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Vauban_Freiburg_26-10-17.jpgNachhaltige Lebenskultur

Der Stadtteil Vauban in Freiburg gilt seit 20 Jahren als Vorzeigemodell. Im heutigen Kleid aus einer Bürgerinitiative entstanden, zählt das Quartier zu den grünsten Vierteln Deutschlands. Autofreie Zonen, Passivhäuser, Solardächer und Dachgärten brachten Öko-Glamour, auch international.

Gartenzwerge go home!

Die Innovation Academy ist ein gemeinnütziger Verein, der neben Seminaren und Projektinitiierungen Reisende aber auch Delegierte aus aller Welt durch den Stadtteil führt und zeigt, wie hier Maßstäbe in puncto nachhaltiger Architektur und Lebensraum gesetzt wurden. Wie entweder durch Eigeninitiative oder gekonntes Upcycling alte Gebäude erhalten und aufgestockt, umgebaut, sprich neu interpretiert, wurden und ihre Funktionalität verändern. Die Vorgartengestaltung ist wild, von Spießigkeit keine Spur, hier kommen Gedanken von Freiheit und Entspanntheit auf. Ein Ausflug in das eigene Urban Gardening Projekt zeigt Interessierten, wie sie eine Wurmkultur anlegen und auch in der Stadt Soja, Auberginen, Zucchini und vieles mehr anbauen können. Ein eigener wilder Bienenstamm gehört natürlich ebenfalls dazu.

Unorthodox & nachhaltig – Green City Hotel Vauban

Auch das Green City Hotel Vauban mit 48 Zimmern macht seinem Namen alle Ehre. Das Stadthotel besteht seit 2013 und liegt inmitten des urbanen Vauban. Nur zehn Minuten von der Innenstadt entfernt, zeigt das Hotel, dass öko nicht angestaubt sein muss und besticht mit zeitgenössischem Design aus massiver Esche, das hervorragend zum Rohbeton passt. Natürliche Materialien fusionieren zu stylishen Möbeln, immer betont zurückhaltend, aber niemals kühl. Hier drehte 2015 Heike Makatsch unter anderem ihren ersten Tatort „Fünf Minuten Himmel“. Gen Himmel bahnen sich auch die sattgrünen und haushohen Kletterpflanzen an der Lowtech-Fassade der Außenwände des kleinen Stadthotels ihren Weg. Sie kühlen im Sommer und wärmen im Winter und zeichnen ganz nebenbei interessante Lichtschatten in die Räume. Gäste des Hotels bewegen sich entweder per Fahrrad vom angrenzenden Fahrradverleih RADieschen, ansonsten erhalten sie für den gesamten Aufenthalt ein kostenloses Regionalticket für den öffentlichen Nahverkehr und alle Züge der Deutschen Bahn (2. Klasse).

Gelebte soziale Verantwortung

20 Mitarbeiter arbeiten hier engagiert zusammen, mit und ohne Handicap und absolut gleichberechtigt. Menschen mit Behinderung, die auf dem „ersten Arbeitsmarkt“ geringe Chancen haben, erhalten hier einen regulären Arbeitsplatz. Und das Konzept geht auf: Die Stimmung ist entspannt und vergnügt, die Gäste honorieren es und kommen immer wieder.

Das Frühstücksangebot setzt auf regional-ökologische Produkte, auf Umverpackungen wird generell verzichtet. Gäste können ihren Hunger und Durst mit Delikatessen und Getränken heimischer Lieferanten stillen. Für die Zubereitung der Kaffeespezialitäten verwendet das Green City Hotel Vauban beispielsweise hochwertigen Kaffee aus dem Kaffeewerk Zollernalb, ebenfalls ein Integrationsunternehmen.

Slow Food & Werbung aus dem 14. Jahrhundert

Für nur 28 Euro erleben Freiburgbesucher eine nachhaltige Markttour (ausschließlich in kleinen Gruppen) mit FreiburgErleben. Hier verraten lokale Erzeuger ihre Rezepte und lassen ihre Produkte verkosten. Köstlich sind beispielsweise die leckeren Brotaufstriche des Start-ups Hakunamatata oder die feinen Essigessenzen und der Senf von Ireneus Frost sowie der aromatische Honig der Honiggalerie Heldt. Zum Programm gehört auch ein Rundgang durch den Münster. Die pittoresken Kirchenfenster zeigen teilweise grausige Geschichten – das Volk verstand kein Latein, benötigte also Unterhaltung. Kurios sind auch die bunten Motive der verschiedenen Zünfte, quasi die ersten Werbemaßnahmen des 14. Jahrhunderts!