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Tiny_Hozuse_17-09-18.jpgNeuland Tiny House

Klein, fein, meins. So ließe sich die Idee des winzigen Hauses umschreiben. Doch damit würden wir der Bewegung um eine minimalistische Lebensform nicht gerecht. Neben der Begrenzung des Wohnraums auf die Maße eines Trailers von etwa 7 m mal 2,55 m Länge und Breite sind nach oben durch die Straßenverkehrszulassungsordnung 4 m das Maximum. Dann ist das Häuschen auch mobil, wenn die Abnahme durch eine der Prüforganisationen erfolgreich ist und das Gesamtgewicht 3,5 Tonnen nicht überschreitet. Mit Solarpanels, Wasseraufbereitung, Komposttoilette, Begrenzung auf wenige Stromverbraucher und viele weitere ökologische Komponenten ist der Gedanke der Nachhaltigkeit fast zu Ende gedacht. Aber Mobilität muss ja nicht sein. Dann kann der Winzling auch andere Formen und Größen annehmen. Doch die Mobilität hat auch Vorteile. Wenn´s dem Hausbesitzer langweilig wird oder die Nachbarschaft doch nicht das richtige Umfeld ist, so kommt das gute Stück an den Hacken und es geht zum nächsten Stellplatz.

Übrigens: die Idee dieses Tiny-House kommt aus den U.S.A. Doch der eigentliche Erfinder wird wohl die Kultfigur Peter Lustig aus der Sendung „Löwenzahn“ sein. 1981 startet die Kindersendung mit vielen Wissenswertes aus dem täglichem Leben des Bauwagenpionier.

Wo viele Vorteile sind, gibt’s natürlich auch Haken. Denn für das Aufstellen eines solchen Exemplar ist wahrscheinlich mal wieder ein bürokratischer Akt in Form einer Baugenehmigung erforderlich. Wer sich mobil von Ort zu Ort bewegt, kann auch auf Campingplätzen eine vorübergehende Bleibe finden. Doch es gibt wohl auch Sondergenehmigungen, die ein Aufstellen auf geeigneten Grundstücken ohne das Bauamt ermöglichen.

Bei uns Deutschen steht der Immobilienwunsch ganz weit oben. Trotz steigender Preis. Bevor nun der geneigte Leser den Bankberater seines Vertrauens wegen einer Finanzierung umgarnt, sollte er/sie sich intensiv mit dem Winzling auseinandersetzen. Denn winzig heißt nicht unbedingt günstig. Auch wenn wenig Grundstück benötigt wird, so ist bei der Finanzierung wieder ein Hürdenlauf erforderlich.

Auch wenn die Häuser im XXS-Format nach wenig Aufwand aussehen, hier einmal einige Stolpersteine bei der Realisierung.

Bebauungspläne der Gemeinden

Wer das Gebäude nicht als Wohnwagen, sondern als festen Wohnsitz nutzen möchte, muss zunächst geeignetes Bauland finden. Hier gilt es zu prüfen, ob die bestehenden Bebauungspläne der zuständigen Gemeinde die Platzierung der neuartigen Häuser zulassen.

Vorbehalte von Banken

Banken tun sich mit der Finanzierung solcher Immobilien aktuell noch schwer. Eine der Schwierigkeiten ist die noch mangelnden Erfahrung mit diesem Wohntypus. Gerät der Eigentümer beispielsweise in Zahlungsschwierigkeiten, muss die Bank das Objekt veräußern können. Ob und in welcher Höhe dies tatsächlich möglich ist oder ob es sich lediglich um einen kurzzeitigen Liebhaber-Trend handelt, ist momentan noch nicht absehbar und damit ein Risiko für die Banken. Doch das ist eine Diskussion, die schon immer im Bankenleben geführt wird. Das Risiko wird immer gern auf den Kunde übertragen. Mit Bürgschaften, Abtretungserklärungen und vielem mehr wird der potentielle Investor immer wieder hingehalten.

Eine weitere Besonderheit stellt die Mobilität der Bauten dar. Während eine herkömmliche Immobilie mittels Fundament fest mit dem Grundstück verbunden ist, können Tiny Houses transportiert und damit dem Zugriff der Bank entzogen werden. Ist dennoch eine Bank gefunden, die bereit ist, dieses Risiko einzugehen, sind die Konditionen genau zu studieren. Erwartungsgemäß will dann die Bank das „höhere Risiko“ in aller Regel durch einen höheren Eigenkapitaleinsatz sowie höhere Darlehenszinsen absichern. Doch dieser Argumentation sollte nicht gefolgt werden. Denn täglich werden zehntausende KfZ finanziert mit äußerst geringen Zinsätzen. Die Ausfallquote strebt hier gegen Null.