Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

Kompost_pixabay_preview.jpegNachhaltiger Urlaub

Schmerzlich erfahren wir täglich, das Rohstoffe nun doch endlich sind. Lange Zeit haben wir so gelebt, als ob die Erde ein Perpetum Mobile ist und sich ständig wieder erneuert. Haben wir und unsere Vorfahren über den Gebrauch bzw. Verbrauch von Produkten in der Vergangenheit wenig nachgedacht, so lernen schon heute Grundschüler, dass wir sehr behutsam mit unserer Erde und ihren Erzeugnissen umgehen müssen. So ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Naturressourcen eines der wichtigsten Kriterien für ein nachhaltiges Leben. Das gilt sowohl im täglichen Leben zuhause, im Job als auch im Urlaub. Das bedeutet: Verschwendung vermeiden. Das gilt für Verpackungsmüll genauso wie für Essensreste. Die zweite Grundvoraussetzung: Wo sich Abfälle nicht vermeiden lassen, ist ein sinnvolles Recycling gefragt. Und Kreativität.

Wie sich das umsetzen lässt? Schritt eins: Für Bewusstsein sorgen, zum Beispiel, indem man die Touristen in den lokalen Anbau von Nahrungsmitteln einbezieht und zeigt, wie wertvoll die Ressourcen sind. Schritt zwei: Gute Voraussetzungen schaffen – und eine Infrastruktur, die Verschwendung reduziert. Schritt drei: Nachhaltige Recyclingkonzepte umsetzen.

Bewusstsein für die lokalen Gegebenheiten schaffen …

Die Vielfalt des Angebots zu regulieren und die eigene Lieferkette nachhaltig zu gestalten ist natürlich eine wichtige Grundlage, um Verschwendung zu vermeiden. In den peruanischen Inkaterra-Hotels werden die Urlauber darüber hinaus einfach aktiv mit einbezogen in das Thema Nachhaltigkeit. Bei Outdoor-Aktivitäten und Workshops wird ganz nebenbei über den Wert lokaler Produkte informiert. Hier erfährt man viel über aktuelle Projekte zur nachhaltigen Agroforstwirtschaft im Regenwald, über die Entwicklung des ökologischen Anbaus von Kakao, Paranüssen, Gewürzen, Obst und Gemüse. Der Gedanke dahinter: den Besuchern ein Gefühl für die Kultur und die Gegebenheiten vermitteln, traditionelles Wissen weitergeben und ökologische Möglichkeiten aufzeigen, indem sie vorgelebt werden – von effektiver Wassernutzung bis hin zur Nutzung von organischem Dünger und Kompostproduktion. Außerdem erfährt man, wie man den CO2-Fußabdruck reduzieren kann, indem man Biodiesel verwende. So gibt es eine Menge lokaler Initiativen, die diese spannenden Projekte antreiben.

und das Abendessen selbst ernten

Ein interessantes Beispiel ist das „Earth to Table“-Konzept im Inkaterra Hacienda Urubamba: Hier werden die Gäste eingeladen, auf der 10 Acre umfassenden Biofarm selbst an der Ernte teilzunehmen. Unter anderem werden Quinoa, Urubamba Giant Corn und Kartoffeln geerntet – mit Hilfe von traditionellen Handwerkzeugen und Ochsen. Wer das Essen auf seinem Teller einmal nach jahrzehntealter Tradition selbst eingeholt hat, lässt es sicher nicht so einfach stehen. Eine schöne Art, kulturelles und ökonomisches Verständnis und eine Verbindung zu den Lebensmitteln zu schaffen, die wir oft unbedarft konsumieren. Und das ganz ohne externe Regulation durch kleine Teller am Buffet oder einen erhobenen Zeigefinger.

Ein ganz natürlicher Kreislauf: Biogasanlagen

Dass Abfälle anfallen, lässt sich trotz allem Bewusstsein nie ganz vermeiden. Hier ist eine sinnvolle Recyclingstruktur gefragt. Im Reethi Beach Resort auf den Malediven wird rund die Hälfte der Essensreste einer Biogasanlage zugeführt. Das Gas wird zum Kochen genutzt; Wasser und Schlamm können zur Bewässerung und als Dünger verwendet werden. Ein Recycling, das sich bewährt hat. Bald wird mit dem Reethi Faru ein neues Resort auf dem Raa Atoll eröffnet, dafür sollen drei weitere solcher Anlagen angeschafft werden – um in Zukunft hundert Prozent der Reste auf diese Art verwerten zu können.

Außerdem: Wurmkompost und Papier-Upcycling

Auch die Nachhaltigkeitspioniere von der indischen Hotelgruppe CGH Earth
 arbeiten an zahlreichen ihrer Standorte erfolgreich mit Biogasanlagen, kochen mit dem daraus entstehenden Methangas und nutzen den Biodünger in ihren reichhaltigen Gemüse- und Kräutergärten. Am Standort Spice Village wird mit einem Wurmkompostsystem gearbeitet: Gekochte Speisereste, Fleisch- und Gemüseabfälle werden in großen Tanks kompostiert und mithilfe einer speziellen Wurmart in Dünger umgewandelt. Zwischen 150 und 250 Kilo organischer Abfälle können so täglich recycelt werden – und eine sinnvolle Weiterverwendung erfahren.

Nicht nur Küchenabfälle finden hier eine neue Bestimmung: Aus alten Magazinen und Zeitungen wird handgemachtes Papier; bei der Bindung kommt dann doch noch etwas aus der Küche zum Einsatz, nämlich der Strunk der Ananas. Wer hätte das erwartet? Praktisch: die alten Zeitungen werden als Briefpapier, Einladungs- und Menükarten genutzt. Eine besonders tolle Art des Upcyclings.

Obstschalen machen sauber, Kaffeesatz macht schön

Auch ohne Biogasanlage lassen sich Essensabfälle gezielt und äußerst sinnvoll verwerten Beispielsweise kann der Satz vom Frühstückskaffee im Spa eine neue Bestimmung, als Peeling sorgt er für eine strahlend glatte Haut. Ananasschalen lassen sich prima fermentieren und als Putzmittel verwenden, sonstige Obst- und Gemüsereste und -schalen, Zitronengras-Strohhalme und Fischgräten werden ebenfalls fermentiert und als Dünger im organischen Garten verwendet.

Gemüsegarten auf Sandboden – dank kompostierter Küchenabfälle

Auf den Malediven im indischen Ozean werden Essensreste nicht nur sinnvoll recycelt – sie sind sogar eine ganz besonders notwendige Voraussetzung dafür. Typisch für die Malediven ist der Sandboden, auf dem die Setzlinge wachsen und gedeihen sollen. Ohne Kompost wäre das für viele Pflanzen kaum möglich. Besonders spektakulär ist das Gerät Rocket Composter. Es sieht genauso futuristisch aus, wie es der Name vermuten lässt. Mit wenig Energie- und Arbeitsaufwand können ihm konstant Essensreste zugeführt werden, die er im Handumdrehen in Kompost umwandelt. So können auf den Malediven rund 90 Prozent aller Küchenabfälle genutzt werden, um dafür zu sorgen, dass auch Gemüse, das anderen als Salzboden benötigt, wächst – und die Küche bereichert.

Fazit: Natürlich sollte der erste Schritt immer ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln und anderen Ressourcen sein. Aber da, wo sich Abfälle nicht vermeiden lassen, hört die Verantwortung nicht auf – es gibt spannende und vielfältige Recycling-Möglichkeiten, um aus vermeintlichem Müll etwas Neues zu schaffen.