Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

ASC_0536.JPGDie Ferienpläne der Deutschen 

Zum Jahresbeginn 2017 hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) für die CMT in Stuttgart eine erste vorläufige Bilanz des Reisejahres 2016 erstellt und die touristischen Trends des neuen Jahres ermittelt. Martin Lohmann stellte für die FUR die Ergebnisse in Stuttgart vor.

2016: Noch ein Rekordjahr

Auch 2016 präsentierte sich der weltweite Tourismus wieder als Wachstumsbranche –trotz des als schwierig wahrgenommenen Umfeldes. Die Zahl internationaler Ankünfte wuchsum rund 4% [Quelle: UNWTO], für das Gesamtjahr 2016 wird ihre Zahl voraussichtlich bei deutlich über 1,2 Mrd. Liegen. Auch die Destination Deutschland konnte im Jahr 2016 wiederum Zuwächse in den Beherbergungsstatistiken verzeichnen. Die Zahl der Ankünfte stieg bis September um 2,8% gegenüber dem Vorjahr, die Zahl der Übernachtungen um 2,5% [Quelle: Stat. Bundesamt]. Dabei trugen vor allem deutsche Gäste (Ankünfte +3,2%; Übernachtungen +2,8%) zum erneuten Wachstum bei.

Für den Bereich der Urlaubsreisen der Deutschen erwartet die FUR nach den vorläufigen Daten auf der Basis der RA online vom Jahresende für 2016 ein stabil hohes Niveau der Nachfrage mit einem Volumen von etwa 69 Mio. Urlaubsreisen mit Ausgaben in Höhe von ca. 66 Mrd. Euro (= Vorjahrsniveau) und eine Steigerung der Zahl der Kurzurlaubsreisen auf 88 Mio. (+ 4% zum Vorjahr).

Terror dämpft nicht Reiselust, sorgt aber für Verschiebungen der Reiseströme

Die vorläufige Bilanz ist erfreulicher als zu Jahresbeginn abzusehen war. Der Start ins Reisejahr 2016 stand unter schlechten Vorzeichen, bedingt durch die Verunsicherung nach einer Terrorwelle Ende 2015, die sich im Jahr 2016 fortsetzte. Darüber hinaus wurde die politische Lage als Kriterium der Reisezielwahl stärker als früher thematisiert. Diese aktuellen Entwicklungen haben das Gesamtvolumen der Urlaubsreisenachfrage nicht reduziert. Es kam aber zu deutlichen Verschiebungen der touristischen Reiseströme innerhalb Europas. Dennoch sind Länder wie die Türkei und Ägypten auch 2016 bedeutende Urlaubsziele der Deutschen geblieben. Die Reiseveranstalter in Deutschland hatten durch die Verlagerung der Reiseströme einige Herausforderungen zu bewältigen. Für das Tourismusjahr berichten sie dennoch von stabilen Umsätzen [Quelle: DRV]. Die im Vergleich zu den Befürchtungen in der ersten Jahreshälfte 2016 insgesamt positive Situation ergibt sich u.a. durch den breiten Verhaltensspielraum der Urlauber (viele Urlaubsinteressen), aber auch durch den geringen direkten Bezug des aktuellen Terrors zu den meisten Urlaubszielen.

Caravaning: Reisen mit Wohnwagen und Reisemobil ist beliebt

Etwa 3 Mio. Urlaubsreisen werden pro Jahr mit dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil unternommen, hinzukommen ca. 4 Mio. Kurzurlaubsreisen. Mit einem Marktanteil von jeweils gut 4% blieb das Caravaning-Segment in den letzten Jahren stabil, langfristig gab es aber Steigerungen. Für das Wachstum sind zunehmend jüngere Kunden verantwortlich, das Durchschnittsalter der Caravaner ist von 2005 zu 2015 leicht gesunken. Für die Zukunft interessieren sich 11% (2006: 8%) der Bevölkerung für eine Reise mit dem Wohnmobil, rund 8% (2006: 7,5%) denken an einen Wohnwagenurlaub [Quelle RA 2016]. Vorzeichen für 2017: Stabile Wahrnehmung der wirtschaftlichen Situation und viel Urlaubslust

