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Virtuelles_Schweien_26-04-18.jpgMensch und Maschine

Es ist immer wieder überraschend, welche Pressemeldung bei uns in der Redaktion eintreffen. Schon zur FIBO wurde uns vom Messeveranstalter mitgeteilt, der Mensch soll im Mittelpunkt stehen. Das verursachte bei allen Redaktionsmitgliedern Fragezeichen im Kopf. Wer wenn nicht wir Menschen stehen im Mittelpunkt – dabei geht es auch um die Erhaltung unserer Umwelt, also Tiere und Natur. Auch auf der letzte Woche zu Ende gegangenen Hannover Messe stand der Mensch im Mittelpunkt. Prima. Dabei wurde aber herausgearbeitet, dass die Technologie dem Menschen assistiert und nicht Konkurrenz ist. Denn er ist Entscheider und Impulsgeber. Im Zusammenspiel mit der Maschine und der IT entsteht ein enormer Wettbewerbsvorteil in Produktion, Logistik und Energiewirtschaft.

Doch das Zusammenspiel läuft noch nicht rund. Es ist viel zu tun. So haben die Unternehmen zwar die ersten Schritte auf dem Weg zur Digitalisierung und Vernetzung getan. Doch es bleibt viel zu tun, so der Tenor von vielen Entscheidungsträgern. Festzuhalten bleibt, dass die Messe der Ort ist, an dem die Zukunft der Industrie diskutiert und präsentiert wird. Auch das Zusammenwachsen von Automation, Software und Intralogistik wird die Messe weiter prägen.

Von den 210 000 Besuchern kamen mehr als 70 000 aus dem Ausland. Damit lag der Anteil der internationalen Besucher bei 30 Prozent. Die meisten Besucher aus dem Ausland kamen aus China (6 500), den Niederlanden (5 300), Polen (2 700) und den USA (1 700). Aus dem Partnerland Mexiko kamen 1 400 Besucher.

Dass IT und Maschinenbau weiter zusammenwachsen, industrielle IT-Plattformen und andere neue Geschäftsmodelle entstehen, gehörte in Hannover in diesem Jahr ebenso zu den zentralen Trends wie der herannahende Einzug künstlicher Intelligenz in die Fabriken. In den Hallen der Automation zeigte sich, dass die Antriebs- und Fluidtechnik ein wesentlicher Treiber der digitalisierten und vernetzten Produktion ist.

Die enge Vernetzung von Produktion und Logistik wurde in den CeMAT-Hallen diskutiert, denn ohne intelligente Logistiksysteme wird die Digitale Fabrik nicht funktionieren. Zu den Produkthighlights zählten Flurförderzeuge, autonome Shuttle, Kommissionier-Roboter sowie komplette Anlagen.

Assistenzsysteme wie Exoskelette, AR-Brillen und vor allem Roboter waren weitere Highlights. Die agile Fertigung und die Intralogistik setzt auf fahrerlose Transportsysteme, Drohnen und Sprachassistenten. Ungebrochen hält der Trend zur Mensch-Maschine-Kollaboration an.

Um Energieeffizienz bei gleichzeitiger Schonung des Klimas ging es in den Energiehallen. Dezentrale, smarte Energiesysteme standen ebenso im Mittelpunkt wie Infrastrukturlösungen für eine umweltfreundliche Mobilität der Zukunft.

Ihre Innovationsstärke bewiesen darüber hinaus auch die Zulieferunternehmen als Entwicklungspartner, vernetzt mit ihren Kunden. Mit Multi-Material-Design und Konzeptleichtbau lassen sich Bauteile komplett neu denken und werden nicht nur kostengünstiger und effizienter, sondern auch leistungsfähiger.

Doch was geht das eigentlich uns alle an, dass sich in Hannover auf dem Messegelände so viele Menschen zusammenfinden? Hier wird über unser aller Arbeitsalltag nach Lösungen gesucht; insbesondere im indutriellen Bereich. Die Messe sieht sich selbst als globaler Hotspot für innovative Produktions- und Logistiklösungen. Neben schon exitierenden Industiellen Abwendungen wurde eine Fülle herausragender Forschungsprojekte präsentiert; sozusagen von der sicheren Datenübertragung bis zu optimierten Hörgeräten.

Zusammenspiel von Mensch und Maschine

Roboter und digitale Systeme unterstützen den Menschen zunehmend bei der Arbeit – doch nicht immer verläuft das Zusammenspiel mit den Maschinen reibungslos. In mehreren Forschungsprojekte wurde aufgezeigt, wie Abhilfe geschaffen werden kann.

So haben Forscher eine Technik zum räumlichen Erkennen bewegter Objekte entwickelt, welche eine Maschine ohne Zeitverzögerung auf die Aktionen des Menschen reagieren lässt und zum eigenständigen Handeln befähigt. Das hilft unter anderem, gesundheitsschädliche Bewegungen bei der Arbeit zu vermeiden.

Akzeptanz von Robotern

Ein anderes Projekt untersucht disziplinübergreifend Möglichkeiten, um die Akzeptanz von Robotern bei Laien zu erhöhen. Ziel ist es, dass sich Roboter flexibler und koordinierter verhalten und gleichzeitig ihre Absichten und Ziele verständlich kommunizieren. Das kommt nicht nur der Industrie zugute: Verbesserte Benutzerfreundlichkeit von Robotern ermöglicht es der breiten Bevölkerung, diese als Assistenzsysteme einzusetzen - ein Beispiel dafür sind Staubsauger.

Eine Entlastung bei ergonomisch anspruchsvollen und eintönigen Tätigkeiten bringt auch ein Schraubassistent, der intuitiv und ohne Roboter- oder Programmierkenntnisse bedient werden kann. Ein ähnliches Ziel verfolgt ein Vorhaben, das mittels einer mit Sensoren ausgestatteten Puppe die Nachahmung menschlicher Bewegungen simuliert.

Digitale Systeme helfen bei der Ausbildung

Wie digitale Medien auch die Ausbildung verbessern können, untersucht das Projekt „MESA“ am Beispiel des Schweißens: So können neue Technologien dem Auszubildenden schon während seiner Tätigkeit eine konkrete Rückmeldung geben, wie er seine Arbeit justieren kann.

Im „Future Work Lab“ und im „Innovationslabor“ wurden dagegen kooperative Arbeitsprozesse simuliert, getestet und verglichen. Anhand praxisnaher Szenarien wurde die Zukunft der Arbeit in Produktion und Logistik erlebbar gemacht.

Einen hohen Alltagsnutzen verspricht ein Projekt, das ein System für Hörgeräte entwickelt hat, welches Umgebungsdaten in Echtzeit auswertet und sich dann automatisch und flexibel an die Hör-Umgebung anpasst. Ergebnis: eine kürzere Eingewöhnungsphase und höherer Tragekomfort.

Sicherheit für Datenübertragung und Stromnetze

Je mehr Daten produziert werden, desto größer werden die Herausforderungen an deren Übertragung. Gerade die Industrie ist auf eine schnelle und störungsfreie Datenübermittlung angewiesen. Am BMBF-Stand wurde mithilfe eines Roboters gezeigt, wie der neue Mobilfunkstandard 5G dank seiner hohen Leistungsfähigkeit dafür sorgt, dass zum Beispiel Maschinen angelernt und ferngesteuert werden können – zuverlässig und in Echtzeit.