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Freeride_2.jpgPowder Rausch 

Fundierte Ausbildung und Skikönnen sind Voraussetzungen für Tiefschnee-Tage Im tiefen Pulverschnee unterwegs zu sein ist ein eindrückliches Erlebnis, das Snowboarder und Skifahrer gleichermaßen begeistert. Tief verschneite Landschaften, glitzernder Schnee und etwas Ruhe abseits des Pistentrubels sind jedoch nicht nur die Highlights eines Schneetages, sondern bedürfen auch einer fundierten, aktuellen Ausbildung in Lawinenkunde sowie einer adäquaten Skitechnik. „Das Material wird immer besser, zusätzliche Ausrüstung wie Lawinenairbags suggerieren Sicherheit. Es bleibt aber nach wie vor dabei: Wer sich abseits gesicherter Pisten bewegt, tut dies eigenverantwortlich und muss unbedingt die passenden Kenntnisse haben“, betont Tobias Heinle, Staatlich geprüfter Skilehrer, Skiführer und Mitglied im Ausbildungsteam Ski Alpin des Deutschen Skilehrerverbands (DSLV).

Der Standard: Notfallausrüstung

Die Verlockung ist groß: Abfahrten abseits der gesicherten Skipisten ziehen Schneebegeisterte magisch an. Voraussetzung für einen sicheren und erlebnisreichen Tag im Schnee ist dabei das Mitführen der persönlichen Notfallausrüstung. Dazu zählen ein aktuelles LVS-Gerät, Lawinenschaufel und –sonde, Erste-Hilfe-Set sowie ein Handy. Der DSLV empfiehlt darüber hinaus das Tragen eines Lawinenairbags. „Die beste Ausrüstung ist jedoch nutzlos, wenn ihr Einsatz nicht erlernt und regelmäßig geübt wird“, erklärt Heinle. „Wer gesicherte Pisten verlässt, muss die Lawinengefahr mithilfe des aktuellen Lawinenlageberichts einschätzen können. Die gängigen Rettungstechniken müssen blind beherrscht werden – im Notfall zählen Sekunden.“ Viele DSLV Profi-Skischulen kooperieren mit Bergschulen und bieten Freeride-Kurse an, in denen der Umgang mit dem LVS-Gerät und das Verhalten im Ernstfall trainiert werden.

Vermeintliche Sicherheiten

Zahlreiche Lawinenunglücke ereignen sich an besonders sonnigen, neuschneereichen Tagen. „Man darf sich nicht verleiten lassen: Gutes Wetter ist nicht gleichbedeutend mit geringer Lawinengefahr“, warnt Heinle. Selbiges gilt für Abfahrten, die beispielsweise kurz erscheinen oder in Sichtweite von Liftanlagen und Pisten sind. Gefahrenstellen sind nicht abhängig von der Nähe zum Skigebiet oder der Hanghöhe. Die Entscheidung für eine Abfahrt muss stets auf Grundlage des Lawinenlageberichts erfolgen. „Wichtig ist, dass Wintersportler selbständig entscheiden können. Es macht keinen Sinn, sich von bereits bestehenden Spuren verleiten zu lassen, ohne eine eigene Gefahreneinschätzung vornehmen zu können.“

Sichere Skitechnik für Freeride-Abfahrten

Der Aspekt Lawinenkunde für Freeride-Abfahrten wird für Tobias Heinle noch ergänzt um das individuelle Fahrkönnen: „Auch eine solide Abfahrtstechnik ist ein sicherheitsrelevanter Punkt. Wer sich das erste Mal im Tiefschnee versucht, sollte sich zunächst in flachen Geländestücken neben der Piste aufhalten“. Freeride-Abfahrten können durch unwegsameres Gelände führen, etwa durch Bachläufe oder über Steilstufen. Für genussvolle Schneetage ist daher ausreichende Übung nötig.

Einfache Querfahrten zwischen Skipisten können einen Eindruck über den wechselnden Schneewiderstand bieten. Mit vertikalen Wipp-Bewegungen kann das Bewegungsmuster zum Kurven einleiten geübt werden. „Im Tiefschnee haben die Ski viel mehr Widerstand als auf der Piste“, erklärt Heinle. „Für Kurven müssen zum leichteren Drehen die Ski entlastet werden, das funktioniert am besten durch vertikale Bewegungen.“

Mit etwas mehr Erfahrung bieten sich Übungsfahrten am Pistenrand im Wechsel zwischen Piste und Tiefschnee an. Somit werden Ausgleichsbewegungen in den Gelenken trainiert, die im unregelmäßigen freien Gelände bedeutsam sind. Einer der häufigsten Fehler ist neben der Rücklage die Bewegungseinleitung durch den Oberkörper anstatt durch die Gelenke. Heinle empfiehlt: „Ab und zu kann jeder kleine Technikübungen in den Skitag einbauen. Eine gute Übung: Gelegentlich eine Abfahrt ohne Stöcke, mit verschränkten Armen. Die Bewegung aus den Beinen kommt dann wie von allein.“