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gls-bank-klimastreik-bussgeld-gettyimages-971908252_zhaojiankang_GLS_BANK_20-06-19.jpgSchulschwänzer-Bußgeld

Bußgeld soll ja eine Disziplinierungsmaßnahme sein: wer zum Beispiel zu schnell fährt oder eine rote Ampel „übersieht“ muss mit einer Finanzstrafe und Fahrverbot rechnen. Nun lässt sich den Schülerinnen und Schülern, die für mehr Umweltschutz und ihre Zukunft demonstrieren, nicht vorwerfen, dass sie etwas „übersehen“ haben. Nein, denn ganz im Gegenteil ist es so, dass sie in der Schule gut aufgepasst sowie verstanden haben, wie unsere Umwelt zerstört wird. Durch ihre Freitagsdemonstrationen machen sie dies deutlich. Einige Politiker haben dazu öffentlich ihre Meinung dazu geäußert und nach Bestrafung gerufen. Theoretisch drohen bis zu 1.000 Euro Bußgeld den Fridays-for-Future-Schülern fürs Fehlen beim Unterricht.

Bank startet Kampagne

Die Genossenschaftsbank GLS will Schüler und ihre Eltern unterstützen, die wegen der Teilnahme an den Fridays-for-Future-Demonstrationen von Bußgeldern fürs Schulschwänzens zahlen sollen. Dazu hat die gemäß eigener Angaben „erste Ökobank der Welt“ eine Spendensammel-Aktion gestartet, bei der bislang mehr als 13.000 Euro zusammengekommen sind.

Anlass die Ankündigung von Wolfgang Hansjakob, Schulleiter eines Münchner Gymnasiums, zukünftig Anzeige zu erstatten, wenn Schüler wegen des so genannten „Klimastreiks“ nicht am Unterricht teilnehmen. „Jeder weiß jetzt, was Sache ist", sagte der Direktor laut Süddeutscher Zeitung.

Bußgelder denkbar

Bei uns in Deutschland besteht nun einmal die zehnjährige Schulpflicht. Die muss jeder Schüler und jeder Schülerin erfüllen. Bei unentschuldigtem Fernbleiben vom Unterricht kann es sich, je nach Einzelfallprüfung, um eine Ordnungswidrigkeit handeln, für die in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich hohe Bußgelder verhängt werden können. In Bayern liegt die Höchstgrenze beispielsweise bei insgesamt bis zu 1.000 Euro, in Berlin bei bis zu 2.500 Euro, in Bremen bei 35 Euro je Fehltag.

Verschiedene Teilnehmern und Initiatoren der Fridays-for-Future-Demonstrationen kündigten an, sich den „drakonischen Repressionsmaßnahmen“ nicht beugen und auch zukünftig protestieren zu wollen. An den Freitags-Demonstrationen während der Schulzeit hatte es immer wieder Kritik gegeben, vor allem aus der Politik. Zuletzt erklärte FDP-Chef Christian Lindner, er sei „fassungslos“, dass Schulschwänzen „heilgesprochen“ werde.

 

Ökologische Prinzipien

Die GLS-Bank bekräftige dagegen das Engagement des Unternehmens in dieser Sache: Sie will damit zeigen, was die Gesellschaft etwas tun kann, auch gegen die Androhung von Sanktionen.

Hintergrund ist für die Bank das eigene Selbstverständnis. Die „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“ (GLS) wurde 1974 gegründet und versteht sich nachhaltiges, ökologisch orientiertes Finanzinstitut. Die Bank erhielt mehrfach Auszeichnungen, so 2012 als „nachhaltigstes Unternehmen Deutschlands“ und insgesamt neun Mal den Preis als „Bank des Jahres“.

Sollte es gelingen, Bußgelder durch wirksamen Protest oder Gerichtsentscheidungen zu verhindern, wird jeder Euro sinnvoll für die großen Streikaktionen verwendet. Aber auch die Schülerinnen und Schüler haben regiert. Sie lassen uns nicht einschüchtern. Die Solidarität hilft allen, die freitags für konsequenten Klimaschutz auf die Straße gehen. Jede Unterstützung zeigt: Auch Bußgelder stoppen sie nicht. Wer auf junge Menschen wartet, die freitags die Schulpflicht erst wahrnehmen müssen, um „irgendwann einmal“ etwas für das Klima zu tun, übersieht die Dringlichkeit, so die Initiative.