vernetzung wird der Gütertransport insgesamt produktiver und entlastet das Straßennetz. Mehr Lösungen sind noch bis zum 27. September 2018 auf dem Messegelände zu sehen.