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IMG_3558.JPGÖlpalmen Holz 

Palmöl ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Dieses Produkt steckt in jedem zweiten Supermarktprodukt, seinetwegen sterben Regenwälder. Jetzt teilte der WWF mit: Das Öl komplett zu ersetzen, wäre für die Umwelt noch schlimmer. Seinetwegen werden in Südostasien seit Jahrzehnten gigantische Flächen an Regenwald abgeholzt, bedrohte Tiere, wie Orang-Utans, Elefanten und Nashörner, verlieren ihren Lebensraum. Um Platz für Monokulturen aus Ölpalmen zu schaffen, werden Moore trockengelegt und Wälder brandgerodet – die Folgen sind Waldbrände, während derer binnen Wochen so viel Treibhausgase in die Luft geschleudert werden, wie Deutschland in einem ganzen Jahr nicht produziert.

Während der LIGNA, der Fachmesse für Holzwirtschaft, wurde ein etwas anderer Wirtschaftszweig betrachtet: das Holz der Palme. Doch zuerst ein paar Zahlen, bevor es etwas tiefer in die Materie gehen soll.

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen und ist mit 30 Prozent Marktanteil vor Sojaöl weltweit das wichtigste Pflanzenöl. Jährlich werden weltweit mehr als 144 Millionen Tonnen Pflanzenöl produziert. Mehr als 85 Prozent der Palmöl-Produktion kommen aus Indonesien und Malaysia. Der größte Importeur ist Indien, vor der EU, China und Pakistan. Vor allem in China und Indien ist Palmöl ein wichtiges Lebensmittel, und die verbrauchte Menge wächst. Weltweit ist sie von 14 Millionen Tonnen im Jahr 1993 auf 56 Millionen Tonnen im Jahr 2013 gestiegen. Dabei ist die Ertragskraft pro Hektar Anbaufläche bei keinem anderen Produkt so hoch wie bei der Ölpalme.

Kunden schauen bewußt auf die Inhaltsstoffe der zum Kauf anstehenden Produkte. Ist da Palmöl drin, wird auf den Kauf verzichtet. Doch der World Wide Fund For Nature (WWF) kam nun zu einer anderen Botschaft: Ein Boykott von Palmöl sei keine Lösung. Es komplett durch andere pflanzliche Öle zu ersetzen, wäre für die Umwelt sogar noch schlimmer!

Ölpalmholz

Ölpalmenplantagen werden nach 25 Jahren aufgrund stark sinkender Ölerträge erneuert. In Asien allein fallen jährlich durch die Neubepflanzung unproduktiver Plantagen etwa 80 – 100 Millionen Ölpalmenstämme (ca. 100 - 120 Millionen m³) an. Diese Stämme werden bisher nicht genutzt, sondern überwiegend zur Verrottung auf der Plantage belassen; lediglich sehr kleine Mengen werden für Produkte und Energie verwendet. Auch heute noch werden Stämme bei der Plantagenräumung trotz entsprechender Verbote verbrannt, was mit erheblicher Rauchentwicklung und Luftverschmutzung verbunden ist. Durch Verrottung werden jährlich etwa 50-70 Millionen Tonnen CO2 sowie weitere Treibhausgase freigesetzt. Im asiatischen Wirtschaftsraum ist die Holzversorgung aus Naturwäldern und Forstplantagen nicht mehr nachhaltig gesichert, sodass das Holz der Ölpalmen einen substantiellen Beitrag zur Holzversorgung leisten und damit die Naturwälder entlasten kann. Zur Sicherung der Bodenfruchtbarkeit und der Bodenstruktur sollte nicht die gesamte Biomasse entnommen werden; Wurzeln und Wurzelstöcke sowie Palmwedel bleiben ohnehin in der Plantage. Derzeit laufen Diskussionen und Untersuchungen zu der Frage, wie viel der Stammholz-Biomasse auf der Plantage verbleiben sollte bzw. kann. Es ist bekannt, dass sehr große Mengen an frischer Biomasse die Entwicklung von Schadinsekten und Pilzen fördern und die neu gepflanzten Palmen negativ beeinflussen können. Die Herstellung von Produkten aus Holz, auch aus Ölpalmenholz, gilt allgemein als umweltfreundlich, da der Energieverbrauch relativ gering ist und zum Teil aus Reststoffen der Produktherstellung gedeckt werden kann. Damit sind die CO2-Emissionen für die Herstellung von Holzprodukten deutlich niedriger als die für Produkte aus anderen Materialien. Zusätzlich kann die energetische Verwertung der Produkte nach Gebrauch fossile Energieträger ersetzen. Für Produkte aus Ölpalmenholz haben erste Untersuchungen ähnliche Vorteile wie für Produkte aus „klassischen Holzarten“ gezeigt. Die stoffliche und energetische Verwertung von Ölpalmenstämmen lässt hohe CO2 -Minderungspotentiale erwarten, insbesondere dann, wenn geeignete Verarbeitungstechnologien verfügbar sind. Stellt man die Kosten der Produktherstellung und der Energieerzeugung aus Reststoffen den CO2- Minderungspotentialen gegenüber, sind die volkswirtschaftlichen Kosten für eine entsprechende Reduktion von Treibhausgasemissionen gering. Ökobilanzen zeigen weitere positive Auswirkungen auf die Umwelt.

