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ASC_0227.JPGWer kauft das?

Berliner Mode Woche – oder Neu Deutsch: Fashion Week. Fast eine Woche lang soll Berlin das Modefieber packen. Dafür nimmt der Senat über eine Million Euro in die Hand und fördert damit ein Mode Image. Gibt es das in Berlin? Oder schaut das Image für zwei Wochen im Jahr in die deutsche Hauptstadt vorbei?

Mit Mailand und Paris in einer Mode-Liga. So scheinen die Vorstellungen der Macher zu sein. Dafür sind in der ganzen Stadt mehrere Locations für die Messe, oder besser, Messen angemietet. Insgesamt gibt es 10 Messen: PREMIUM, SEEK, BRIGHT, PANORAMA, SHOW & ORDER, FASHIONTECH BERLIN, Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin, Selvedge Run und Mercedes-Benz Fashion Week. Nur die Panorama hat sich in den Messehallen einen Platz gesucht. Mehrere Hallen, insbesondere im Untergeschoss, sind für Mode reserviert. Denn darüber wird schon fleißig für die Grüne Woche aufgebaut. Die anderen Messen finden ihren Platz irgendwo in der Spree-Metropole. Um dann von einer Show zur nächsten zu kommen, werden Shuttle-Busse eingesetzt. Da die Stuttgarter Autobauer auch Teil-Namensgeber für eine Show sind, sind auch ihre Luxus-Limousinen im Einsatz. Doch auch das hilft nicht viel beim täglichen Berliner Verkehrsstau. Auf 7 Kilometer Fahrtstrecke können schnell 30 oder auch 45 Minuten Fahrzeit verstreichen. Doch auch mit U- oder S-Bahn lässt sich diese Zeit nur sehr selten unterbieten. Mit dem eigenen PKW ist Parkplatzsuchverkehr vorprogrammiert. Ob das die Macher bei der Planung nicht berücksichtigt haben? Oder ist das eine Mini-Förderung für die Mineralöl-Industrie? Jedenfalls ist es nervig. Die Erfahrung zeigt, dass das eigene Fahrzeug hilfreich ist. Denn die Shuttle fahren nicht regelmäßig und nicht dorthin, wo der geneigte Schreiber gern hin möchte. Meist geht es ja gut mit der Parkplatzsuche. Aber auch die Politessen erfüllen trotz Modemesse ihren Job. Wird damit die Fördermillion refinanziert?

Glauben wir den Berechnung der Messe-Macher, besuchen über 200.000 Besucher die Modemessen in der Hauptstadt. Das sind in erster Linie Facheinkäufer von Modeanbietern in der ganzen Republik. Denn nur diese dürfen die Messen besuchen. 120 Millionen Euro bleiben dadurch in der Stadt. Das Geschäft lohnt sich also. Ob es denn tatsächlich die 200.000 Besucher sind, soll nicht bezweifelt werden. Nur lassen sich die Besucherzahlen jeder einzelnen Messe nicht so einfach addieren. Viele Besucher sind auf mehreren Messen unterwegs – siehe Shuttle.

Zurück zur Mode. Da ist viel spannendes dabei. Viele kreative Ideen locken zum Verweilen an einzelnen Ständen und regen zur Diskussion an. Doch beim Weitergehen kommen Deja vu Erlebnisse. Ist das nicht genauso wie im vorherigen Gang? Wo bleibt nun das Neue? Die Überraschung nehmen von Stand zu Stand ab. Die Schritte werden schneller. Was bleibt übrig?

Der Modemarkt ist hart umkämpft. Neben New Yorker – wurden auch gesehen – H&M und wie sie alle heißen versuchen sich kleine Einzelhändler auf dem Markt zu halten. Das gelingt mit frischen Produkten und attraktiven Preis-Angeboten. Doch mancher kreative Modedesigner hat es nicht bis zur Preisliste geschafft. Scheitert der Kreative – wie üblich – an seiner eigenen Kreativität und hat die Preise (noch) nicht kalkuliert? Nach der Devise: ich bin gut, die anderen haben es nur nicht erkannt? Der Markt nimmt darauf keine Rücksicht. Mode-Discounter, Online-Handel, Boutiquen, Billiganbieter Made in China: was gestern bei Gucci in Mailand gesehen wurde, ist morgen schlecht kopiert als Billigangebot vorhanden. Da geht es dann nicht mehr um betriebswirtschaftliche Fragen; das ist existenzbedrohend. Doch ist die/eine Lösung in Sicht?

Vielleicht ist die sportliche Sichtweise an dieser Stelle angemessen: im Hochleistungssport gibt es nur wenige, die Olympiasieger oder Weltmeister werden. Auch die Förderung von künstlerischen Talenten ist richtig und angemessen. Wir sollten und können es uns leisten, Kunst, Design, Kreativität zu entwickeln. In diesem Sinne sollten wir uns schon jetzt auf die Sommerkollektionen 2018 freuen, die im Juli präsentiert werden. It´s Fashion Week Berlin.