Bei der Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Deutschen weniger pessimistisch gestimmt als im Vorjahr: Mit 33% erwartet jeder dritte in der Bevölkerung, dass die Lage sich im gerade begonnenen Jahr verschlechtern wird (Vorjahr 46%), 16% erwarten eine Verbesserung (Vorjahr: 13%). Nun werden Reisepläne weniger vor dem Hintergrund der allgemeinen als mit Blick auf die persönliche Situation entwickelt. Hier sieht das Bild anders aus: 24% (nahezu unverändert, Vorjahr 25%) erwarten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation in einem Jahr verbessert haben wird; 21% (Vorjahr: 20%) befürchten eine Verschlechterung. Die restlichen 55% sehen keine Veränderung. Die somit insgesamt als stabil wahrgenommene individuelle wirtschaftliche Situation ist eine wichtige Vorbedingung für den Urlaubstourismus 2017.

Mit Gedanken an die Urlaubsreisen 2017 haben sich bereits vier von fünf Deutschen (79%) beschäftigt. Ob jemand tatsächlich eine Reise antritt, ist vor allem eine Frage des Könnens (ausreichend Zeit und Geld?) und des Wollens (Urlaubslust?). Deswegen werden diese Indikatoren als Basis zukünftiger touristischer Nachfrage. Hier zeigt sich: Die Urlaubslust steigt (56%, Vorjahr: 53%). Ebenfalls sehen viele Personen für 2017 ausreichende finanzielle Möglichkeiten (57%) und zeitliche Möglichkeiten (61%). Diese Daten weisen auf eine stabile Nachfrage (Zahl der reisenden Personen) im Urlaubstourismus 2017 hin. Spielraum für Wachstum könnte es bei der Zahl der Reisen und bei den für Reisen getätigten Ausgaben geben. Auch danach wurde gefragt: 23% der Deutschen wollen 2017 mehr Reisen machen als im Vorjahr, 13% weniger. 28% wollen mehr Geld für Reisen ausgeben, 14% weniger. Insgesamt drücken diese Ergebnisse vor allem eine positive Urlaubsstimmung aus, die nachfrageseitig gute Startbedingungen für 2017 signalisiert.

Urlaub 2017: Reiseziele und Reisearten

Als Touristen sind die Deutschen sehr verlässlich, selbst in ihrer Neugier: 41% planen, in diesem Jahr ein Ziel zu besuchen, in dem sie noch nicht gewesen sind. Das ist fast der gleiche Wert wie im vergangenen Jahr (42%). Diese Absicht wird oft auch in die Tat umgesetzt: Rund 35% der Urlaubsreisen führen in ein Ziel, in dem der Reisende noch nicht gewesen ist. Nicht so stark ausgeprägt ist das Interesse, eine neue Art von Urlaubsreisen auszuprobieren. Das planen für 2017 „nur“ 14%. Die geäußerten Präferenzen für Destinationen sind nahezu identisch mit denen der Vorjahre. Insgesamt betrachtet werden deswegen auch 2017 Urlaubsreisen im eigenen Land mit etwa 30% den ersten Platz der Hitparade einnehmen. Es folgen Spanien, Italien, Österreich und die Türkei. Vieles spricht dafür, dass die relativen Verlagerungen im Mittelmeertourismus zu eher westlichen Zielen auch 2017 bestehen bleibt.

Ausblick

Für 2017 kann man auf Grundlage dieser Daten und unter der Annahme einer weitgehend positiven wirtschaftlichen Situation der Privathaushalte wieder ein sehr gutes Reisejahr erwarten. Die nachfrageseitigen Startbedingungen für den Urlaubstourismus im Jahr 2017 sind positiv. Terror, Krisen, politische und gesellschaftliche Veränderungen können dieses Bild auch in Zukunft beeinflussen, die Einflüsse bleiben aber begrenzt. Ein signifikantes Wachstum des Gesamtmarktes ist nicht zu erwarten. So bleibt bei einer auf hohem Niveau stagnierenden Nachfrage der Wettbewerb zwischen den Destinationen und Anbietern um die anspruchsvollen und kompetenten Kunden hart. Schöne Ferien dürften für die meisten Urlauber auch 2017 kein Problem sein.