Vorteil für Tropenwälder

Die Ergebnisse einer ökologischen Gesamtbewertung der Nutzung von Ölpalmenstämmen für Holzprodukte und Energie sind überwiegen positiv aufgrund von: Reduzierung des Drucks auf Tropenwälder, Minderung der CO2-Emissionen, Kaskadennutzung von Ölpalmenholz für Produkte und Energie, Bereitstellung von Wärmeenergie aus Produktionsabfällen.

Die weltweite Anbaufläche für Ölpalmen beträgt bereits heute über 20 Millionen ha mit steigender Tendenz. Ölpalmenplantagen werden ausschließlich wegen des Palmöls angelegt, welches vorrangig in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, zunehmend aber auch für Kosmetika, Chemiegrundstoffe und Treibstoffe nachgefragt wird. Über Umwelt- und Waldzerstörung, Biodiversitätsverlust und Menschenrechtsverletzungen durch die massive und z.T. illegale Ausweitung von Ölpalmenplantagen wurde bereits vielfach berichtet. In diesem Projekt geht es nicht um das Palmöl, sondern um die Verwertung eines bisher ungenutzten, wertvollen Rohstoffs – des Ölpalmenholzes. Bei der Anlage der Ölpalmenplantagen war nie Thema, was mit der Biomasse – insbesondere den Ölpalmenstämmen – bei der Neubepflanzung von unproduktiven, überalterten Ölpalmenplantagen passieren würde! Fakt ist, Ölpalmenplantagen existieren und werden nach und nach ersetzt, da die Ölerträge nach 25 Jahren auf ein unwirtschaftliches Niveau sinken. Langfristig werden weltweit durchschnittlich 0,8 Millionen ha Plantagen pro Jahr ersetzt. Hierdurch fällt die Ressource Ölpalmenholz in großen Mengen an, Schätzungen ergeben weltweit, hauptsächlich in Asien, zwischen 100 und 120 Millionen m³ Stammholz pro Jahr. Derzeit werden die Ölpalmenstämme größtenteils der Verrottung überlassen und teilweise zur Flächenvorbereitung für eine Wiederbepflanzung gehäckselt. Beides geht mit verstärktem Insekten- und Pilzbefall einher. Obwohl verboten, werden die Stämme immer noch gelegentlich verbrannt. Alle drei Maßnahmen schädigen die Umwelt aufgrund der hohen spontanen Freisetzung von Treibhausgasen sowie bei Verbrennung durch die Entstehung von Rauch und extremer Luftverschmutzung.

