Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

Naturdoktor_Wilder_Kaiser_29-05-18.jpgNatur gegen Stress

Jeder von uns, der schon einmal erkrankt war, bekam meistens von seinem Arzt ein Rezept. Darauf waren dann ein oder mehrere Medikamente aufgeführt, die nach bestimmten Regeln einzunehmen waren. Je nach Kompetenz des Arztes oder schwere der Erkrankung, war in wenigen Tagen schon wieder alles gut. Doch anscheinend geht es auch anders. Dazu geht’s nach Draußen und nicht in die Apotheke. Oder doch; jedenfalls dann, wenn Sie die Natur als Ihre Apotheke betrachten.

Gerta Grander-Eppensteiner aus Scheffau ist so jemand, der sich Draußen – sozusagen in der grünen Apotheke – auskennt. Am Wilden Kaiser in Österreich beschäftigt sich seit über 50 Jahren mit Heilpflanzen. Bei zahlreichen Erkrankungen nutzt die 69-Jährige die wohltuenden Naturgewächse, die auch bei seelischen Belastungen kleine Wunder bewirken. Nun verrät die Tirolerin die besten Rezepte gegen innere Unruhe, Anspannung und Schlaflosigkeit – ganz ohne Chemie. Und hält ein Plädoyer für die Pause.

Wie kam es nun dazu, dass sie sich mit der „Natur-Apotheke“ beschäftigte. Ihre Großmutter verfügte über sehr viel Wissen in diesem Bereich, aus ihrer reichen Erfahrung habe sie geschöpft. Schon als Kind, aufgewachsen auf einem Bauernhof, fand sie das Thema interessant – seither begeistert es sie. Zu ihrem 17. Geburtstag schenkte ihr die Oma das Buch „Kräutergold“, welches sie selber nutzte.

Aber das reichte natürlich nicht. Sie absolvierte eine Reihe von Seminaren. Fast ihre gesamte Freizeit gehörte den Kräutern, jeden Groschen, der übrig war, investierte sie in Fortbildungen. In der ganzen Welt konnte sie etwas dazu lernen, auch aus der tibetischen Heilkunde oder der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Also nutze sie nicht nur die Mittel in ihrer Heimat. Denn die Pflanzenwelt ist für die Gesundheit unerschöpflich. Alles, was wir brauchen, findet sich vor der Haustür. Für jedes Gewächs zum Beispiel aus China oder dem Tibet gibt es ein Pendant bei uns mit den gleichen Wirkstoffen.

Und was hilft nun gegen seelische Belastungen? Viele verursachen sich selbst Stress, meist durch zu große Erwartungen und Ansprüche. Jeder Mensch braucht ein Maß an Spannung. Doch anhaltender Druck ist Ursache vieler Übel.

So sollte Innehalten ein tägliches Ziel sein, was natürlich schwer umzusetzen ist. Jeder muss erkennen, wann eine Pause ansteht. In anstrengenden Phasen verbraucht der Körper die Nährstoffe schneller als sonst. Deshalb sollte man auf ausreichende Vitaminversorgung achten.

Was hilft den nun zu mehr Stärke und Gelassenheit? Allgemein nervenstärkend sind vor allem Ginseng, Hafer, Helm- und Eisenkraut, einzeln oder als Mischung. Muskelverspannungen lindern zudem Kamille, Hopfen, Passionsblume und Baldrian. Letzteres ist allerdings nicht über längere Zeit einzunehmen.

Wenn alles nicht mehr hilft, so kann ein Stimmungsaufheller nützlich sein. Dafür ist Johanniskraut altbewährt. Und ein Esslöffel roher Kartoffelsaft morgens behebt Kaliummangel, Müdigkeit und sorgt für Kraft. Aus dem hohen Norden und dem mittelasiatischen Hochgebirge ist die Rosenwurz zu uns gekommen, längst aber auch in hiesigen Steingärten zuhause. Deren Wurzel gilt als wertvollstes Mittel für Kraft und Ausdauer bei außergewöhnlichen Belastungen. Als Tee oder Pulver hemmt sie Stress auslösende Botenstoffe im Gehirn und stärkt das Immunsystem. Darüber hinaus handelt es sich dabei um ein natürliches Antidepressivum. Seit Rhodiola auch in Mitteleuropa für medizinische Zwecke angebaut wird, sind entsprechende Zubereitungen in jeder Apotheke zu bekommen.

Doch jeder Einzelne von uns kann direkt etwas tun. Denn trotz all dieser Helfer werden nervöse Menschen nicht umhin kommen, ihren Lebensstil zu überdenken und für Entschleunigung zu sorgen. Wichtige Fragen dabei: Was brauche ich wirklich? Was tut mir persönlich gut?

Um in die eigene Mitte zu gelangen, hilft es, mehrmals am Tag eine Minute lang bewusst zu atmen. Auch achtsames Gehen beruhigt. Es existieren wenige Methoden, die besser zum Stressabbau taugen.

Wer einfach aufgrund von Sorgen nicht in den Schlaf findet, sollte ein entspannendes Bad am Abend nutzen. Das kann Hilfe bringen. Man gibt ½ Liter Kamillentee mit 5 bis 10 Tropfen Lavendelöl in die Wanne und genießt dann eine Tasse Tee dabei. Als bevorzugtes Kraut dafür ist die schöne Gartenpflanze Eschscholtzienkraut, der kalifornische Goldmohn. Im Volksmund heißt er bezeichnenderweise „Schlafmützchen". Die darin enthaltenen Alkaloide sind wesentlich schwächer als im Schlafmohn. Es ist absolut sanft, aber dennoch effektiv und für Kinder geeignet.

Wer sich einen Aufguss zubereiten möchte, sollte die folgenden Zutaten wählen:

Man nehme 20 g Eschscholzia californica, 15 g Passiflora incarnata (Passionsblume), 10 g Stachys betonica (Heil-Ziest) sowie 5 g getrocknete Lavendelblüten und vermischt alles miteinander. Dann 2 Teelöffel davon pro Tasse mit heißem Wasser aufgießen, nach 5 Minuten abseihen. 30 Minuten vor dem Zubettgehen trinken. Tropfenweise als Tinktur ist der Mix ebenso wirksam.

Wenn Schüler vor einer Belastung, wie sie jetzt am Schuljahresende verstärkt anstehen, Entspannung benötigen, sollte jedem Fall vorher leicht und gesund gegessen werden. Nachhelfen lässt sich eventuell mit einer Baldriantinktur. Die Heilpflanze besänftigt, macht jedoch nicht müde.

Damit Heranwachsenden nichtden Alkohol im Baldrian-Elixier einnehmen müssen, gibt man es in eine Tasse, gießt kochendes Wasser darüber und lässt das Ganze abkühlen. Mit dem Wasserdampf verschwindet das Hochprozentige. Wer mag, vermengt die Essenz anschließend mit Saft. Das genannte Verfahren eignet sich übrigens für alle alkoholhaltigen Tropfen, wenn gerade nichts Kindgerechtes im Haus ist.