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Barrierefreier_Urlaub_20-04-18.jpgReisen mit Einschränkungen

Haben Sie sich schon einmal eine Hand verstaucht oder konnten aufgrund einer Fußverletzung nicht mehr gehen? So etwas geht schnell. Wenn das alles zu Hause passiert, dann ist es nicht so schlimm. Da ist alles an seinem Platz und mit etwas Mühe haben Sie sich schnell wieder eingerichtet, bis die Verletzung auskuriert ist. Auf einer Reise sieht das aber ganz anders aus. Es ist viel zu organisieren und neu zu gestalten. Doch wenn Menschen mit Einschränkungen in den Urlaub fahren bedeutet dies erhebliche Vorbereitung und ausführliche Planung, damit der Urlaub auch gelingt. Für Menschen mit Behinderung ist darüber hinaus oft eine ganze Menge Extraplanung nötig, wenn sie das Fernweh packt. Umso erfreulicher, dass viele Dienstleistungsanbieter der Reise- und Tourismusbranche den entsprechenden Handlungsbedarf erkannt haben. Hotels, Restaurants, Reisebüros und Reiseveranstalter gehen zunehmend auf die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap ein. Das Resultat: Immer mehr Möglichkeiten für barrierefreies Reisen und eine verbesserte Zugänglichkeit von Freizeit- und Kultureinrichtungen. Dabei gilt es nicht nur, Räumlichkeiten entsprechend auszustatten. Besondere Bedürfnisse und eingeschränkte Mobilität spielen natürlich schon bei der Anreise eine wichtige Rolle.

DIN-Standards erfüllen, Mitarbeiter schulen

Damit Menschen mit eingeschränkter Mobilität genau wissen, ob ein Hotel für sie geeignet ist, gibt es DIN-Normen für barrierefreies Bauen. Diese regeln beispielsweise die Breite von Durchgängen, auf denen sich zwei Rollstühle begegnen können müssen, die Höhe, in denen Bedienelemente angebracht sein dürfen, damit sie ohne Aufwand erreichbar sind, sowie die Maße und Ausstattung der Sanitärräume. Neben den baulichen Maßnahmen spielt aber auch die soziale Komponente eine wichtige Rolle und damit die Mitarbeiter. Wie verhalte ich mich gegenüber einem Menschen im Rollstuhl oder mit einer Hör- oder Sehbehinderung? Hilfe anbieten oder so agieren, als gäbe es keine Einschränkung? Um eine barrierefreie Reiseerfahrung gewährleisten zu können, ist es wichtig, dass solche Unsicherheiten vorher behandelt werden und das Personal entsprechend geschult ist, um unvoreingenommen auf die individuellen Bedürfnisse aller Gäste reagieren zu können. Luckx – das magazin möchte deshalb einige Hotels und Projekte vorstellen, die sich neben ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt auch der besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung bewusst sind und entsprechend darauf eingehen.

 

Urlaubsparadies für alle

Das bayrische Hofgut Hafnerleiten lockt mit einer Auszeit für die Seele, strahlenfreien Zimmern, kulinarischem Genuss und idyllischen, individuell gestalteten Themenhäusern, von denen eines komplett barrierefrei gebaut wurde. Im Thailändischen „Villen-Wunderland“ Keemala gibt es ebenfalls zwei Zimmer, die man speziell für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gestaltet und entsprechend ausgestattet hat. Außerdem sind hier alle öffentlichen Bereiche wie Restaurants und Toiletten durch Lifts oder Rampen barrierefrei zugänglich. Zur komfortablen Fortbewegung innerhalb der Anlage des Keemala steht ein Rollstuhlwagen zur Verfügung, der Gäste zusammen mit ihrem Rollstuhl über das hügelige Gelände transportiert. Auch im Leitlhof in den Dolomiten ist der gesamte Hotelbereich barrierefrei und die großzügigen Zimmer ermöglichen einen entspannten Urlaub für Personen mit Handicap. Eine barrierefreie Naturerfahrung bietet eine Modellregion im Nationalpark Berchtesgaden, in dem auch das Berghotel Rehlegg liegt. Der Modell-Management-Plan Barrierefreiheit, von dem zahlreiche Punkte im Klausbachtal umgesetzt werden, umfasst bauliche Maßnahmen zur Barrierefreiheit sowie spezielle Angebote für Menschen mit Handicap. Dazu gehören beispielsweise rollstuhlgerechte Aussichtsplattformen, die barrierefreie Hängebrücke über dem Klausbach sowie Audioguides für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit.

Praktische Planungshilfe für unterwegs

Auf der Plattform für barrierefreies Reisen haben sich über 300 Hotels, Bauernhöfe und Ferienwohnungen zusammengetan, um passende Rahmenbedingungen für Menschen mit Rollstuhl, mit Einschränkungen beim Sehen, Hören oder Gehen oder geistigen Einschränkungen zu bieten. Und über die Möglichkeit zur Suche nach einer Unterkunft hinaus gibt es auch eine praktische Hilfe für die Planung von Unternehmungen vor Ort. So können unerfreuliche Überraschungen vermieden werden und beispielsweise Ausflüge lassen sich im Vorfeld bestens planen, indem die Orte und Angebote auf Barrierefreiheit geprüft werden.

Gelebte Inklusion in Freiburg

Das Green City Hotel Vauban bietet ebenfalls barrierefreie Zimmer an und ermöglicht damit Menschen mit Behinderung mehr Möglichkeiten auf Reisen. Darüber hinaus arbeiten in dem Inklusionshotel, das von einer gemeinnützigen Gesellschaft geführt wird, sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung. Rund die Hälfte der Mitarbeiter hat eine Behinderung. Hier werden neben Barrierefreiheit vor allem Toleranz, Akzeptanz und soziale Verantwortung großgeschrieben. Weil der Alltag im Hotel durchaus auch mal stressig werden kann, legt man besonders viel Wert darauf, dass der Ton untereinander sehr ruhig ist, keine unnötige Hektik entsteht und der soziale Umgang miteinander an erster Stelle steht. Abhängig von ihren geistigen, körperlichen oder psychischen Einschränkungen werden Mitarbeiter entsprechend geschult und durch Fortbildungs- und Trainingsmaßnahmen gefördert. Erklärtes Ziel des Green City Hotel Vauban: die tatkräftige Unterstützung von Menschen mit Einschränkungen. Darüber hinaus betont Hotelmanager Johannes Staub im Interview mit Green Pearls®: „Das Wichtigste ist, dass der Gast uns als nachhaltiges und integratives Hotel wahrnimmt. Dass um uns herum Menschen mit Behinderung leben und man diese eigentlich gar nicht wahrnimmt. Gäste sollen erkennen, dass individuelle Hotels mit nachhaltigen Konzepten gut für unsere Umwelt sind und man an seinem Hotelaufenthalt keine Abstriche machen muss.“