Außerdem bleibt eine anfallende wertvolle Ressource ungenutzt mit entsprechenden ökonomischen und ökologischen Nachteilen. Dass die Ölpalmenstämme, bisher nicht stofflich verwendet werden, liegt darin begründet, dass sich Ölpalmen“holz“, stark von "normalen Holzarten“ unterscheidet, z.B. durch extrem unterschiedliche Dichteverteilung im Stamm sowie den hohen Gehalt an Wasser, Silikaten, Zucker und Stärke im Holz. Hieraus resultieren stark abweichende Holzeigenschaften und Anforderungen an die Bearbeitung und Verwendung. Ölpalmen sind botanisch gesehen keine Bäume (Dicotyledonen) sondern Gräser (Monocotyledonen).

Für eine effiziente Nutzung des Ölpalmenholzes fehlen bisher das notwendige Knowhow und die Technologie. Eine Nutzung der Ölpalmenstämme könnte den existierenden Druck auf Naturwälder erheblich mindern und das hieraus entnommene Holz ersetzen. Bereits heute existiert aufgrund der abnehmenden Verfügbarkeit von Holz aus Naturwäldern und relativ geringen Mengen aus Plantagen (z.B. Rubberwood, Acacia mangium) eine Holzknappheit in der asiatischen Region. Schwerwiegende wirtschaftliche und ökologische Schäden sind die Folge, zusätzlich verstärkt durch illegalen Holzeinschlag. Asien wird aufgrund des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums in Zukunft eine der größten Importregionen der Welt für Holz und Holzprodukte sein.

Das „Holz“ der Ölpalmenstämme nie Produktionsziel der Ölpalmenplantagen war und dies auch in Zukunft nicht sein wird, da die Erlöse für das Holz deutlich unter denen für Palmöl liegen. Die Nutzung einer ohnehin existierenden Ressource ist jedoch eine ökologische und ökonomische Notwendigkeit.

Untersuchungen und Pilotprojekte zur Verwendung des Holzes der Ölpalmen für Produkte zeigen hohe technische und wirtschaftliche Potentiale. Trotzdem ist eine industrielle Umsetzung aufgrund der genannten Gründe bisher nicht erfolgt. Das Projektziel ist die bestmögliche Nutzung des in großen Mengen verfügbaren aber bislang kaum genutzten Holzes unproduktiver Ölpalmen zur Herstellung von marktfähigen Produkten mit hoher Wertschöpfung wie z.B. Ein- und Mehrschicht-Massivholzplatten, Tischlerplatten, Brettschichtholz in Standardabmessungen, Brettsperrholz (CLT) in den Schwerpunktländern Malaysia und Thailand. Im Rahmen des Projekts werden umfassende Lösungen für die nachhaltige Nutzung von Ölpalmenholz unter technischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten geschaffen. Das Projekt folgt damit den Zielsetzungen Ressourcenschonung, Tropenwalderhaltung, Klimaschutz, Arbeitsplatz- und Einkommensgenerierung und -sicherung in den Ressourcenländern als auch der Erschließung neuer Absatzgebiete für Produkte aus Ölpalmenholz. Außerdem wird sichergestellt, dass die in das Projekt integrierten Plantagenflächen und Betriebe einen wesentlichen Teil ihrer Flächen nach internationalen Standards (z.B. RSPO, MSPO) zertifiziert haben. Im Rahmen des Projektes wird zusätzlich ein „Chain-of-Custody“-System für Ölpalmenholz entwickelt, welches dem für „normale“ Holzprodukte entspricht. Palmenholz unterliegt nicht der Europäischen Holzhandelsverordnung (EUTR), trotzdem sind die geforderten Herkunftsnachweise durch das o.g. Zertifizierungssystem ohne Weiteres möglich. Zur Projektumsetzung wurde das Netzwerk „PalmwoodNet“ gegründet, welches das Prinzip eines „Multistakeholder-Ansatzes“ erfüllt.