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05_132_Mio._Verpackungen_Stand_Jan.2018.jpgKreislaufwirtschaft

Wir Deutsche sind sozialisiert, was Nachhaltigkeit anbetrifft. So sammeln wir fleißig Altpapier sowie Glasbehälter und geben die PET-Flaschen zurück. Doch das ist immer noch nicht überall auf der Welt so. Neueste Ergebnis der Polarforschung zeigen, dass Plastikreste im erheblichen Ausmaß im Eis vorhanden ist. Riesige Plastikmüllreste treiben durch den Atlantik und haben sich teilweise schon am Boden abgesetzt. Da der Kunststoff durch Reibung immer weiter zerfällt, dringen die kleinen Teilchen über Mikroorganismen schlussendlich in unsere eigene Nahrung. Wäre es nicht so dramatisch, könnte sarkastisch von „Return to sender“ gesprochen werden. Einige Unternehmen haben erkannt, dass hier etwas verändert weden muss. Deshalb hat das Mainzer Familienunternehmens Werner & Mertz nicht nur die ökologische Ausrichtung von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln vorangetrieben und die Rezepturen angpasst, sondern auch die Verpackungskonzepte einer ökologischen Bewertung unterzogen. Das war die Grundidee, als Reinhard Schneider, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, 2012 die Recyclat-Initiative ins Leben rief. Bewusst als open innovation angelegt, bündeln seitdem in der Recyclat-Initiative Partner aus Industrie, Handel, Wirtschaft und NGO ihr Know-How in der Entwicklung und Herstellung von Verpackungen aus Recyclingkunststoff nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip und sensibilisieren die Öffentlichkeit für das Thema Nachhaltigkeit. Ihre Vertreter sind gefragte Redner bei nationalen und internationalen Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit.

Kunststoffe sind Wertstoffe, die im Sinne einer Kreislaufwirtschaft immer wieder verwendet werden können, lautet das Credo der Recyclat-Initiative. Sie setzt sich immer wieder neue Ziele, um nachhaltige Lösungen für die hochwertige Verwertung von Plastikabfällen zu finden. Seit ihrer Gründung konnte die Recyclat-Initiative so schon einige Pionierleistungen vollbringen. Erste Entwicklung waren glasklare Flaschen aus 100 Prozent Recycling-PET für die Marke FROSCH, gefertigt aus gebrauchten PET Flaschen sowie PET aus dem Gelben Sack. Durch die Nutzung weiterer Recyclingtechnologien konnten im Laufe der Zeit noch mehr Kunststoffe aus dem Gelben Sack nutzbar gemacht.

Nach der Entwicklung der weltweit ersten Flaschen aus 100 Prozent recyceltem rHDPE aus dem gelben Sack, die der Initiative 2016 den deutschen Verpackungspreis in Gold bescherten, konnte die Recyclat-Initiative auch 2017 mit weiteren Verpackungslösungen auf sich aufmerksam machen: der weltweit erste Verschluss aus 100 Prozent recyceltem Polypropylen aus dem Gelben Sack sowie einem Vorstoß bei der Entwicklung nachhaltiger Druckfarben. Beide Entwicklungen zeigen eindrucksvoll, welch hohe Ziele in Sachen Nachhaltigkeit durch gute Zusammenarbeit erreicht werden können.

Auch Verschlüsse recycelt

Nach PET und HDPE setzt die Initiative inzwischen einen dritten Kunststoff aus dem gelben Sack ein: Seit Mai 2017 wurde zunächst der nachhaltige FROSCH Zitronenreiniger mit einem Klappscharnier-Verschluss aus 100 Prozent Polypropylen-Recyclat ausgestattet. Inzwischen werden die Verschlüsse auch bei weiteren Produkten eingesetzt.

