Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

VR_Travel_08-09-16.jpgReisebüro 2.0

War noch bis vor wenigen Jahren das Reisebüro einzige Auskunftsquelle für Reiseangebote und Reiseberatung, so steht jetzt jedem Internetnutzer die Reisewelt offen. Um ihre Existenz zu bewahren, müssen sich die Reisebüro den geänderten Angebots- und Buchungsverhalten stellen. Was liegt da näher, als die Realität des Urlaubs virtuell in die Geschäftsräume zu holen. Ob virtuelle Brille, Hubschrauber-Flüge, Beratung im heimischen Wohnzimmer oder ein echter Concierge-Service: Die Experten haben sich kräftig gegen die Internetportale gewappnet. Dies sind gute Gründe, dem Reisebüro vor der Last-Minute-Entscheidung einen Besuch abzustatten.

Aus der Vogelperspektive

Eine große Orientierungshilfe bei der Wahl des Ferienhotels bietet das Berliner Technologie-Unternehmen traffics. Das hat vor einigen Jahren nämlich rund 16.000 Kilometer Küste mit dem Hubschrauber überfliegen und filmen lassen. Heraus kam HeliView – eine Vielzahl von Videoclips, die dem Betrachter Küsten und Urlaubsresorts aus der Vogelperspektive zeigen. Auf diese Weise lässt sich nicht nur sehen, ob das Hotel wie versprochen wirklich direkt am Strand liegt, sondern zum Beispiel auch, ob es sich an einer stark befahrenen Straße oder an einer Flussmündung befindet. Eingesetzt wird HeliView von zahlreichen Reisebüros vom Norden bis in den Süden der Republik. Für die Vorführung nutzen einige Reise-Berater sogar spezielle Großbildschirme, um die Darbietung noch eindrucksvoller zu gestalten.

Für die Rundumsicht

Einen 360 Grad-Rundgang mit virtueller Brille ermöglicht dagegen das Berliner Unternehmen InteractiveCMS. Das hat nämlich die sogenannte Virtual Travel Lounge erfunden. Das Konzept: Reisebüro-Mitarbeiter setzen Kunden einfach die 360 Grad-Brille auf und führen sie somit über das Schiffsdeck eines Ozeanriesen oder durch die Gartenanlage eines Robinson Clubs. Da der Berater selbst auf dem Bildschirm sieht, was der Kunde gerade erblickt, kann er ihn zu den besten Orten führen und ihm so den bestmöglichen Einblick in das gewünschte Hotel oder Schiff geben. Die Virtual Travel Lounge umfasst derzeit 4.500 Panorama-Aufnahmen und kommt aktuell in etwa 100 Reise-Agenturen zum Einsatz – so zum Beispiel in München, Hamburg, Berlin oder Essen.

So kommt das Reisebüro zum Kunden

Das Essener Unternehmen solamento beweist, dass Kunden nicht unbedingt selbst ins Reisebüro gehen müssen. Auf Wunsch kommt es nämlich direkt zu ihnen. Das Unternehmen verfügt über ein Netz von etwa 300 mobilen Home-Office-Beratern. Interessenten können diese besuchen, sie aber zum Beispiel auch in einem Café treffen, um sich dort beraten zu lassen. Viele Reise-Experten besuchen ihre Kunden jedoch auch bei ihnen selbst – und das oftmals sogar außerhalb der regulären Bürozeiten. Auf diese Weise können Reisende ihren Urlaub ganz bequem nach der Arbeit in entspannter Atmosphäre planen.

Concierge-Service für unterwegs

Dass die Beratung nicht mit dem Verlassen des Reisebüros enden muss, zeigen die DER Reisebüros. Diese verfügen über mehr als 500 Filialen im Land und bieten Kunden seit kurzem eine Art Concierge-Service in Form einer mobilen App für iOS und Android an. Mit dieser können Reisende auch während des Urlaubs über Smartphone oder Tablet mit ihrem Berater chatten und somit zum Beispiel noch während des Aufenthaltes Ausflüge buchen oder sich künftig über Flugzeitenänderungen informieren. Darüber hinaus lassen sich mit der Applikation digitale Reiseführer herunterladen oder Versicherungen und Mietwagen reservieren.

Alle diese Darstellungen der Aktivitäten – Meeresrauschen und Schneesturm inbegriffen – ersetzen zum Glück nicht das Reiseerlebnis. ABER: Virtuell Reality kann Spaß machen, informieren und die Vorfreude auf die Reise erhöhen.