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FeldYoung_Beurer_Schlafatlas_06-11-17.jpgSchlafenszeit

Was vielen noch nicht so richtig bewußt ist: Gesunder Schlaf ist unabdingbar für ein gutes Leben. In der Nacht laden wir unsere inneren Batterien auf. Zu wenig Schlaf bedeutet zu wenig Energie für den Tag. Unsere hektische Berufs- und Alltagswelt wirkt sich negativ auf unser Schlafverhalten aus. Doch wie ist es um den Schlaf in Deutschland wirklich bestellt? Wie zufrieden sind wir Deutschen mit unserem Schlaf? Wie unterscheiden sich Schlafqualität und Schlafgewohnheiten in Deutschland von Region zu Region? Diesen Fragen gehen die beiden Schlafmediziner Dr. Michael Feld, Köln, und Prof. Peter Young (Universität Münster) in einer empirischen Studie im Auftrag des Ulmer Gesundheitsspezialisten Beurer nach. Der „Schlafatlas 2017“ zeichnet auf wissenschaftlicher Grundlage ein realistisches Bild unseres Schlafes und liefert eine solide Grundlage für die große Debatte: Was können wir tun, um den Schlaf gesund und erholsam zu machen?

Neben diesem Schlafatlas 2017 ist noch eine weitere Studie in diesem Jahr erschienen: der DAK-Gesundheitsreport 2017 mit dem Schwerpunktthema Schlafstörungen. Beide Studien ergänzen sich gegenseitig und geben insgesamt ein umfassendes Bild des Schlafverhaltens der Deutschen, der Verbreitung von Schlafstörungen und deren Risikofaktoren. Ausgewählte Ergebnisse beider Studien sollen an dieser Stelle vorgestellt werden.

Der DAK-Gesundheitsreport 2017

Jährlich erscheint der DAK-Gesundheitsreport. Der aktuelle Report hat, wie schon der Report 2010, Schlafstörungen als Schwerpunktthema. Der Report basiert auf drei Untersuchungen: 1. Die Arbeitsunfähigkeitsdaten aller bei der DAK versicherten Erwerbstätigen wurden ausgewertet und durch ambulante Behandlungs- und Arzneimitteldaten ergänzt. 2. Mit namhaften Experten der Schlafmedizin wurden halbstandardisierte Interviews durchgeführt. 3. Da diese beiden Datenquellen nur unzureichend Aufschluss über Häufigkeit und Ursachen von Schlafstörungen geben, wurde darüber hinaus im Oktober 2016 eine repräsentative standardisierte Befragung von 5.207 Erwerbstätigen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren 4 durch das Forsa Politik- und Sozialforschung Institut durchgeführt.

Schlafprobleme und Arbeitsunfähigkeit

Schlafprobleme werden oft als einfache Alltagsbeschwerden bagatellisiert und es wird zu Selbstmedikation gegriffen, wie die Ergebnisse der ergänzenden Forsa-Befragung zeigen. Jeder Zweite kauft sich in der Apotheke seine Schlafmittel ohne Rezept. Daher spielen Schlafstörungen in den Daten zur Arbeitsunfähigkeit nur eine geringe Rolle. Sie werden auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen nur selten als Ursache angeführt: Nur wenige Erwerbstätige sind pro Jahr wegen Schlafstörungen krankgeschrieben. Dennoch zeigt der Vergleich mit früheren Gesundheitsreporten, dass sich die Zahl der Fehltage aufgrund von Schlafproblemen von 2005 bis 2015 um 77 % erhöht hat 5. Maßgeblich zum Arbeitsunfähigkeitsgeschehen tragen die Einzeldiagnosen Insomnie und Schlafapnoe bei, wobei vor allem die Fehltage aufgrund von Insomnien zugenommen haben.

