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ASC_3697.JPGJagen & Sammeln 

Wir Menschen sind doch noch immer Sammler und Jäger. Wer das nicht glaubt, soll einmal einen einfachen Flohmarkt besuchen. „Altes Zeug“ wird zum Verkauf angeboten. Für manch einen – der sich verwundert die Augen reibt aufgrund des irren Preises – ist dieses menschliche Verhalten nicht nachvollziehbar.

Dabei hat alles so harmlos begonnen. 1967 fand der erste Flohmarkt in Hannover statt. Der Aktionskünstlers Reinhard Schamuhn hatte die Idee. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts boomten solche Märkte; meist organisiert von Städten und Gemeinden für ihre Bürger. Aber auch soziale Einrichtungen oder Vereine traten als Veranstalter auf. Daneben entwickelten mehr und professionelle Organisatoren die Geschäftsidee weiter. Dabei ist die Größe des Flohmarktes nicht von seinen Organisatoren abhängig. Einzig thematische Flohmärkte entscheiden über die Angebotsvielfalt. Sollte z.B. das Verkaufsangebot aus minderwertiger Neuware bestehen, entscheiden die Besucher schnell mit ihren Füßen über den Erfolg der Veranstaltung. Und Flohmarktbeschicker wissen sehr schnell, wo mit dem passenden Angebot Geld zu verdienen ist. Auf vielen größeren Flohmärkten finden sich professionellen Verkäufer ein. Sie können gerade für die Veranstalter professionell organisierter Märkte zu einem Angebotsgewinn führen. Dabei komme es häufig vor, dass von den Besuchern Eintritt oder Parkgebühren erhoben wrrden. Für Verkäufer wird fast immer eine Standgebühr fällig, die oft nach der Länge des aufgebauten Standes berechnet wird. Manchmal ist ihre Höhe auf ein und demselben Markt unterschiedlich, überdachte Standplätze oder solche im Eingangsbereich sind dann teurer. Es werden z.T. wie bei Messen üblich, Standplätze nach Lauflagen oder entsprechenden Anbieterumfeld Mieten fällig.

Auf Themen-Flohmärkten, wie Bücher-, Militaria-, Schallplatten-, Puppen- oder allgemeinen Spielzeugbörsen, werden Waren zu einem bestimmten Sammelgebiet gehandelt. Über Termine und Themen informieren Markt- und Fachzeitschriften und deren Internetseiten. Der Nachtflohmarkt ist eine tageszeitlich neuartige Version des Flohmarktes, der spätnachmittags bis nachts meist in geschlossenen Veranstaltungshallen stattfindet. Für manchen Nachtflohmarkt müssen Besucher Eintritt zahlen, um am Handel teilhaben zu können. Insbesondere im Süden und Osten von Deutschland etablieren sich seit einigen Jahren Nachtflohmärkte, die einem stark heterogenen und urbanen Publikum spätes Kaufen und Verkaufen von Trödel aller Art ermöglichen. Zusätzlich gibt es dort häufig ein Rahmenprogramm, zumeist Essen, Getränke und Musik. In Leipzig existiert seit dem Jahr 2000 der Nachtflohmarkt im Kohlrabizirkus, in München findet seit 2007 der Nachtflohmarkt nachtkonsum statt. In Erfurt konkurrieren die Nachtflohmärkte in der Thüringenhalle und in der Messehalle um Besucher, häufig an aufeinanderfolgenden Samstagen.

Eine weitere mit Flohmärkten eng verwandte Gattung sind Märkte, auf denen ausschließlich Stücke aus einem speziellen Sammelgebiet (z. B. Uhren, Tonträger, altes Spielzeug, Modellbahnen usw.) verkauft werden. Auch hier wird in der Regel Eintritt verlangt und bei den Verkäufern handelt es sich ebenfalls überwiegend um professionelle Händler. Solche Märkte werden von ihren Veranstaltern häufig als Börse bezeichnet, die Händler und Besucher reisen meist gezielt und häufig über größere Entfernung an, spontane Marktbesucher sind hier meist nicht anzutreffen.ASC_3718.JPG

Insbesondere speziell auf ein Sammelgebiet ausgerichtete Märkte können zum Treffpunkt von Sammlern werden, die eigens anreisen und dort (geplant oder zufällig) Sammlerkollegen treffen und sich untereinander austauschen.

Der Besuch eines Flohmarktes dient in der Regel dem eigenen Vergnügen und hat im Gegensatz zu anderen Einkäufen nicht den Charakter alltäglicher Notwendigkeit. Er findet daher meist ohne Zeitdruck statt.

Eine ganz besondere Spezie einer solchen Sammlerbörse ist „Verzamelaars“ in Utrecht in den Niederlanden. Über 1.600 Anbieter aus den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Österreich, Frankreich, Italien uvm bieten auf Europas größter „Vintage Evenement“ ein riesiges Angebot zum Teil historischer Gegenstände an. Sammler gehen wahrscheinlich nur unter blutdrucksenkenden Mitteln durch dieses Schlaraffenland. In fünf riesigen Messehallen zwängen sich an je einem Wochenende im Frühjahr und Herbst rund 26.000 Eintritt zahlende Besucher. Ein Schwerpunkt ist mit Sicherheit der Schallplatten und CD Bereich mit rund 550 Anbietern. Aber auch viele andere Angebote aus den unterschiedlichsten Sammelgebieten vom Stofftier bis zum Vorderlader finden ihre Abnehmer.

Auch wenn die Aussteller sehr kommunikativ waren, so wurden sie sehr schmallippig, was ihren wirtschaftlichen Erfolg anbetraf. Es war vielfach aus den Gesprächen nur zu erahnen, dass einige damit ihren Lebensunterhalt bestreiten und sich dabei über die hohen Kosten bei Standmiete, Unterkunft und Sprit muckierten. Das schien aber wohl eher eine Minderheit zu sein. Viele sahen es eher als Hobby, um ihrer eigentlichen Leidenschaft des Sammeln nachzugehen. So trafen wir Frau Segler, die nach alten Puppen, insbesondere Käthe Kruse Puppen, Ausschau hielt. Aber so richtig fündig ist sie nicht geworden. Was treibt sie an, war dann unsere Frage. Aus dem kindlichem Spiel mit Puppen ist sie nahtlos zur Sammelleidenschaft übergegangen. „Zuerst habe ich damals als Auszubildende mit wenig Geld auch nur jüngere Puppe gesammelt, später kamen ältere Modelle hinzu“ erzählt sie freimütig. Und heute: „na ja, ich kann ja gut verstehen, dass Händler Geld verdienen möchten. Doch mir ist es wichtig, die Historie Spielzeug am Beispiel der Käthe Kruse Puppen einmal möglichst vollständig aufzuzeigen“. Ein Museum, unsere Frage? Strahlende Augen mit einem vielleicht zeigen, was der Wunsch dieser Sammlerin ist. „Schön wäre es doch, wenn es wieder eine private Ausstellungsstätte wie früher in Den Helder geben könnte, vielleicht in Deutschland? Doch das Museum wurde vor rund zwei Jahren aufgelöst.“ Gern unterstützt luckx – das magazin dabei. Wer seine alte Käthe Kruse Puppe, passende Bekleidung oder Zubehör anbieten möchte, wende sich bitte an Frau Segler unter dieser eMail Adresse: info@luckx.de. Wir leiten Ihre Nachricht an sie weiter.