Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

Teller_statt_Tonne_17-04-18.jpgTeller statt Tonne

Die Produktion von Lebensmittel bedeuten einen hohen Einsatz von Mensch, Maschinen und Bodennutzung. Deshalb ist es wichtig, produzierte Lebensmittel zu verwenden anstatt sie unter zu pflügen oder dem Kompost zuzuführen. Wir wollen nicht diskutieren, ob die Körnerproduktion der Schweineproduktion vorzuziehen ist. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Doch, wenn wir uns für ein Lebensmittel entschieden haben, sollten wir die restlose Verwendung immer im Vordergrund sehen. Denn die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein wichtiges Thema, das breiten gesellschaftlichen Handelns bedarf.

Gegenwärtige Kampagnen zum Thema erregen viel öffentliches Interesse, greifen aber oft zu kurz. So werden viele Akteure in der Herstellungskette nicht genug in die Verantwortung genommen, noch werden die Konsequenzen auf die ärmeren Länder der Welt thematisiert. Es fehlt oft an positiven, tiefer greifenden Lösungsansätzen, die dem Problem systematisch entgegentreten. Slow Food setzt der Verschwendung vier Prinzipien entgegen: die Wertschätzung des Essens, Geschmacks- und Lebensmittelbildung, starke regionale Wirtschaftskreisläufe und nicht zuletzt, echte Lebensmittel zu essen, aus handwerklicher, nachhaltiger Produktion. „Das Bewusstsein für das, was wir essen, ist der Mittelpunkt der Slow Food Philosophie,“ erklärt Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e.V. „Unser Essen ist von zentraler Bedeutung für die Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt – viel mehr als nur eine Ware. Slow Food setzt sich dafür ein, den Zyklus von Überproduktion und Verschwendung zu durchbrechen und unserem Essen wieder seinen wahren Wert zu verleihen. Der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung muss durch den Kampf für ein gutes, sauberes und faires Lebensmittelsystem untermauert werden.“ Der Verein, der in Deutschland seit 20 Jahren aktiv ist, bringt Produzenten, Händler und Ko-Produzenten (Verbraucher) miteinander in Kontakt, vermittelt Wissen und Können rund um Lebensmittel und unterstützt die nachhaltige und handwerkliche Lebensmittelproduktion und den bewussten Genuss des Essens.

Lebensmittel aus der Nähe und regionale Wirtschaftskreisläufe vermeiden Verschwendung

Durch kurze Transportwege und kürzere Lagerzeiten kommen Lebensmittel schneller und frischer zum Endverbraucher. Ein partnerschaftliches Miteinander von Produzenten und Ko-Produzenten stärkt zudem die sozialen Netzwerke und das Bewusstsein um die Herkunft und den wahren Wert der Lebensmittel. Bildungsprojekte sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Slow Food. Sie nehmen verschiedene Formen an: Verkostungen, Schulgärten, Besuche auf Bauernhöfen und in Produktionsstätten, Kinderkochclubs, Konferenzen, Workshops und Abendessen mit den Produzenten. Geschmacksbildung und Lebensmittelwissen ermöglichen, bewusst einzukaufen, Reste zu verwerten und Lebensmittel durch Verarbeiten, Konservieren und richtiges Lagern vor dem frühzeitigen Verderben zu schützen. Und genießen lässt es sich so auch besser. Unter dem Motto „Teller statt Tonne“ macht Slow Food Deutschland e.V. gezielt auf das Problem der Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Aus verschmähtem Gemüse, das wegen kleiner äußerer Mängel nicht in den regulären Handel kommt, kochen Freiwillige leckere Gerichte und verspeisen sie gemeinsam mit interessierten Bürgern an langen Tafeln auf öffentlichen Plätzen.