Die Verteilung von Schlafstörungen in der Bevölkerung

In der ergänzenden standardisierten Befragung Erwerbstätiger durch das Forsa Institut für Politik- und Sozialforschung im Oktober 2016 wurden u. a. die Prävalenz von Insomnie, mögliche Risiko- und Schutzfaktoren, wie Arbeitsbedingungen und Schlafhygiene und auch Aspekte der Versorgung von Schlafpatienten erfasst. Hier wurden zusätzlich das Bildungs- und Tätigkeitsniveau sowie mehrere Merkmale der Arbeitsbedingungen und der Beschäftigungssituation berücksichtigt. Laut dieser Ergänzungsstudie litten 80 % der Erwerbstätigen unter Schlafproblemen und jeder zehnte Arbeitnehmer sogar unter schweren Schlafstörungen. Der Vergleich mit den Ergebnissen des DAK-Gesundheitsreportes 2010 zeigt, dass der Anteil der Erwerbstätigen, die unter Schlafstörungen leiden, stark zugenommen hat. Sagten 2009 nur 22,4 % der Befragten, dass sie unter Schlafstörungen leiden, waren dies 2016 50,8 %. Schwere Schlafstörungen nahmen um 60 Prozent zu. Folgen sind Tagesmüdigkeit und Erschöpfung: 43 % sagten, sie seien bei der Arbeit müde und 31 %, sie seien regelmäßig erschöpft.Befragte mit Abitur oder Fachabitur gaben seltener Schlafstörungen an als Befragte mit Hauptschul- oder Realschulabschluss. Erwerbstätige mit einem gehobenen Tätigkeitsniveau gaben dies seltener an als solche mit einem niedrigen Tätigkeitsniveau. Insbesondere Schicht- und Nachschichtarbeit, wechselnde Arbeitszeiten, Samstagsarbeit und Sonn- und Feiertagsarbeit begünstigen das Insomnierisiko. Mit der Anzahl der Nachtschichten steigt das Risiko. Auch Arbeitsbedingungen wie Termin- und Leistungsdruck, Arbeit an der Grenze der Leistungsfähigkeit, zu wenige Pausen, die Zahl der Überstunden, ständige Erreichbarkeit oder Beschäftigungsunsicherheit erhöhen das Risiko für Schlafstörungen. Wissen um schlaffördernde Bedingungen wird häufig nicht umgesetzt. Kaum jemand schränkt den Medienkonsum vor dem Schlafengehen ein und Entspannungstechniken werden nur wenig angewendet. 83 % der Befragten schauen vor dem Einschlafen fern, 68 % benutzen am Abend den Laptop oder das Smartphone 6 und jeder Achte kümmerte sich nach Feierabend noch um berufliche Belange. Anwendungen (Apps) von Smartphones oder Tablets mit Funktionen zur Schlafkontrolle und Schlafoptimierung nutzen bereits 8 % der Befragten.

Schlafstörungen – ein unterschätztes Phänomen

Um die Befunde der Datenanalysen zu unterstützen, wurde eine offene Befragung namhafter Experten der Schlafmedizin zur Bedeutung und zur Versorgung von Schlafstörungen durchgeführt). Die Experten wiesen darauf hin, dass Schlafstörungen meist nicht als behandlungsbedürftige Krankheit wahrgenommen werden, Allgemeinmediziner wie auch Fachärzte würden über zu wenig Wissen darüber verfügen. In der Versorgung von Schlafpatienten gebe es zu wenige Angebote, schlafmedizinische Praxen und Schlafzentren fehlten und die Wartezeiten für die Diagnose im Schlaflabor seien zu lang. Zu häufig würden über längere Zeit Schlafmittel eingenommen. Alternative Therapien, wie z. B. kognitive Verhaltenstherapie, würden nur selten angewandt. Die befragten Experten sahen kaum einen Nutzen von Apps zur Schlafanalyse, Fitnesstrackern u. a.; deren Befunde seien oft falsch und wenig aussagekräftig. Einzig Apps zum Führen eines Schlaftagebuches bewerteten sie positiv.

Der beurer Schlafatlas 2017

Während die DAK-Schlafstudie nur Erwerbstätige betraf, wurde in der beurer Schlafstudie (Emnid-Befragung im Herbst 2016) eine repräsentative Stichprobe über 17-jähriger in der Gesamtbevölkerung zu ihren Schlafgewohnheiten befragt. 222 der Probanden nahmen zusätzlich an einer Begleitstudie teil, an der die Firma Beurer einen von ihr hergestellten Schlafsensor (SE 80 SleepExpert), der Vergleiche zwischen dem subjektivem Schlafempfinden und objektiven Schlafmessdaten ermöglicht, von einem schlafwissenschaftlichen Institut anwenden ließ. Zudem wurden zusätzlich anhand von Daten des Sozioökonomischen Panels regionale Unterschiede im Schlafverhalten der Deutschen geprüft. Laut beurer Schlafstudie bewerteten die Deutschen im Durchschnitt ihren Schlaf mit 6,9 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10 als gut. 15 % der Befragten waren mit ihrem Schlaf unzufrieden.

