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Nachhaltiger_Tourismus_23-09-17.jpgWelttourismustag

Tourismusunternehmen befinden sich in einer besonderen Situation: sie inszenieren Gegenwelten zum Alltag. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit ist dies aber vielfach schwierig, weil ein „nachhaltiger“ Tourismus auch zukünftig ökonomischen, sozialen und ökologischen Erfordernissen „in vollem Umfang“ Rechnung zu tragen hat. Reiseveranstalter haben daher besondere Schwierigkeiten, die in der touristischen Leistungskette durchaus bestehenden positiven Ansätze für das Marketing Erneuerbarer Energien angemessen in ihre kundenorientierten Leistungsbündel zu integrieren und den Minimalanforderungen eines „nachhaltigen“ Tourismus, den Kriterien des „Global Sustainable Tourism Council“, zu genügen. Diese Problematik lässt sich selbst bei Benchmark-Unternehmen der Tourismusbranche aufzeigen und regt darüber hinaus kritisches Nachfragen an: Was ist erforderlich, um die vielzitierte Green Gap im Tourismus in Zukunft „nachhaltig“ zu verringern?

Der Welttourismustag gibt dazu die gelegenheit, diese Position wieder ins Gedächnis zu rufen und an der Realisierung weiter zu arbeiten. Seit 1980 begeht die Welttourismusorganisation (UNWTO) jedes Jahr am 27. September diesen Gedenk- oder besser Erinnerungstag. Das Datum geht zurück auf die Ratifizierung der UNWTO-Statuten im Jahr 1970. Der Welttourismustag erinnert an die Bedeutung des Tourismus für die internationale Gemeinschaft sowie seine Auswirkungen auf soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Werte weltweit. Thema und Gastgeberland des Welttourismustages ändern sich jährlich. 2014 wurde der Welttourismustag unter dem Titel „Tourismus und lokale Entwicklung" in Mexiko zelebriert.

Das Motto für 2015 lautete: „1 Milliarde Touristen - 1 Milliarde Gelegenheiten“. Damit sollte der Einfluss des Tourismus unterstrichen werden. 2016 wurde das Motto „Tourismus für Alle" ausgegeben. Es weist darauf hin, dass jeder selbstbestimmt reisen können sollte, unter anderem auch Behinderte, Senioren, Familien mit kleinen Kindern und Menschen mit geringen Einkommen.

2017 lautet das Motto „Nachhaltiger Tourismus: Ein Werkzeug für Entwicklung". Damit lassen sich nicht nur die Eingangs genannten Ansätze zu betrachten. Berücksichtigt werden muss auch: Was bleibt im Land, wenn die Reisesaison vorbei ist? Zahlen Touristikunternehmen ihren Beschäftigten im Land Löhne, die eine Familie ernähren können? Wie gehen sie mit den üblichen überlangen Arbeitszeiten um und wie mit den Beschäftigten nach der Saison? Entsorgen Hotelanlagen ihren Müll umweltgerecht? Nimmt die Reiseplanung Rücksicht auf die natürlichen Ressourcen und wie viel CO2 produziert der Reiseweg pro Kunde? Mit solchen Fragen muss sich z.b. ein Reiseunternehmen auseinandersetzen, das ein CSR-System implementiert; CSR-Ansätze machen transparent, wie und unter welchen Bedingungen das Produkt „Reise“ erstellt wird.

Einzelne gute Taten reichen nicht aus, um CSR zu seiner vollen Wirkung zu bringen. Corporate Social Responsibility sollte für einen Paradigmenwechsel und eine neue Unternehmenskultur stehen, für soziale und ökologische Verantwortung im Kerngeschäft. Wer CSR konsequent betreibt, verändert daher nicht nur sein Managementsystem und seine Unternehmenskultur, sondern entwickelt langfristig auch ein neues Geschäftsmodell.

Auch sozial nachhaltiges Personalmanagement in mittelständischen Hotelbetrieben sind einzubeziehen. Klein- und mittelständische Hotels sehen sich aufgrund branchenspezifischer Rahmenbedingungen sowie prägender Führungs- und Organisationsstrukturen mit zahlreichen Herausforderungen hinsichtlich eines zeitgemäßen Personalmanagements sowie der Implementierung von Corporate-Social-Responsibility-Maßnahmen konfrontiert. Sozial-nachhaltiges Personalmanagement stellt ein umfassendes Konzept dar, das basierend auf Visionen und Werten des Unternehmens die personalpolitischen Prozesse um eine langfristige Perspektive ergänzt und gleichzeitig die externen Stakeholder berücksichtigt. Neben der Bereitstellung und Bindung von Talenten, der Erhaltung eines gesunden und produktiven Personalbestandes kommt insbesondere der Förderung und Entwicklung des aktuellen und zukünftigen Personalbestandes eine besondere Bedeutung zu. Anhand der Hotelkooperation Best Alpine Wellness Hotels sowie des Mitgliedsbetriebes, dem eigentümergeführten Hotel Hochschober in Kärnten, werden beispielhaft die sozial-nachhaltigen Maßnahmen aufgezeigt und reflektiert. Dabei zeigt sich die herausgehobene Stellung des gelebten Wertesystems und der wertschätzenden Einbindung der Mitarbeiter.