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csm_Pflanze_Duengung_cows_17-02-19.jpgMehr Öko-Landwirtschaft

20 Prozent Ökolandbau ist das Ziel der aktuellen Bundesregierung. Bis 2030 soll das erreicht werden. Da ist noch viel Luft nach oben. Denn aus den aktuellen Zahlen, die der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf der Messe BIOFACH in Nürnberg präsentierte, sind gerade einmal 8,9 Prozent erreicht. Doch der Verband blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Denn 2018 stellten jeden Tag fast fünf Bauern ihren Betrieb auf Ökologische Landwirtschaft um. Auch auf der neuen Öko-Fläche, die einer Größe von über 150.000 Fußballfeldern entspricht, punkten die Bio-Betriebe auf jedem Hektar mit Boden-, Gewässer-, Tier- und Klimaschutz. So kommentiert der BÖLW die Branchen-Bilanz des deutschen Bio-Sektors. Wie viel Bio für Umwelt und Gesellschaft leistet, zeigte zuletzt die umfassende Studie des staatlichen Thünen-Institutes (Thünen Report 65).

Nach aktuellen BÖLW-Schätzungen legte die heimische Öko-Fläche in 2018 um 109.863 ha (+8,0 %) auf insgesamt 1.483.020 ha zu – 8,9 % der gesamten Landwirtschaftsfläche bewirtschaften damit Deutschlands Bio-Bauern.

Fast 12 % aller Landwirtschaftsbetriebe waren zum Jahreswechsel Bio-Höfe, insgesamt wirtschafteten 31.122 Betriebe ökologisch. Allein 2018 entschieden sich 1.727 für den Einstieg in die Öko-Landwirtschaft. Gleichzeitig mussten in Deutschland weiterhin zu viele Betriebe ihre Türen für immer schließen – in 2018 sank die Zahl aller Höfe um etwa 3.100 auf 266.690.

Fast 11 Mrd. € investierten die Kunden 2018 in Bio-Lebensmittel und unterstützten die Transformation hin zu einer enkeltaugliche Landwirtschaft und Ernährung“, kommentiert BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig die starke Bio-Nachfrage an der Ladenkasse. „Immer mehr Menschen wollen heimische Bauern ebenso stärken wie Klimaschutz, Biene und Feldhase, artgerechte Haltung von Kühen, Huhn und Co. sowie die Gesundheit ihrer Familien und der Umwelt.“ Nach der Berechnung des ‚Arbeitskreises Biomarkt‘ wurden 2018 mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken ein Umsatzplus von 5,5 % und ein Marktvolumen von insgesamt10,91 Mrd. € (2017: 10,34 Mrd. €) erreicht.

Der Naturkostfachhandel konnte seinen Umsatz auf insgesamt 2,93 Mrd. € ausbauen (inkl. Non-Food: 3,46 Mrd. € (3)) und machte am gesamten Bio-Markt einen Anteil von etwa 27 % aus.

Auch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) griffen immer mehr Menschen zu Bio-Kost bei ausgeweiteten Sortimenten, wo der Umsatz auf insgesamt 6,43 Mrd. € (+ 8,6 %) kletterte.

Der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein appellierte an die Bundesregierung, jetzt entschieden zu handeln, damit die Bio-Dynamik verstetigt wird. Bio-Markt und ökologische Landwirtschafts-, -Verarbeitungs- und -Handelsbetriebe müssten sich im Einklang entwickeln. Dann profitiere Gesellschaft und Umwelt am besten von den Leistungen von Öko-Landwirtschaft und Bio-Lebensmitteln. „Damit noch mehr Unternehmen die Bio-Chance nutzen, damit Natur, Umwelt und Betriebe profitieren und die Bundesrepublik ihre Umwelt- und Klimaziele erreichen kann, müssen die agrar- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen kohärent und konsequent aufeinander abgestimmt werden“, fordert Löwenstein.

Es gelte nun, das neue Bio-Recht sinnvoll auszugestalten, in entsprechende Forschung und Entwicklung zu investieren, Umweltleistungen verlässlich zu honorieren und die Absatzentwicklung heimischer Bio-Produkte stärker voranzubringen.

Einen wichtigen Baustein kann auch die von Bund und Ländern getragene Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘ (GRW) bilden. Dazu muss die GRW konsequent jene kleinen und mittleren Unternehmen stärken, die ökologisch wirtschaften und so die notwenige Transformation der Ernährungswirtschaft voran bringen sowie die heimische Wertschöpfung mit Bio-Produkten aus Deutschland stärken.

Von entscheidender Bedeutung für Bio sei die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP), betonte der BÖLW-Vorsitzende. Die GAP müsse schrittweise so umgebaut werden, dass Bauern für Leistungen entlohnt würden, welche die Gesellschaft von ihnen benötigt und für die der Markt die Landwirte nicht bezahlt. Dazu müssten 70 % der Steuergelder künftig die Bauern honorieren, die freiwillig mehr tun für Umwelt, Klima, Artenvielfalt.

Auch müsse die Düngeverordnung effektiv revidiert werden. „Das Dünge-Recht muss sich am Verursacherprinzip orientieren. Und diejenigen adressieren, die für Nitratausträge verantwortlich sind. Hauptursache für die Nitratprobleme sind die zu hohe Viehdichte, Gülleimporte und zu viel Kunst-Dünger in Regionen mit intensivem Ackerbau. In ganz Deutschland fördern Wasserwerke Bio-Bauern, weil Öko-Landwirtschaft die Wasserverschmutzung mit Nitrat vermeidet. Die Düngeverordnung darf deshalb nicht ausgerechnet die Bio-Betriebe ausbremsen“, mahnt Löwenstein.