In neun Monaten intensiver gemeinsamer Entwicklungsarbeit von Werner & Mertz GmbH, „Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH“ und HEINZ PLASTICS Böhm GmbH aus Langenau in Oberfranken wurde aus dem Post-Consumer-Material ein Verschluss entwickelt, der hinsichtlich optischem Erscheinungsbild, Haltbarkeit und Verwendung keine Nachteile im Vergleich zu herkömmlichen Verschlüssen aus Virgin Material hat.

Während der DSD das Propylen-Recyclingmaterial zur Verfügung gestellt hatte, erfolgte die Herstellung der Verschlüsse durch HEINZ PLASTICS. Die grüne Farbe erhielt der Klappverschluss durch das sogenannte „Cradle-to-Cradle“-Masterbatch, entwickelt von der Clariant. Diese Pigmentierung ist nachhaltig und ermöglicht eine Zertifizierung nach Cradle to Cradle. Für diese nachhaltige Entwicklung erhielt die Recyclat-Initiative im September 2017 zum zweiten Mal in Folge den deutschen Verpackungspreis.

Durchbruch bei der Entwicklung nachhaltiger Farben

2017 standen nicht nur die Kunststoffverpackungen im Fokus der Recyclat-Initiative. Mit dem Cradle-to-Cradle-Druckfarbenprojekt haben die Mainzer gemeinsam mit anderen Unternehmen die Entwicklung nachhaltiger UV-Druckfarben angestoßen.

Ziel war die Entwicklung eines Druckfarbensystems bzw. Lacks, das dem GOLD-Status der Material Health Certification (MHC) entspricht. Das bedeutete, dass ausschließlich Pigmente eingesetzt werden durften, die sicher für biologische Kreisläufe sind und somit den Anforderungen der EPEA entsprechen. Mit Erfolg: Im Rahmen der Cradle-to-Cradle-Expertengespräche in Wien konnte das begehrte Zertifikat von der EPEA erzielt werden.

Die Entwicklung der Druckfarben ist für die Recyclat-Initiative ein wichtiger Schritt der Gesamtentwicklung nachhaltiger Etiketten und Verpackungen im Cradle-to-Cradle-Prinzip.

5 Jahre Recyclat-Initiative – über 165 Millionen Recyclingflaschen

Von der Wiege zur Wiege: Von Beginn an war das vorrangige Ziel der Recyclat-Initiative ein effizientes Recycling von Altplastik im Sinne des Cradle-to-Cradle-Prinzips. Durch neueste Sortiertechnologien konnten Wertstoffe aus dem Gelben Sack so hochwertig aufbereitet werden, dass die Recyclingverpackungen denen aus Virgin qualitativ ebenbürtig sind.

Die Zahl der Recyclingflaschen, die so seit 2012 durch die Recyclat-Initiative hergestellt wurden, ist kolossal: 165 Millionen. Zusammengesetzt würden diese Verpackungen eine Flasche von 368 Meter Höhe und 165 Meter Breite ergeben. Das bedeutet 165 Millionen Flaschen, die nicht aus Rohöl hergestellt wurden, 165 Millionen Flaschen, deren Wertstoff im Materialkreislauf landete statt in der Verbrennungsanlage oder gar im Meer.

Nach etwas über fünf Jahren kann die Recyclat-Initiative zufrieden auf ihre Arbeit blicken, will sich aber keineswegs zurücklehnen. „Wir haben bereits viele unserer Ziele verwirklichen können und zeigen, dass der Einsatz von Recyclaten in der Verpackungsherstellung wirtschaftlich möglich ist. Auch weiterhin wollen wir mit unseren Entwicklungen einen Schritt vor der ökologischen Benchmark liegen“, so Reinhard Schneider. Wenn alle an einem Strang ziehen, könne langfristig im Kunststoffrecycling das Gleiche erzielt werden wie es heute bereits beim Recycling von Aluminium der Fall ist, ist sich Schneider sicher. Aluminium ist heute praktisch von den Deponien verschwunden und wird in einem Materialkreislauf stetig wiederverwendet. Genau so könnte auch in Zukunft aus einer Plastikflasche immer wieder eine Plastikflasche werden.