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DSC_5329.JPGLeipzig liest 

Bald ist es wieder soweit und der Vorhang geht auf: Vom 23. bis 26. März lädt die Leipziger Buchmesse mit ihrem Lesefest Leipzig liest wieder zum Lesen und Zuhören. Die gesamte Stadt – und nicht nur auf dem Messegelände – lädt 3.300 Mitwirkende ein, die 571 Bühnen zu betreten. 411 dieser Bühnen werden in der Stadt Leipzig und 160 auf dem Leipziger Messegelände aufgebaut. Vier Tage lang stehen die neuesten deutschsprachigen Werke und ihre Autoren im Scheinwerferlicht von insgesamt 3.400 Veranstaltungen. Leser können ihren Lieblingsautoren begegnen, literarische Entdeckungen machen und sich mit den aktuellen politischen Entwicklungen auseinandersetzen.

Litauen: Literatur und Poesie aus der Mitte Europas

Vergangenheit und Gegenwart Europas kommen auch im umfassenden Programm des diesjährigen Schwerpunktlandes der Leipziger Buchmesse 2017 zur Sprache. In rund 60 Veranstaltungen gibt Litauen neue und farbenreiche Einblicke in seine Literatur, Kultur und Gesellschaft. Mit 26 Neuerscheinungen, unter anderem von Eugenijus Ališanka, präsentiert sich Litauen in Leipzig. Das Programm beleuchtet die Identität des modernen europäischen Staates im Spiegel von Literatur und Poesie und bringt litauische Sichtweisen in den europäischen Dialog ein. So diskutieren Adam Michnik, Tomas Venclova und Lilija Schewzowa über „Litauen, Polen, Russland – Was sie im Kern zusammenhält“. Marija Drėmaitė, Philipp Meuser und Felix Ackermann führen einen Diskurs über die sozialistische Vergangenheit in Litauen und Deutschland, während Ines Geipel, Violeta Davoliūtė, Tomas Venclova und Rimantas Kmita „Chiffren, Mythen und Schweigen in sowjetlitauischer und DDR-Literatur“ beleuchten.

Aus Litauen reist eine große Anzahl von Autorinnen und Autoren an. Moderne Romane und Erzählungen von Renata Šerelytė, Giedra Radvilavičiūtė, Undinė Radzevičiūtė und Kęstutis Navakas gibt es beispielsweise in der Nacht der litauischen Literatur im Schauspiel Leipzig zu entdecken. Und die Nacht der litauischen Poesie präsentiert herausragende Lyrik von Rimvydas Stankevičius, Antanas A. Jonynas, Sigitas Parulskis, Laurynas Katkus und Eugenijus Ališanka.

Wir müssen reden!

Schweigen wollen die Kulturschaffenden und Wissenschaftler, die zu Gast im Programmschwerpunkt „Europa21“ der Robert Bosch Stiftung und der Leipziger Buchmesse sind, ganz sicher nicht. In den sechs Salongesprächen melden sich kritische Stimmen zur zukünftigen Ausgestaltung Europas zu Wort. Hierzu gehören die ehemalige Direktorin des Polnischen Instituts in Berlin Katarzyna Wielga-Skolimowska, die von der polnischen Regierung abgesetzt wurde, ebenso wie die vom Arbeitsverbot bedrohte türkische Journalistin Banu Güven oder der aus Protest gegen den Brexit zurückgetretene ehemalige Direktor des Viktoria & Albert Museums Martin Roth und die Schauspielerin Katja Riemann. In einer Eröffnungsperformance „E-U-R-O-P-A, wir müssen reden!“ von Idil Nuna Baydar aka Jilet Ayse, einem interaktiven Theaterabend FUCK YOU, Eu.ro.Pa! / Fuck you Moldova! am Samstagabend und der Autor*innenwerkstatt halten die Künstler uns Europäern den Spiegel vor. Inhaltlich gestaltet und konzipiert wird die zweite Auflage von „Europa21“ von der Kuratorin Esra Küçük, die als Leiterin des Gorki Forums am Berliner Maxim Gorki Theater für kritisch-konstruktive Diskurse zuständig ist.

Autoren beziehen Stellung

In der Programmreihe „Im Brennpunkt“ der Leipziger Buchmesse in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin und dem Auswärtigen Amt äußern sich Autoren aus Deutschland, Österreich, Litauen Norwegen, Russland und der Ukraine zum Populismus in Deutschland und Österreich, dem Baltikum und seiner Nachbarschaft. Mit dabei sind unter anderem Eugenijus Ališanka, Eva Menasse, Ingo Schulze und Serhij Zhadan. Ebenfalls im Café Europa führen Michail Ryklin und Katharina Raabe ein Gespräch über die Oktoberrevolution und die aktuellen politischen Interpretationen derselben. Fragile, europäische Korrespondenzen sind das Gesprächsthema von Viktor Martinowitsch, Georg Klein und Annika Reich. Ebenfalls soll die jüngst aus der Haft entlassene türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan zu Wort kommen.

Die Alchemie des Balkans

Unter der Überschrift „Nicht Ost, nicht West – die Alchemie des Balkans“ steht das diesjährige Programm der Themenreihe „Traduki. Das europäische Netzwerk für Literatur und Bücher“. Insgesamt 20 südosteuropäische Autoren stellen ihre aktuell ins Deutsche übersetzten Werke, ob preisgekrönt oder Neuerscheinung, vor. Autoren, Literaturkritiker, Journalisten und Experten spüren gemeinsam den Werten des Balkans nach und diskutieren auf Leipzigs Bühnen die Gemeinsamkeiten von Ost und West in Europa. Höhepunkt der Reihe ist die „Balkan-Nacht“ am 25. März, ab 20:00 Uhr im UT Connewitz, mit Autoren und Musikern aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Liechtenstein, Rumänien, Serbien und Slowenien.

Leipzig liest: Auf literarischer Entdeckungsreise

Per Kopfkino durch die Welt reisen? Vier Tage lang ermöglichen das Autoren wie Georgi Gospodinov (Bulgarien), Barney Norris (Großbritannien), Sigurður Ólafsson (Island), Mira Magén (Israel), Damir Karakaš (Kroatien), Selja Ahava, Jostein Gaarder und Carsten Jensen (Norwegen), Gonçalo M. Tavares (Portugal), Mircea Cărtărescu (Rumänien) oder Tom Malmquist (Schweden).

Literarisches Gipfeltreffen zum Großen Leipzig liest-Abend: Thomas Brussig, Jostein Gaarder (Norwegen) und Martin Suter (Schweiz) freuen sich in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig auf die Publikumsreaktionen zu ihren druckfrischen Romanen.