Story   Boulevard   Kultur   Sport   Reise   Bücher   Mobil   Familie   Geschenktipps   Archiv   

Gesundheitsstudie_PWC_01-03-19.jpgVertrauen

Ärzte genießen in unserer Vorstellung ein hohes Vertrauen. Denn wir hoffen auf deren Kompetenz uns „zu heilen“; wenn wir denn einmal krank werden. Doch wie sieht die Realität aus? Um es schon einmal vorweg zu nehmen: Wunderheiler gibt es nicht. Auch Ärzte versuchen aus dem Gespräch mit ihren Patienten in kürzester Zeit die passende Lösung zu finden. Doch das ist nicht immer einfach. Denn zwischen Patient und Arzt muss die Kommunikation stimmen. Beide müssen sich verstehen, der Arzt muss erkennen, was der Patient ihm sagen möchte. Doch dafür sich Ärzte genauso wenig ausgebildet wie Lehrer. Beiden fehlt die Zeit. Der Druck, bestimmte Sollzahlen zu erfüllen, ist riesig. Da bleibt wenig Zeit. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade dieser Punkt die größte Kritik an den Medizinern herausfordert: Vier von zehn Deutschen bemängeln, dass ihr Arzt sich zu wenig Zeit nimmt.

Die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrem Gesundheitswesen nimmt spürbar ab: Nur noch 55 Prozent der Bürger zählen es zu den drei besten Systemen der Welt - vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 64 Prozent, vor einem Jahr immerhin noch bei 59 Prozent. Gerade bei der Altersgruppe der älteren Menschen über 55 Jahre, die naturgemäß häufiger in medizinischer Behandlung sind, ist dieser Zustimmungswert 2018 gegenüber dem Vorjahr erkennbar gesunken, von 59 auf 53 Prozent. Das sind zentrale Ergebnisse des „Healthcare-Barometers 2019", einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bundesbürgern, die bereits zum fünften Mal durchgeführt wurde. „Deutschland hat noch immer eine medizinische Versorgung auf sehr hohem Niveau", sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. „Doch im internationalen Vergleich liegen wir in puncto technologische Entwicklung weit zurück. In anderen Ländern ist die elektronische Patientenakte, die zeitlich flexible Wertemessung per App oder die ortsunabhängige Behandlung per Video-Chat längst Wirklichkeit, in Deutschland kommen digitale Technologien erst langsam beim Patienten an. Ich führe die sinkende Zufriedenheit auch darauf zurück, dass wir beim Zukunftsthema E-Health kaum vorankommen."

Niedergelassene Ärzte nehmen sich zu wenig Zeit

Klare Unzufriedenheit äußern die Versicherten mit der Behandlung bei niedergelassenen Ärzten: Vier von zehn Deutschen bemängeln, dass ihr Arzt sich zu wenig Zeit für sie nimmt. Ein weiterer Grund für Unzufriedenheit sind die Öffnungszeiten der Praxen, die den eigenen Bedürfnissen nicht entsprechen. Der Wunsch nach Flexibilität hat zugenommen - 24 Prozent äußern diese Kritik, während es 2017 nur 20 Prozent waren. Aber auch das Gefühl, sich vom Arzt und seinen Angestellten nicht ernst genommen zu fühlen, äußern 22 Prozent der Befragten. Rundum zufrieden mit der ärztlichen Behandlung sind lediglich 33 Prozent der Bürger.

Der Arzt verliert bei der Wahl des Krankenhauses an Bedeutung

Weitgehend zufrieden sind Versicherte in Deutschland dagegen mit der stationären Versorgung in Krankenhäusern, die mehr als jeder zweite Bundesbürger als gut oder sehr gut einschätzt. Allerdings schauen Frauen etwas kritischer auf die deutsche Kliniklandschaft: Während 56 Prozent der Männer sich als zufrieden bezeichnen, sind es unter den Frauen nur 47 Prozent.

Wenn es um die Wahl des richtigen Krankenhauses geht, verliert der Hausarzt erkennbar an Einfluss - informierten sich 2017 noch 61 Prozent bei ihm, hörten 2018 nur noch 54 Prozent auf seinen Rat. Dagegen gewinnt die Empfehlung von Freunden und Bekannten an Bedeutung (2017: 42 Prozent, 2018: 46 Prozent).

Die Zufriedenheit mit der eigenen Krankenkasse steigt wieder

Ebenso ist die Mehrheit der Deutschen mit den Leistungen der Krankenkassen einverstanden, der Zustimmungswert ist im Vorjahresvergleich 2018 um zwei Prozentpunkte auf 86 Prozent gestiegen. Acht von zehn Deutschen sind überzeugt davon, dass sie alle Leistungen für eine gute medizinische Versorgung bekommen - auch dieser Wert ist gegenüber den Vorjahren leicht gestiegen (2017: 78 Prozent, 2018: 81 Prozent).

Das Vertrauen in die Pharmaindustrie steigt

Medikamente sind zentraler Bestandteil einer guten medizinischen Versorgung, aber den Herstellern, der Pharmaindustrie, standen viele Versicherte in den vergangenen Jahren skeptisch gegenüber. Zwar betrachten noch immer 69 Prozent sie eher als Unternehmen, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, denn als innovative Unternehmen, die mit ihren Produkten Menschen heilen (20 Prozent). Doch der Branche ist es kontinuierlich gelungen, ihr Image zu verbessern und Vertrauen aufzubauen: 2014 äußerten noch 76 Prozent den Vorwurf der Gewinnorientierung, lediglich 15 Prozent sahen die Unternehmen als Innovatoren.

Auch für die kommenden Jahre sind die Erwartungen in die Pharmaindustrie hoch: Sie soll neue Medikamente entwickeln, die neue Heilungschancen bieten, wie 65 Prozent fordern. Die Entwicklung günstiger Nachahmermedikamente, sogenannter Generika, ist den Versicherten dagegen weniger wichtig (29 Prozent).

Zwei Drittel der Bürger bestellen ihre Medikamente im Netz

Geht es beim Kauf von Arzneimitteln allerdings um den eigenen Geldbeutel, achten viele Menschen sehr wohl auf den Preis: Zwei Drittel der Deutschen bestellen mittlerweile ihre Medikamente im Internet, weitere 10 Prozent können sich vorstellen, künftig bei einer Online-Apotheke zu ordern. Entscheidendes Kriterium für die Auswahl einer Online-Apotheke ist der Preis, wie 76 Prozent bestätigen. Allerdings hat mehr als jeder Zweite bei Bestellungen aus dem EU-Ausland auch Angst vor gefälschten Medikamenten.