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Voluntravel 08-10-19.jpgReisen und Helfen

Noch bis zum 31. Oktober können sich Freiwillige an der Reinigung der griechischen Strände beteiligen. Im letzten Jahr wurden so über 100.000 Tonnen Müll eingesammelt. Ob das nun die Aufgabe von Freiwilligen wäre oder ob es die Strandbenutzer hätten selbst erledigen sollen, sei dahin gestellt. Doch es gibt viele weitere Möglichkeiten, um die Umweltverschmutzung oder anderes als Freiwilliger zu unterstützen. Sei es in einer Tierklinik in Südafrika oder die nachmittägliche Kinderbetreuung in einem Straßenkinderprojekt am Rande einer Sprachreise – die Kombination aus Freiwilligenarbeit und Tourismus, der sogenannte Voluntourismus nimmt ständig zu. Das Beratungs- und Zertifizierungsunternehmen TourCert gGmbH hat für Reiseveranstalter Kriterien zur Bewertung der Angebote entwickelt.

Großer Einsatzwillen

Mehr als 20.000 Deutsche begeben sich jedes Jahr für einen Freiwilligeneinsatz in ein Entwicklungs- oder Schwellenland. Etwa 8.000 für einen einjährigen Aufenthalt und schätzungsweise mehr als 15.000 für kurzzeitige Einsätze, die von Reiseveranstaltern angeboten werden. Der Begriff Voluntourismus setzt sich aus den Worten „Volontariat“ für einen zeitlich begrenzten, meist unentgeltlichen Freiwilligendienst und „Tourismus“ zusammen und beschreibt somit einen freiwilligen Arbeitseinsatz auf Reisen. Da hier Überschneidungen zwischen entwicklungspolitischen Zielen und erlebnisorientierten Freizeitaktivitäten entstehen, wird diese Art von Reisen oft kontrovers diskutiert und kritisch betrachtet.

Der Trend zum Freiwilligentourismus hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Wirtschaftsakteure sind dabei Reiseveranstalter, die entsprechende Angebote hierfür entwickeln. Durch das steigende Interesse am Freiwilligentourismus, hat TourCert sich diesem aktuellen Thema angenommen und innerhalb der Zertifizierung für Reiseveranstalter einen Produktcheck entwickelt. In Zusammenarbeit mit Tourism Watch/Brot für die Welt und gemeinsam mit ausgewählten Experten wurde ein Team zusammengestellt, um der Nachfrage von Reiseveranstaltern nach einer Bewertung dieses Reisekonzepts nachzukommen. Mithilfe von Kriterien und Checks können nun interessierte Reiseveranstalter untersucht werden.

Projektarten & Tätigkeitsbereiche

Für Freiwillige bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, die jedoch unterschiedlich bedenklich sind. Beispielsweise eine Reinigungsaktion am Strand, die ein paar Tage dauert, ist hierbei sicherlich sehr sinnvoll und nützlich. Sobald die Freiwilligeneinsätze jedoch mit Menschen oder Tieren zu tun hat, sollten die Einsätze genau bedacht werden. Die Arbeit mit sozial benachteiligten Gruppen wie z. B. Menschen mit körperlicher Behinderung, Flüchtlingen oder Arbeitslosen, kann durchaus unbedenklich sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört, dass die aufnehmende Organisation ausgebildetes Fachpersonal hat, unter dessen Anleitung die Freiwilligen unterstützend zur Seite stehen.

Angebote im sozialen Bereich beinhalten immer wieder sehr umstrittene Projekte, wie die Mithilfe in einem Waisenhaus oder die Unterstützung von Menschen mit psychischer Erkrankung. Diese sollten nicht von Freiwilligen betreut werden.

Ein weiteres typisches Handlungsfeld ist der Tier- und Naturschutz. Beliebt sind hierbei sog. Farmstays, Hilfe bei der Schildkrötenrettung oder umweltschonende Recyclingprojekte. Bei Tieren und Wildtieren, die bspw. in einer Auffangstation gehalten werden ist ebenfalls Vorsicht geboten. Der Mensch sollte nicht zu sehr in den natürlichen Lebensraum eingreifen und die Distanz zu den Tieren bewahren. Vorsicht gilt auch bei der Betreuung von Tieren, die Auffälligkeiten in ihrem Verhalten zeigen können.

Allgemein ist immer zu beachten, dass die kostenfreien Tätigkeiten der Freiwilligen nicht in Konkurrenz zu bezahlten Jobs vor Ort stehen und so Arbeitsplätze vernichtet werden. Insgesamt gilt: Gut organisierter und durchdachter Voluntourismus kann durchaus wertvoll und hilfreich sein und vor Ort sogar Arbeitsplätze, z.B. für die qualifizierte Betreuung der Freiwilligen oder für Reiseführer, die Wochenend-Angebote für die Freiwilligen entwickeln, schaffen. Wichtig dabei ist, dass sich der Einsatz von Freiwilligen nicht negativ auf die Zielregion und die Beteiligten auswirkt.