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DSC_1131.JPGTradition

Feuer hat immer eine magische Kraft entwickelt. Es wehrte wilde Tiere ab und bot den Menschen Schutz und Wärme. Andererseits hat Feuer auch eine angsteinflößende Kraft. Vom Feuer geht Gefahr aus. Nicht umsonst versuchen sich Menschen auch vor dieser Gefahr zu schützen. Das führte u.a. zu Brandversicherungen und zur Einrichtung von Feuerwehren. Viele Traditionen sind so mit dem Feuer verbunden. Dazu gehört auch das Osterfeuer. Seit dem 16 Jahrhundert soll es dieses Feuer geben. Wahrscheinlich ist es aus der Liturgie der katholischen Kirche abgeleitet. Denn zu Beginn der Liturgie der Osternacht wird ein kleines Feuer entfacht. Daraus wird dann die Osterkerze entzündet. Als Licht in die dunkle Welt wird diese Kerze vorangetragen als Sinnbild von Christus.

Die heutigen Osterfeuer sind der Liturgie weit entfernt. Es geht den Menschen dabei eher um weltliche Genüsse wie Bratwurst, Bier und Gemütlichkeit. Das Abbrennen des Feuers findet an unterschiedlichen Ostertagen statt; teils am Karsamstag, vor allem in Westfalen auch erst am Abend des Ostersonntags. Im Sauerland werden sie oft erst am Ostermontagabend abgebrannt. Im Brauchtum einiger Regionen wird im Osterfeuer eine Puppe oder ein Baumstamm verbrannt, der Judas Iskariot darstellt.

Es handelt sich um möglichst hoch aufgetürmte Holzstöße aus Baum- und Strauchschnitt. Mancherorts befindet sich zuoberst des Stapels eine Hexenpuppe aus Stroh. Die Holzstöße werden auf Feldern oder auf der Kuppe eines Berges errichtet. Wichtig für die Erbauer sind aber die weithin sichtbaren Flammen. Der Brauch ist vor allem in ländlichen Gegenden üblich, wo vielfach einen Wettstreit zwischen „Osterfeuergemeinschaften“ um das höchste Feuer abgehalten wird. Damit nicht gegenseitig die Feuer angezündet werden, sind Tag und Nacht Wachen postiert. Dabei kam es auch zu schrecklichen Ereignissen, wie z.B. 1982, als fünf Jugendliche im eigenen Osterfeuer verbrannten, da sie sich als Wache Schlafplätze im Feuerstappel eingerichtet hatten. Unfälle beim Osterfeuer gab es in der Vergangenheit mehr als genug. So brach der obligatorische Baum bei einem Osterfeuer in Clausthal-Zellerfeld ab und verletzte mehrere Menschen. Ein Getroffener wurde so schwer verletzt, der er sein Leben lang nun im Rollstuhl verbringt.

Zur Harzer Tradition gehört das Schwingen von selbst gebastelten Holzfackel – die im Osterfeuer entzündet und dann in großen Kreisen geschwungen werden. Auch „das Schwarz machen“ mit Ruß aus dem Osterfeuer ist dort sehr beliebt. Neber der Kleidung ist meist das Gesicht betroffen. Die Geselligkeit kommt dabei nicht zu kurz. Wenn der Meiler brennt, wird meist nach „der getanen Arbeit“ mit Flaschen-Bier angestoßen.

Bei dieser geselligen Runde entbrennt auch noch in einigen Gegenden Brandenburgs ein Wettstreit, mit Geldeinsätzen für den öffentlichen Zweck z. B. die Feuerwehrkasse, über den Zeitpunkt des Verbrennens bzw. Umknickens einer im Holzstapel aufgestellten Birke. Die Osterfeuer entlang der Unterelbe locken viele Schaulustige an.

Im Harz heißen die Feuer Ostermeiler, sie sind aus Reisig und Fichtengrün aufgeschichtet, obenauf steht eine große Fichte. In Nordfriesland, vor allem auf den Nordfriesischen Inseln kennt man den Brauch des Biikebrennens am 21. Februar. Im Fuldaer Land gibt es einen ähnlichen Brauch des Hutzelfeuers am Sonntag nach Aschermittwoch.

Da die Holzstapel über viele Wochen angesammelt werden, verkriechen sich hier häufig Kleintiere, die vor dem Anzünden verjagt werden müssen. Naturschützer warnen deshalb vor Osterfeuern. Die „echten“ Osterfeuerewerden die einzelen Stappel zum Osterfeuer aufgeschichtet.

Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich aus seiner Kindheit im Harz, dass jeder ein Osterfeuer anzünden konnte. Als Kinder wurden die alten Weihnachtsbäume eingesammelt und zum Lagerplatz transportiert. Die Osterferien standen dann ganz im Zeichen des Osterfeuerbaus. Um Gäste anzulocken und sie von der Leistung sowie Größe des Feuers zu begeistern, wurde meist kleinere Vorfeuer gezündet. So was gibt es aber schon lang nicht mehr. Heute sind Osterfeuer genehmigungspflichtig. Teilweise wird auch Baumschnitt verbrannt, der wegen Insektenbefalls nicht kompostiert werden kann; also findet sozusagen eine Entsorgung statt. Das hat es auch früher noch viel extremer gegeben. Da wurde Motoröl, alte Reifen und vieles andere als Brandverstärker benutzt. Na ja, jeder lernt dazu. Viel Spaß beim Osterfeuer wünscht die luckx-Redaktion.