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Der_Klassische_klein_c_pixabay.jpgPostkartenschreiber

Nach Warmduscher und Schattenparker wird es wohl bald eine neue Kategorie geben: Postkartenschreiber. Doch wahrscheinlich wird diese Spezie wie die Dinosaurier aussterben. Denn die elektronischen Medien scheinen schon jetzt den Briefmarkenklebern den Garaus zu machen. Doch warten wir es ab. Manchmal findet eine Wiederbelebung statt. Denn auch in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde schon das Abschiedslied auf den deutschen Wald gesungen der sich aber heute bester Gesundheit zeigt.

Doch eigentlich freut sich über eine Postkarte: Während der Urlaubszeit trudeln wieder verstärkt Urlaubsgrüße aus der ganzen Welt in den Briefkästen ein. So unterschiedlich die Motive und die Texte der Postkarten, so verschieden sind auch die Personen, die diese schreiben. Hier einige nicht ernstgemeinte Charakter der Postenkartenenthusiasten.

Der Planer

Daran erkennt man ihn: Schon aus der Kartenauswahl macht er eine richtige Wissenschaft: Er kauft die Postkarten gleich am ersten Urlaubstag und sucht für jeden eine individuelle Karte aus. Er überlässt nichts dem Zufall und hat natürlich alle Adressen im Vorfeld im Handy notiert. Zwar hat er vor Ort noch nichts erlebt, trotzdem schreibt er aber schon am zweiten Tag die Postkarten, damit sie auf jeden Fall ankommen, bevor er zurück ist. Wenn sich nicht jeder für die Karte bedankt, ist er erst besorgt, dass die Karte nicht angekommen ist und dann beleidigt, weil seine Mühe nicht geschätzt wird.

So schreibt er: Am Pool oder am Strand zu schreiben ist nicht sein Ding — die Postkarten könnten ja dreckig werden. Er zieht sich lieber ins Hotelzimmer oder auf den Balkon zurück und denkt in Ruhe über die Texte nach. Standardfloskeln findet man auf seinen Karten nicht, denn er überlegt sich gut, was er schreibt und nutzt jeden Zentimeter der Postkarte.

Der Angeber

Daran erkennt man ihn: Für ihn zählt eindeutig Masse statt Klasse. Er verschickt Karten nur aus einem Grund — um zu zeigen, welchen tollen Urlaub er gerade macht und was er Spannendes erlebt.

So schreibt er: Er liegt mit einem Cocktail in der Hand am Strand und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen, während er seine Urlaubsgrüße schreibt. Dabei spart er im Text nicht mit Superlativen — alles ist „gigantisch“, „die Sicht einmalig“ oder es gab „das beste Frühstück der Welt“.

Der Chaot

Daran erkennt man ihn: Für ihn ist der Urlaub immer zu schnell vorbei — er schafft es nie, rechtzeitig Postkarten zu besorgen, geschweige denn sie zu schreiben. An Adressen denkt er erst, wenn er sie braucht und versucht sich an die wichtigsten zu erinnern. So kann es passieren, dass die Hausnummer fehlt und die Postkarte nicht oder sehr verspätet ankommt.

So schreibt er: Karten kauft er im Souvenirshop am Flughafen und schreibt sie dann schnell noch vor dem Boarding. Lang sind seine Texte daher dann in der Regel nicht. Er schreibt nur das Nötigste und ist sehr stolz auf sich, dass er überhaupt eine Karte geschrieben hat. Es kann allerdings sein, dass er die Karten in der Hektik in der Tasche vergisst und erst zu Hause in den Briefkasten steckt. Wenn es ganz blöd läuft, übergibt er die Karten auch schon mal persönlich.

Der Klassische

Daran erkennt man ihn: Für ihn gehört es einfach zum Urlaub dazu, Karten zu schreiben. Allerdings möchte er dafür nicht zu viel Zeit aufwenden. Daher kauft er für alle die gleiche Karte und wandelt den Text dann nur minimal ab.

So schreibt er: Er gibt sich mit den Karten schon Mühe, schreibt sie aber am liebsten alle auf einmal, damit er sich danach wieder dem Genießen des Urlaubs widmen kann. Meist nimmt er die Karten mit an den Pool oder den Strand und scheibt sie in der Mitte des Urlaubs. Seine Karten lesen sich von Jahr zu Jahr sehr ähnlich, da er nicht sehr variiert. In der Regel geht es um das Hotel, die Ausflüge und das Essen.

Der Digitale

Daran erkennt man ihn: Ohne sein Smartphone in den Urlaub zu fahren ist für ihn undenkbar. Er postet, tweetet und chattet auch unter Palmen und möchte auch weit weg von der Heimat immer auf dem Laufenden bleiben, was in der digitalen Welt passiert. Er ist ständig auf der Suche nach WLAN und würde nirgendwo hinfahren, wo es nicht wenigstens in der Unterkunft Netz gibt.

So schreibt er: Er bastelt mit seinen Urlaubsbildern am Handy Fotocollagen und verschickt diese über eine App als echte gedruckte Postkarte.

Diesen Personen schickt er Karten: Während er seine Urlaubsbilder am liebsten nur auf den sozialen Medien posten würde, weiß er, dass sich einige seiner Familienmitglieder und Freunde noch über richtige Postkarten freuen.

Diese Motive verschickt er: Ob er am Strand liegt oder beim Sightseeing in der Stadt unterwegs ist, sobald er tolle Bilder gemacht hat, schickt er sie gleich als Postkarte los.

Der Spaßvogel

Daran erkennt man ihn: Es macht ihm große Freude, seinen Freunden, Familienmitgliedern oder auch Arbeitskollegen möglichst skurrile oder auch ausgefallene Postkarten zu schicken. Er freut sich schon vor dem Urlaub darauf, die Karten vom letzten Jahr noch an Originalität zu übertreffen.

So schreibt er: Da ihm die Vorderseite der Karte am wichtigsten ist, schreibt er nur sehr wenig Text auf die Karte. Entweder nur einen Urlaubsgruß à la „Alles super hier“ oder einen Spruch, der sich auf das Bild bezieht, wie zum Beispiel „Diesen Borat-Badeanzug habe ich mir hier auf Mallorca gekauft“.