Abhängigkeit der Schlafqualität von einzelnen Merkmalen

In der beurer Studie wurde die Schlafqualität in Abhängigkeit von Alter, Wohnort, Beruf, Partnerschaft, gesundheitlichen und sozioökonomischen Faktoren untersucht.In kleineren Orten schlafen Menschen besser (7,6) als in größeren. Schüler beurteilten ihren Schlaf (7,7) am besten. Ältere über 60 bewerteten ihren Schlaf etwas besser als Menschen zwischen 30 und 60 Jahren. Zwischen Männern und Frauen wurden keine wesentlichen Unterschiede in der Bewertung ihrer Schlafqualität festgestellt. Berufstätige beklagten mehr Schlafmangel als Nichtberufstätige – fast 40 % von ihnen wünschten sich mehr Schlaf. Als wichtigsten Grund für schlechten Schlaf gaben sie „Stress während der Arbeit“ an. Sie gingen an Werktagen später zu Bett als Nichtberufstätige und brauchen länger, um abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Am Wochenende blieben sie länger im Bett, was die Autoren der Studie als Nachholen des Schlafes interpretieren. Als unzureichend bewerteten vor allem Erwerbstätige mit Samstags- und Sonntagsarbeit, Schicht-, Nacht- und Bereitschaftsdienst ihren Schlaf. Insbesondere bei vollzeitbeschäftigten Müttern war Arbeitsstress Hauptauslöser für schlechten Schlaf (53 %). Bei über 60-Jährigen waren es eher gesundheitliche Probleme, die den Schlaf störten. Mit Partner war die Schlafzufriedenheit schlechter als ohne. Die Schlafdauer von Paaren mit Kindern war insgesamt kürzer als die Schlafdauer von Singles.Nicht nur äußere Faktoren beeinträchtigen den Schlaf, sondern auch individuelles Verhalten vor dem Zu-Bett-Gehen wie Smartphone- und TV-Nutzung. 85 % der Befragten verbrachten die letzte Stunde vor dem Zubettgehen vor dem TV-Gerät. Hierin kommt die beurer Schlafstudie zu gleichen Ergebnissen wie der DAK-Schlafreport. Auch zu spätes Essen am Abend oder Alkohol gehen mit schlechterer Schlafqualität einher. Als Indikator für Schlafmangel und Übermüdung sehen die Autoren den regelmäßigen Wunsch von 31 % der Deutschen, länger zu schlafen. 31 % fühlten sich morgens matt, klagten über Anlaufschwierigkeiten am Morgen und 30 % nickten tagsüber unfreiwillig ein.

Wo schläft es sich in Deutschland am besten?

In der Beurer-Schlafstudie wurde auch die Schlafqualität in den deutschen Regionen ermittelt. Hierfür wurden zusätzlich Daten des Sozioökomischen Panels herangezogen. Beispielsweise gingen Berliner abends am frühesten ins Bett (21:43). In Rheinland-Pfalz standen die Menschen morgens am frühesten auf (6:35). Im Dorf schläft es sich besser als in der Stadt und im Norden Deutschlands schläft man länger und besser als im Süden. Während 43 % der Bayern den „Wunsch nach mehr Schlaf“ angaben, waren es in Rheinland-Pfalz nur 19 %. Am zufriedensten mit dem Schlaf war man in Bremen und am unzufriedensten in Berlin.

Subjektive Einschätzung und objektive Messung

Durch die Begleitstudie zum beurer Schlafatlas mit dem Schlafsensor „SE80 Sleep Expert“ stehen 222 repräsentative Biosignal-Datensätze der Parameter objektive Schlafdauer, Schlafphasenverteilung (Tiefschlaf, REM-Schlaf, Leichtschlaf), Anzahl nächtlicher Wachphasen, Herzfrequenz und Atemfrequenz für die Beurteilung der Schlafqualität zur Verfügung. Mit dem Gerät ist es möglich, diese Schlafmerkmale unter realitätsnahen Alltagsbedingungen und über längere Zeiträume hinweg aufzuzeichnen.

Die Ergebnisse: Die Deutschen schätzen ihren Schlaf besser ein, als er ist. Sie schätzen ihre absolute Schlafdauer durchschnittlich auf 6:54 Stunden, tatsächlich ergibt sich aber nur eine reine Schlafdauer von 6 Stunden. 11,3 % der Teilnehmer brauchten länger als 40 Minuten, um einzuschlafen und 30,5 % haben mehr als acht Schlafunterbrechungen. Bei mehr als acht Schlafunterbrechungen beginnt die klinische Relevanz von Durchschlafstörungen. Die Deutschen schlafen leichter, als Mediziner gut finden – der Anteil des Leichtschlafs beträgt laut Sensormessung 63 % (Laut Schlafmedizin sollte der Anteil des Leichtschlafs 50 bis 60 % betragen). Auch die Anteile des Tiefschlafs (17,2 %) und des REM-Schlafs (19,8 %) liegen unterhalb schlafmedizinischer Normwerte.