Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

DIABETES_Laufen_26-04-18.jpgRisiko Diabetes

Wer hätte das gedacht, das schlanke Menschen auch eine Risikogruppe für Diabetes sein können. Da müssen wir genauer hinschauen, was in der Studie untersucht wurde. Denn eigentlich ist schlank ein Zeichen von Gesundheit. Doch auch schlanke Menschen können durch Herzerkrankungen, Diabetes und Stoffwechselstörungen betroffen sein. Fast jeder fünfte schlanke Mensch hat einen geschädigten Stoffwechsel. Und das kann gravierende Folgen haben: Betroffene erkranken dreimal häufiger an Diabetes und Herzkreislauferkrankungen als schlanke Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel. Ebenso steigt das Risiko, an der Erkrankung zu sterben. Sie sind damit sogar gefährdeter als übergewichtige Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel. Das fanden Tübinger Forscherinnen und Forschern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Helmholtz Zentrums München bei Auswertung bestehender Studien heraus.

Was sind die Ursachen hierfür? Das wollte ein Team um Norbert Stefan, Fritz Schick und Hans-Ulrich Häring genauer wissen: Deshalb untersuchten die Wissenschaftler in einer eigenen Analyse die Daten von 981 Probanden. Dabei kamen sie zu einem ähnlichen Ergebnissen wie in vorangehenden Analysen: Trotz Normalgewicht hatten etwa 18 Prozent der schlanken Probanden einen geschädigten Stoffwechsel.

Des Rätsels Lösung fand das Forscherteam in der Fettverteilung der Probanden. Denn alle hatten eines gemein: Sie speichern nur wenig Fett an den Beinen. Die Wissenschaftler untersuchten zudem die Insulin-Empfindlichkeit, die Insulin-Sekretion, die Blutgefäße und die körperliche Fitness. Auch hier zeigten sich Auffälligkeiten. „Schlanke, die kaum Fett an den Beinen speichern, haben ein höheres Risiko für einen ungesunden Stoffwechsel. Man kann daher auch sagen, dickere Oberschenkel halten Schlanke gesund“, fasst Norbert Stefan die Ergebnisse zusammen. Zum Vergleich: Bei Menschen mit Übergewicht sind eine nichtalkoholische Fettleber und ein erhöhter Bauchfettanteil die größten Risikofaktoren für eine Entgleisung des Stoffwechsels.

Die Wissenschaftler raten schlanken Menschen, die zwei oder mehr Merkmale des sogenannten Metabolischen Syndroms aufweisen – wie beispielsweise hohen Blutdruck oder einen hohen Blutzuckerspiegel – und kaum Fett an den Beinen speichern, sich auf eine mögliche Schädigung des Stoffwechsels untersuchen zu lassen. Wichtig wäre es, für die unterschiedlichen Untergruppen von schlanken und übergewichtigen Menschen mit Stoffwechsel-Störungen maßgeschneiderte Lebensstil-Interventionen oder spezifische medikamentöse Behandlungen für eine personalisierte Prävention zu entwickeln.

Das Ergebnis dieser Studie ist in Frage zu stellen. Denn hier wurden Äpfel mit Birnen verglichen: auf der einen Seite schlanke Menschen mit Stoffwechselstörungen, auf der anderen Seite Übergewichtige ohne Stoffwechselstörungen. Die Studie wäre nachvollziehbar, wenn Gruppen von schlanke Menschen mit Übergewichtigen ohne Stoffwechselstörungen und dito mit Stoffwechselstörungen verglichen wurden. Ein Überkreuzvergleich lässt zu viele Fragekeichen aufkommen.