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Restaurieren_statt_abreissen_10-09-17.jpgRestaurieren statt abreissen!

Einen Großteil unserer Zeit verbringen wir in Gebäuden. Grund genug für eine nachhaltige und klimaneutrale Bauweise, die uns glücklich macht und vor allen Dingen gesund ist. Doch es muss nicht immer alles neu und hypermodern sein, um auch in den kommenden Jahrzehnten den Ansprüchen an eine nachhaltige Bauweise gerecht zu werden. Durch die Restauration von alten Gebäuden können diese dauerhaft weitergenutzt und erhalten bleiben. Ökologisch sinnvoll, da die Restauration und Sanierung den Verfall und Abriss verhindert und somit frisch produzierte Baustoffe nicht notwendig macht. Nebenbei sind die alten Materialien meist natürlich, da sie aus Zeiten stammen, in denen Umweltgifte noch kein Thema waren. Ein wichtiger Aspekt von Nachhaltigkeit, der auch im Tourismus greift. Viele Beispiele zeigen auf, wie durch eine umweltfreundliche Restauration jahrhundertealte Gebäude zu neuem Leben erweckt werden. Und sich so alte Traditionen, vor allem im Handwerk, an die folgenden Generationen weitergeben lassen.

Respekt für eine jahrhundertealte Handwerkskunst

Das CGH Coconut Lagoon Resort ist nur per Boot erreichbar und liegt in Kuttanad in Kerala, Indien, in einem Labyrinth aus Kanälen, Flüssen und Lagunen. Für den Bau des Eco-Resorts wurde Material von 150 Jahre alten und zum Teil zerstörten Herrenhäusern verwendet. Die Wiederherstellung war kein leichter Prozess, der mehrere Jahre, viel Liebe und sehr viel Arbeit in Anspruch nahm. Zunächst wurden die Nachkommen der Kunsthandwerker ausfindig gemacht, die diese Häuser ursprünglich erbaut hatten. Denn dieses alte Handwerk ist vom Aussterben bedroht. Das finale Team waren Männer, die weit über 60 Jahre alt waren. Die liebevolle Holzbearbeitung und die Detailtreue der Herrenhäuser des Coconut Lagoon sind eine Huldigung ihrer Sachkenntnis, Geduld und Hingabe.

Ein Speicher für die Ewigkeit

Das Hotel Speicher am Ziegelsee am „alten Hafen“ in Schwerin ist heute ein nachhaltig saniertes Hotel. Der ehemalige Getreidespeicher wurde im Jahr 1939 als massive Stahlkonstruktion mit einer Außenhülle aus Mauerziegeln und einem Fassungsvermögen von 6000 Tonnen erbaut. Da der Speicher als Industriebauwerk unter Denkmalschutz steht, musste der ursprüngliche Charakter des Gebäudes erhalten bleiben. Von Beginn an wurde großen Wert darauf gelegt, dass sich die Individualität und Einzigartigkeit des Gebäudes in den Hotelzimmern und den öffentlichen Bereichen widerspiegelt. So sind in einzelnen Hotelzimmern alte Stahlbeton-Pilzkopfstützen als tragendes Architekturdetail sichtbar. In vielen Details wurde brüniertes Eisen verwendet, das die Geschichte des Hauses heute vergegenwärtigen soll. Die alten Holzfenster wurden liebevoll restauriert und die abgebrochenen, handgeformten Mauerziegel der Außenfassade für die Fensterstürze und den Barbereich wiederverwendet. Für den gesamten Innenausbau wurden überwiegend natürliche Materialien verwendet.

Tür auf und mitten in der Natur in Südtirol

Im Josephus im Schnalstal in Südtirol legte die Inhaberfamilie Rainer im Rahmen der Sanierung der alten Landhausvilla sehr viel Wert darauf alte Texturen, zu erhalten und neu zu interpretieren. So wurde insbesondere der regionale, geradlinig-bäuerliche Stil bei der Umgestaltung respektvoll aufgegriffen. Alle in der ehemaligen Scheune vorgefundenen Hölzer wurden wiederverwendet und teils um einheimische Hölzer ergänzt. An den Wänden findet man ausschließlich Naturputz, der aufwendig per Hand aufgetragen wurde, um den Charakter des Hauses zu erhalten. Alle vorhandenen Möbel sind originalgetreu restauriert oder modifiziert. Die grandiose Natur mit den umliegenden Wiesen und dem vor dem Haus liegenden Bach wurde schon bei der Planung der Sanierung mit einbezogen. Dies ermöglichte das Anlegen der großzügigen Terrasse mit den geringsten Bodenverschiebungen. Komplett erhalten ist der alte Bauerngarten mit seinen heimischen Pflanzen. Sämtliche Arbeiten wurden von lokalen Handwerkern oder in Eigeninitiative durchgeführt. Das Josephus lebt Tradition, gepaart mit einem gesunden Blick in die Zukunft.

