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Volkswagen_Historie_25-05-17.jpgVon Käfern und Bullis 

John Steinbecks berühmter Roman „Von Mäusen und Menschen“ erschien zwar im gleichen Jahr, diente zum Glück nicht als Vorbild des vor 80 Jahren am 28. Mai 1937 in Berlin gegründeten „Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH", dem Vorläufer des heutigen Volkswagen Konzerns. Aus einem Unternehmen, dessen Geschichte mit der Produktion des Käfers begann, entwickelte sich über die acht Jahrzehnte ein Global Player mit zwölf Marken, 120 Produktionsstandorten auf vier Kontinenten, mehr als 620.000 Mitarbeitern und mehr als 10 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen pro Jahr.

Die Vision vom erschwinglichen Autofahren für alle gesellschaftlichen Schichten hatte die Menschen und die Ingenieure seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts fasziniert. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten diese populäre Idee für sich, und so beauftragte im Jahr 1934 der Reichsverband der Automobilindustrie Ferdinand Porsche mit der Konstruktion eines „Deutschen Volkswagens". Gemeinsam mit seinem Team entwickelte er ein Fahrzeug, das 1938 serienreif war und nach dem Ende des 2. Weltkrieges über Jahrzehnte die Mobilität demokratisierte. Der Käfer begründete den Aufstieg des Volkswagen Konzerns und war mit mehr als 21,5 Millionen produzierten Fahrzeugen das erfolgreichste Automobil seiner Zeit.

Zur Fertigung des Volkswagen Typ 1, der zu dieser Zeit „KdF-Wagen" genannt wurde, startete im Mai 1938 der Bau einer Fabrik am Mittelandkanal im heutigen Wolfsburg. Der Bau des „KdF-Wagens" blieb jedoch Propaganda, bis 1945 wurden nur 630 Fahrzeuge im Werkt Wolfsburg gefertigt. Stattdessen wurden Rüstungsgüter für den 2. Weltkrieg hergestellt, darunter Kübelwagen und Schwimmwagen. Nach dem Ende des Krieges übernahmen die Briten die Verantwortung für Werk und Stadt und stellten wichtige Weichen für den Aufstieg von Volkswagen. Sie setzten sich aktiv für den Wiederaufbau ein und starteten im Dezember 1945 mit 55 Fahrzeugen die Produktion des bald liebevoll „Käfer" genannten Typ 1. Und sie legten auch den Grundstein für die Weltmarktorientierung von Volkswagen: Bereits 1947 begann mit fünf Fahrzeugen für die Niederlande der Export ins Ausland.

Tatsächlich machte die britische Verwaltung aus Volkswagen ein ziviles Unternehmen, das von einer Pole-Position aus ins deutsche Wirtschaftswunder starten konnte. Im Oktober 1949 übertrugen die Briten die Treuhandschaft an den Bund; das Land Niedersachsen wurde mit der Verwaltung betraut. Der Volkswagen Käfer und Transporter prägten das Bild des weiteren Aufbaus von Volkswagen entscheidend. Die große Nachfrage nach den beiden Modellen führte zur Errichtung weiterer Fabriken: So wurde der Transporter ab 1956 in Hannover gefertigt, Getriebe in Kassel, Achsen und Werkzeuge in Braunschweig und für den Export nach Übersee entstand das Werk in Emden.

Mit diesen Errungenschaften stand Volkswagen symbolisch für das deutsche Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland: 1952 wurde die erste ausländische Vertriebsgesellschaft in Kanada gegründet, 1953 folgte die brasilianische Tochtergesellschaft „Volkswagen do Brasil Ltda.". Im Jahr 1960 erfolgte schließlich die überwiegende Privatisierung des staatlichen Unternehmens, Volkswagen wurde in eine Aktiengesellschaft umfirmiert. Zu diesem Zeitpunkt zählte das Unternehmen bereits 64.100 Mitarbeiter und produzierte 888.500 Fahrzeuge im Jahr.

Ein weiterer Wachstumsschub folgte mit der Entwicklung zum Mehrmarkenkonzern: Im Jahr 1965 übernahm Volkswagen die Auto Union GmbH, die 1969 mit der NSU Motorenwerke Aktiengesellschaft zur heutigen Audi AG vereinigt wurde. Weitere Marken folgten ab Mitte der 1980er Jahre: SEAT (1986), SKODA (1991), Bentley (1998), Bugatti (1998), Lamborghini (1998), Porsche (2009), MAN (2011), Ducati (2012) und Scania (2015). Die Volkswagen Financial Services AG bündelt den Bereich der Finanzdienstleistungen erfolgreich unter einem Dach. Und mit dem im Dezember 2016 neu gegründeten Unternehmen MOIA ist der Konzern auch im zukunftsträchtigen Geschäftsfeld der Mobilitätsdienstleistungen aktiv.

Ein wegweisender technologischer Meilenstein in der Geschichte sowie ein Aufbruch in eine neue, erfolgreiche Ära war die Umstellung von luftgekühlten auf wassergekühlte Motoren und von Heck- auf Frontantrieb zwischen 1973 und 1975. Die Modelle Passat, Scirocco, Golf und Polo ebneten Volkswagen den Weg aus einer Krise aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen und des Ölpreisschocks 1973. Der Golf, nach dem eine ganze Fahrzeugklasse benannt werden sollte und der bis heute mehr als 33 Millionen Mal verkauf wurde, avancierte rasch zum Käfer-Nachfolger als klassenloses Fahrzeug für Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen.

Zum heutigen Global Player wurde Volkswagen auch aufgrund des frühen Markteintritts in China, wo bereits 1985 der erste Volkswagen in Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partner produziert wurde. Heute betreibt der Volkswagen Konzerns zwei Joint Ventures mit chinesischen Partnern – ein drittes folgt bald. Im Jahr 2016 verkaufte der Konzern rund vier Millionen Fahrzeuge im Reich der Mitte.

Nach Jahren kontinuierlichen Wachstums machten die Dieselkrise und die neuen Herausforderungen des Marktes eine Neuausrichtung des Volkswagen Konzerns notwendig. Mit „TOGETHER – Strategie 2025" treibt das Unternehmen seinen Wandel von einem der größten Autohersteller zu einem führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität konsequent voran. Digitalisierung, E-Mobilität, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste spielen dabei eine wichtige Rolle. Mit einer 80-jährigen Geschichte im Rücken geht der Volkswagen Konzern deshalb auch optimistisch in die Zukunft, in der es einmal mehr gilt, Innovationsgeist und Veränderungsbereitschaft zu beweisen und damit ein weiteres Kapitel erfolgreicher Konzerngeschichte zu schreiben.

Die Volkswagen Chronik bietet weitere Informationen zur Geschichte des Unternehmens: http://www.volkswagenag.com/de/group/history.html