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DSC_1648.JPGGünstige Wirtschaftsprognosen treibt die Reiseindustrie an 

Das Jahr 2016 endet wieder mit Rekordergebnissen für die Reisebranche. Immer mehr Menschen verreisen. So konnte Griechenland, Spanien als auch Deutschland wieder mehr Reisen auf hohem Niveau verbuchen. Wie jedes Jahr trägt auch die Internationale Tourismus Börse in Berlin dazu bei. Als globaler Marktplatz sowie Kompass für eine weltumspannende Branche: Die ITB Berlin hat ihre Rolle als die wichtigste Leitmesse der internationalen Reiseindustrie eindrucksvoll unterstrichen. Bei einem deutlichen Anstieg der internationalen Fachbesucher und einer Rekordbeteiligung beim 14. ITB Berlin Kongress mit 28.000 Kongressteilnehmern (ein Zuwachs von 7,7 Prozent) wurde 2017 ein neuer Höchststand erreicht. Die Gesamtzahl mit 109.000 Fachbesuchern blieb aufgrund des Streiks an den Berliner Flughäfen allerdings unter den Vorjahreszahlen. Das zeigt wieder einmal, das nur wenige Tage Streik eine ganze Messe beeinflussen können.

Fazit zum Abschluss der fünftägigen Leistungsschau: Insbesondere in Zeiten mit einer Vielzahl von geopolitischen Herausforderungen und Unsicherheitsfaktoren gewinnt die persönliche Begegnung von Geschäftspartnern aus aller Welt verstärkt an Bedeutung. Ein Trend, der in sämtlichen Segmenten der Reisebranche Einzug gehalten und in allen 26 Ausstellungshallen zu beobachten war: Die Digitalisierung erobert in einem atemberaubenden Tempo das Geschäft mit den schönsten Tagen des Jahres. Starken Rückenwind erfährt die Branche zudem gegenwärtig durch optimistische Prognosen für die europäische Wirtschaft und insbesondere auch für Deutschland als einen der wichtigsten Quellmärkte für den internationalen Tourismus. Die weiterhin günstige Entwicklung des Konsumklimas bei einer Arbeitslosenquote auf einem historischen Tiefstand befeuern die positiven Erwartungen der Reiseindustrie für die laufende Saison 2017. Ein Thema, das die Aussteller und Besucher besonders nachhaltig beschäftigte, war das deutlich gestiegene Sicherheitsbedürfnis auf Reisen.

Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH: „Die Menschen lassen sich auch in unsicheren Zeiten nicht vom Reisen abhalten. Dafür sind sie bereit, sich entsprechend mit den neuen Gegebenheiten zu arrangieren, um die persönlichen Urlaubswünsche mit den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen in Einklang zu bringen. Bei der Umsetzung der eigenen Reisepläne gehen sie bedacht vor und setzen deutlich ausgeprägte Anforderungen an die persönliche Sicherheit.“

Darunter insbesondere gelitten hat die Reiseindustrie in Frankreich (-15%), in der Türkei (-23%) und den nordafrikanischen Staaten (-29%). Besonders die Türkei hat durch die hausgemachten innenpolitischen Probleme erhebliche Schwierigkeiten die Hotelbetten zu füllen, die in den letzten Jahren vornehmlich an den Küsten entstanden sind. So bleibt nur zu hoffen, dass die türkische Regierung den Bogen mit weiteren verbalen Ausfällen nicht überspannt. Den Schaden werden die Menschen in der Türkei nehmen, wenn z.B. Hotels wegen mangelnder Nachfrage geschlossen bleiben. Rund 700.000 fehlende Reisen in 2016 (-23%) sprechen eine deutliche Sprache. Auch die Vorbuchungen 2017 sind abermals deutlich niedriger als 2016. Auf der Messegelände war gähnende Leere bei den türkischen Reiseanbietern zu beobachten. Das ist sicherlich nicht das, was die türkische Regierung erreichen möchte. Gerade deshalb, da auch die türkische Wirtschaft nach Jahren des Wachstum sich in einer Phasen des deutlichen Abschwungs befindet. Investitionen werden schon jetzt als Hochrisiko behaftet angesehen. Aber auch die türkischen Mitbürger in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Staaten könnten betroffen sein. Es wäre fatal, wenn sich die rechtsradikale Szene für ihre ausländerfeindlichen Parolen diese Schwäche zu nutze macht. Parolen wie Türken raus oder kauft nicht beim Türken würden dann genau daran erinnern, was die türkische Politik gerade provoziert. Besonnenheit ist das Gebot der Stunde.

Nach den Worten von Dr. Christian Göke reisen Besucher und Aussteller der ITB Berlin in diesem Jahr mit einer ebenso starken wie unmissverständlichen Botschaft zurück in ihre Heimat: „Fremdenfeindlichkeit, Protektionismus, Populismus oder die Errichtung von Barrieren zwischen Ländern sind mit einer wirtschaftlichen prosperierenden Tourismusindustrie nicht kompatibel. Die Reisebranche ist einer der weltweit größten Industriezweige und einer der bedeutendsten Arbeitgeber, sie fördert auf vielfache Weise die Völkerverständigung und trägt zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung bei. Der Tourismus ist zudem für Menschen in zahlreichen Ländern von existentieller Bedeutung und letztendlich somit auch ein Garant für wirtschaftliche Stabilität.“ Reisen hat schon immer zur Völkerverständigung beigetragen. Es wäre desaströs, wenn Reisewarnungen auch für den Nato-Partner Türkei vermehrt ausgesprochen werden müssten.