Dämmung aus dem Meer

Ein natürliches und nachhaltiges Dämmmaterial ist Seegras. Die toten Meerespflanzen punkten mit einer perfekten Ökobilanz, da sie fast unverarbeitet verbaut werden können und über optimale Isoliereigenschaften verfügen. Zudem ist Seegras resistent gegen Schimmel und Ungeziefer. Das deutsche Unternehmen Neptutherm hat den Trend des nachhaltigen Dämmmaterials erkannt und schon circa 100 Häuser in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und der Schweiz mit Seegras gedämmt. Das Seegras stammt weitgehend aus Tunesien und Albanien. Die Rohware, die sogenannten Neptunbälle, werden an den Mittelmeerstränden per Hand gesammelt und schaffen somit Arbeitsplätze. Entsprechende Produktionsstätten in Schwellenländern sind geplant. Trotz langem Transportweg per Schiff oder Bahn ist die Ökobilanz immer noch besser als bei vergleichbarem Dämmmaterial, wie Glaswolle oder Styropor.

Perfekter Dialog zwischen Tradition und Moderne in den Allgäuer Alpen

Im HUBERTUS Alpin Lodge & Spa geht man sehr besonnen und achtsam mit dem um, was die Natur vorgibt. Das Haus vereint so auf einzigartige Weise Tradition und Moderne. Die Kargheit einer Bauernkultur prägt die Inhaberfamilie seit Gründung in den fünfziger Jahren. Das Ambiente und ein gradliniges, einfaches Design bestimmen das Bild. Seit jeher werden ausschließlich ursprüngliche und gewachsene Materialien verwendet. Naturbelassene Holzschindeln prägen die Außenfassade des HUBERTUS, während im Inneren klare Linien und helle, warme Naturtöne dominieren. Alle Böden und Treppen sind aus Eichenholz und der hauseigene Stadel ist zu 100 Prozent recycelbar. Die vielen natürlichen Materialien, wie Steine, Leinen, Felle und gebürstete Hölzer lassen das Interieur ebenso stylisch wie naturnah wirken. Die Bewahrung von Kontext und Kultur ist ebenso wichtig, wie die gelungene Fusion mit der Natur durch Verwendung heimischer Holzelemente.

Wie zu Hause im Albergo Diffuso in Italien

Die einstigen Familienmitglieder der Familie Scalambrin arbeiteten als Schuster, Gastwirte oder Metzger und waren im Ort bekannt. Doch die Zeit hatte ihre Spuren hinterlassen. Aus der Notwendigkeit und dem Wunsch heraus, wichtige historische Familienbesitze zu erhalten und vor dem Verfall zu retten, entschied sich die Familie, die Häuser zu renovieren und in ein Hotel umzuwandeln. Ein sogenanntes Albergo Diffuso. Ein nachhaltiges Hotelkonzept, das nicht erbaut wird, sondern aus leer stehenden Zweitwohnungen oder renovierten Häusern hervorgeht. 2012 öffnete das Hotel Relais del Maro. Die geschmackvolle Renovierung erfolgte unter Berücksichtigung von Tradition und Kultur mit ausschließlich heimischen natürlichen Materialien.

Märchenschlosshotel am Fuße des Bodensees

Schloss Wartegg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das Schloss in der Ostschweiz am Fuße des Bodensees besteht seit 1557 und diente unter anderen als Refugium und Exilsitz. 1994 erwarb Familie Mijnssen das verfallene Schlossgebäude und den Großteil des englischen Landschaftsparks. Vier Jahre lang dauerte die baubiologisch, nachhaltige Sanierung, aus der ein wunderschönes Wohlfühlhotel entstanden ist. Hierfür griff man auf Massivholz aus der Region und des schlosseigenen Parks zurück. Heute ist der englische Landschaftspark des Schlosses als nationales Gartendenkmal anerkannt. Zahlreiche kulturelle und künstlerische Veranstaltungen des Kulturvereins Schloss Wartegg beleben das Schloss und den Park.