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BSC_5856.JPGLuxus auf Rädern - wie zuhause

Joachim Baumgartner ist ein profunder Branchenkenner. Mit seinem Vater startete er schon 1986 die Reisemobilproduktion. Vorher hatten beide als Händler und Vermieter solcher Fahrzeuge fünf Jahre Erfahrungen gesammelt. La Strada hieß das Unternehmen, das Anfang der 2000 Jahre dann in andere Hände übergeben wurde. Wenig später startete Baumgartner bei Concorde-Reisemobile. Seit 2011 ist er alleiniger Geschäftsführer des Luxus-Reisemobilhersteller.

Und das mit Erfolg. Zwar litt die Branche davor seit einigen Jahren unter mangelnder Nachfrage. Doch durch eine geschickte Modellpolitik ist es den Franken gelungen, sich als die Nummer Eins in diesem Segment zu positionieren. Rund 420 Fahrzeuge werden jedes Jahr an Kunden übergeben. Doch die Nachfrage ist weit höher. In den letzten Jahren war die Jahresproduktion schon zu Beginn des Geschäftsjahres ausverkauft. Nun könnte die Produktion einfach gesteigert werden. Doch daran ist dem Unternehmen nicht gelegen. Zum einen ist der Arbeitsmarkt auch im Frankenland leer gefegt; zum anderen wird an der Kapazitätsgrenze gearbeitet. Mehr geht in den Produktionsstätten einfach nicht. Natürlich bestände die Möglichkeit wie die „Volumenhersteller“ Produktionskapazitäten zu kaufen. Doch dann wird der unternehmerische Druck deutlich höher. Dem will Baugartner und der Eigentümer Dr. Kühne nicht folgen. Grundsolide sollen die Fahrzeuge gebaut werden und grundsolide soll das Unternehmen am Markt weiterhin bleiben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (07-18 bis 06-19) wurden 90 Millionen Euro Umsatz mit 360 Beschäftigten eingefahren. 13,5% mehr Neuzulassungen konnte das Unternehmen in diesem Luxus-Segment generieren. Der Markt in diesem Segment stieg dagegen nur moderat um 2% (gesamte Branche rund 15,5% in Deutschland). Doch das Segment ist überschaubar. Rund 1.200 Fahrzeuge kommen jedes Jahr auf die Straße. Das zeigt, Concorde ist der Marktführer schlechthin.

Modellpolitik

So ist auch die Modellpolitik für die nächsten Jahre klar abgesteckt. Dabei ist Concorde von den Fahrgestelllieferanten abhängig. Und das sind die LKW-Hersteller Iveco und Mercedes. Zwar ist deren Produktlebenszyklus im Vergleich zum PKW deutlich länger. Das bedeutet leider auch, dass Innovationen erst viel später bei diesen Produkten eingeführt werden. So kommen Fahrerassistenzsysteme mit längerer Verzögerung auf den Markt. Doch auch hier zeigt sich, dass die Schlüsselfelder sich aktiv am Markt bewegen. Der erst 2018 eingeführte Mercedes Actros mit Mirow Cam wird auf dem Caravan Salon in Düsseldorf als der neue Concorde Centurion vorgestellt. Zur Präsentation der Neuheiten 2020 Anfang Juli war das Fahrzeug noch im Rohbau. So werden die Besuchern der Messe das Modell dann als echte Premiere zu sehen bekommen.

Dabei ist dieses Fahrzeug noch gar nicht so lang auf dem Markt. 2017 stellte das Unternehmen diese Baureihe auf dem Caravan Salon vor. Eher mit einem skeptischen Blick nach vorn. Nach der Devise: wenn einer verkauft wird, ist es okay; bei drei Fahrzeugen können wir zufrieden sein, bei fünf „knallen die Sektkorken“. Am Ende der Messe wurden 23 Aufträge gezählt. Über eineinhalb Jahre lang wurden die Bestellungen abgearbeitet. Neue Aufträge lasten diesen Produktionszweig weiterhin voll aus.

Luxus ist nicht gleich Luxus

Diese Modelle gehören zu den teuersten Exemplaren auf dem Markt. Zwar sind die Produktionsabläufe schon sehr strukturiert, doch alles ist noch Handarbeit und individuell konfiguriert. So sollte schon ein Millionenbetrag beim Käufer frei verfügbar sein. Gern werden diese Fahrzeuge auch als Land-Yacht bezeichnet und die Stellplätze als Wohnmobilhäfen. Doch Camper sind keine Skipper; und ein Luxus Wohnmobil ist keine Luxus-Yacht. Da bestehen weiterhin große Unterschiede. Es sind eher die gestandenen Handwerker, die sich nun ein Fahrzeug diese Kategorie gönnen. Aber auch Rechtsanwälte, Unternehmensberater und einige prominente Sportler gehören zum Kundenkreise ebenso, wie erfolgreiche Jungunternehmer. Ein eindeutiges Kundenprofil ist nicht mehr zu erkennen. Die früher mit Camping verbundene Spießigkeit ist vorbei.

Wer solch ein Fahrzeug erleben möchte, sollte sich unbedingt den Düsseldorfer Caravan Salon vormerken, der in wenigen Tagen beginnt. Neben den Concorde Reisemobilen können über 1.000 weitere Wohnmobile besichtigt werden.