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Lebensmittelberwachung_19-01-18.jpgDringender Handlungsbedarf

Die Grüne Woche in Berlin wird von vielen Organisationen und Verbänden genutzt, um öffentlichkeitswirksam ihre Forderungen einem breitem Publikum zu präsentieren. Aufgrund der noch nicht gebildeten Bundesregierung sehen sie eine Chance, ihre politischen Forderungen an den Mann und die Frau zu bringen. So fordert die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die Lebensmittelüberwachung und Krisenkommunikation zu stärken, gesunde Ernährung zu fördern und ein ambitioniertes staatliches Tierwohl-Label einzuführen. Denn, nach Meinung des Verbandes, ist in der vergangenen Legislaturperiode in der Lebensmittel- und Ernährungspolitik zu wenig passiert. Dazu stellt er eine repräsentative Umfrage vor. Dringender Handlungsbedarf bestehe vor allem in der Lebensmittelüberwachung, Ernährungspolitik sowie bei der Kennzeichnung von Qualitätsmerkmalen wie Tierwohl und Regionalität. Laut Umfrage erwarten Verbraucher von der Politik mehr Engagement.

Die meisten Verbraucher (82 Prozent) finden in aller Regel die Lebensmittel, die sie suchen. Die Vielfalt stimmt also. Gleichzeitig bestehen Vertrauensdefizite gegenüber Herstellern und Politik. So haben 62 Prozent der Verbraucher den Eindruck, dass sich die Politik bei Lebensmitteln nicht ausreichend um Verbraucherbelange kümmert. Das zeigt eine repräsentative Online-Befragung von Zühlsdorf + Partner im Auftrag des vzbv.

Besonders in drei Bereichen muss es vorangehen:

Lebensmittelüberwachung stärken

Bund und Ländern gelingt es im Falle von Lebensmittelwarnungen oft nicht, Verbraucher schnell, einheitlich und verständlich über mögliche Gefahren zu informieren. Außerdem kennen drei Viertel der Verbraucher das staatliche Warnportal www.lebensmittelwarnung.de nicht. Die Bundesregierung müsse aus Sicht des vzbv in Abstimmung mit den Bundesländern die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass Behörden unverzüglich warnen. Darüber hinaus brauche das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eine stärker koordinierende Rolle. Das Portal müsse die Bundesregierung zu einer hilfreichen Anlaufstelle für Verbraucher mit verbindlichen Qualitätsstandards ausgestalten Auch die Lebensmittelüberwachung müsse gestärkt werden.

Mehr staatliche Verantwortung für gesunde Ernährung

Staatliche Maßnahmen zur Stärkung einer gesunden Ernährung werden von Verbrauchern mehrheitlich (66 Prozent) unterstützt. 79 Prozent der Befragten finden eine Nährwertampel hilfreich, Vorgaben zur Veränderung von Rezepturen steht ebenfalls die Mehrheit aufgeschlossen gegenüber. Der vzbv fordert die Bundesregierung auf, sich auf europäischer Ebene für eine EU-weit einheitliche, farbige Nährwertkennzeichnung auf der Basis von 100 Gramm/Milliliter auf der Vorderseite von Lebensmitteln einzusetzen. Zudem müsse sie eine nationale Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten Lebensmitteln erarbeiten und realistische, produktgruppenspezifische Reduktionsziele formulieren.

Ambitioniertes staatliches Tierwohl-Label einführen

Verbraucher legen Wert auf Qualität. 79 Prozent ist es wichtig, dass ein Lebensmittel aus tierfreundlicher Haltung stammt. Aber nur 21 Prozent sind der Meinung, dass dies bislang gut am Produkt erkennbar sei. Ein ambitioniertes staatliches Tierwohl-Label würde aus Sicht des vzbv helfen, das passende Angebot zu finden. Diese und weitere Forderungen hat der vzbv in einem Positionspapier zusammengefasst.